Politik

Interessenkonflikte befürchtet EU verteidigt Studienvergabe an Blackrock

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Der US-Finanzkonzern Blackrock verwaltet und investiert weltweit mehrere Billionen Dollar.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der US-Finanzkonzern Blackrock ist für Befürworter einer grünen Klimapolitik ein rotes Tuch. Dass die EU-Kommission ausgerechnet diesen Investor mit einer Studie zu grünen Investments beauftragt, ruft heftigen Widerspruch hervor. Doch die Brüsseler Behörde lässt sich davon nicht beeindrucken.

Die US-Fondsgesellschaft Blackrock soll den Beratungsauftrag der EU-Kommission für eine Studie zu grünen Investments trotz heftiger Kritik behalten. Das zuständige Vergabegremium sehe keine Interessenkonflikte, schrieb die EU-Kommission in einem Brief an Europaabgeordnete. Es gebe keine rechtliche Grundlage dafür, Blackrock den Zuschlag zu entziehen. Die Gesellschaft mit Sitz in New York verwaltet und investiert Vermögenswerte von mehreren Billionen Dollar.

Rund 80 Parlamentarier von Grünen, Sozialdemokraten und Liberalen hatten mögliche Interessenkonflikte moniert, da Blackrock Milliardeninvestitionen in fossile Energien verantworte und voraussichtlich von Corona-Wiederaufbauhilfen profitieren werde. Sie hatten eine neue Ausschreibung für den Auftrag gefordert. Hier werde der Bock zum Gärtner gemacht, lautete der Vorwurf.

EU: "Qualität hoch, Kosten niedrig"

Die Kommission widerspricht in einem elfseitigen Schreiben vom 5. Juni. Mögliche Interessenkonflikte seien während der Vergabe geprüft und verneint worden, heißt es in dem Schreiben. Blackrock habe sogar zusätzliche Maßnahmen zur Vermeidung solcher Konflikte angeboten, was ein Vorteil gegenüber acht Mitbewerbern gewesen sei.

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Darüber hinaus sei die Qualität des Angebots besonders hoch und der Preis mit 280.000 Euro besonders niedrig gewesen - allerdings nicht "anormal niedrig". Die Wettbewerber hätten nach dem Zuschlag keinen Einspruch erhoben. Im übrigen sei die angeforderte Blackrock-Studie nur einer von vielen Beiträgen, mit denen sich die Kommission über das Thema informiere.

Der Grünen-Abgeordnete Daniel Freund bekräftigte jedoch seine Kritik: "Mit der Auswahl von US-Investor Blackrock für dieses zentrale Politikfeld sendet die Kommission ein vollkommen falsches politisches Signal. Ausgerechnet einer der größten Investoren in fossile Brennstoffe weltweit soll der EU-Kommission nun erklären, wie grünes Wirtschaften funktionieren soll." So komme das grüne Umdenken in Europa nicht voran.

Bis zum Februar war der CDU-Politiker Friedrich Merz Aufsichtsratschef des US-Investors Blackrock. Merz hatte den Posten im Zuge seiner Bewerbung für den CDU-Parteivorsitz - und damit indirekt auch um die Kanzlerkandidatur seiner Partei - zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres abgegeben.

Quelle: ntv.de, mau/dpa