Politik

Anreiz für mehr Nachhaltigkeit EU will Investitionen in soziale Firmen fördern

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Mit der Einstufung soll die nachhaltige Entwicklung in Europa vorangebracht werden.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Erst kürzlich sorgt die EU-Kommission mit der Umwelttaxonomie für Aufsehen. Nun ist zusätzlich eine sogenannte Sozialtaxonomie in Planung. Die Einstufung von Firmen mit sozialem Nutzen als nachhaltig soll einen Investitionsanreiz bieten. Eine positive Bewertung fordert unter anderem die Rüstungsbranche.

Firmen, die erschwingliche Medikamente herstellen, in der Altenpflege tätig sind oder anderen sozialen Nutzen stiften, sollten aus Sicht von Fachleuten künftig attraktiv für Investoren sein. Eine von der EU-Kommission beauftragte Expertengruppe stellte eine Empfehlung vor, wie die Brüsseler Behörde die sogenannte Sozialtaxonomie ausgestalten sollte. "Wir benennen gesellschaftlich herausragende Wirtschaftsaktivitäten, die mit Investitionen gestärkt werden sollen", sagt die Leiterin der Gruppe, Antje Schneeweiß.

Geschäfte sollen als nachhaltig deklariert werden, damit Firmen einen besseren Stand am Finanzmarkt haben, also leichter an Kapital kommen. Auch Wohnungsgesellschaften, die niedrige Mieten nehmen, und Klamottenhändler, die gute Löhne zahlen, sollen bessergestellt werden, wie aus der Empfehlung hervorgeht. Als schlecht für die Nachhaltigkeit bewerten die Fachleute zum Beispiel Tabakgeschäfte.

Unlängst hatte die Umwelttaxonomie für heftige Diskussionen gesorgt, weil die EU-Kommission Atomkraft unter bestimmten Auflagen als klimafreundlich eingestuft hat. Die Sozialtaxonomie ist ein separates Regelwerk in diesem Klassifikationssystem, das für den Finanzmarkt große Bedeutung hat. Die Taxonomie insgesamt soll Anreize setzen für Investitionen, damit Europa in Sachen Nachhaltigkeit vorankommt.

"Wir brauchen eine Sozialtaxonomie, damit gesellschaftlich sehr wichtige Aspekte bei Investitionsentscheidungen eine wichtige Rolle spielen", sagt Expertin Schneeweiß. Sollte beispielsweise ein Kleidungshändler in allen Teilen seiner Lieferkette für gute Löhne sorgen und dadurch mehr Kosten haben als Billig-Konkurrenten, so sollte dieser Händler am Finanzmarkt bessergestellt werden und als positiv für die Nachhaltigkeit eingestuft werden.

Firmen müssen auch umweltfreundlich sein

"Die zusätzlichen Ausgaben der Firmen haben einen sozialen Sinn, dies sollte anerkannt und gefördert werden", sagt die Geschäftsführerin des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren in der evangelischen Kirche in Deutschland. Gäbe es nur eine Umwelt- und keine Sozialtaxonomie, so würden viele Wirtschaftsbereiche durchs Raster fallen, sagt sie. "Die Produktion von bezahlbaren Impfstoffen spielt in der Umwelttaxonomie keine Rolle - sie ist für unsere Gesellschaft aber sehr wichtig und sollte daher ebenfalls Rückenwind durch die Taxonomie bekommen."

Zugleich darf die Tätigkeit der Firmen keine unerwünschten Nebenwirkungen auf den Umweltbereich haben. Wenn beispielsweise eine Agrarfirma relative gute Löhne zahlt, bei ihrer Produktion aber für einen hohen CO2-Ausstoß oder andere Umweltfolgen verantwortlich ist, so sollte sie nicht als positiv eingestuft werden.

Die Rüstungsbranche fordert, im Rahmen der Sozialtaxonomie als positiv deklariert zu werden, schließlich seien ihre Produkte die Grundlage für die Sicherheit Europas. Dieser Forderung kamen die Fachleute aber nicht nach. "Täten wir das, würden wir die ganze Sozialtaxonomie unglaubwürdig machen", sagt Expertin Schneeweiß.

Quelle: ntv.de, mbu/dpa

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