Politik

Der Fall Walter Lübcke Ein Tod gibt Rätsel auf

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Walter Lübcke im Sommer 2017.

(Foto: imago images / Eibner)

Er galt als ein Mann des klaren Wortes, war bei Parteifreunden, aber auch bei politischen Gegnern beliebt: Walter Lübcke starb in der Nacht zum Sonntag durch eine Kugel aus nächster Nähe. Was bisher bekannt ist.

Was ist passiert?

In der Sonntagnacht, kurz nach Mitternacht, hat ein Angehöriger der Familie Walter Lübcke leblos auf der Terrasse seines Hauses gefunden. Ihm war aus nächster Nähe in den Kopf geschossen worden. Versuche, den Regierungspräsidenten zu reanimieren, scheiterten. Gegen 2.30 Uhr wurde in einem nahegelegenen Krankenhaus der Tod festgestellt. In der Schusswunde fand die Polizei das Projektil einer Kurzwaffe. Die Ermittler gehen davon aus, dass Lübcke getötet wurde. Der 65-Jährige war verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne.

Wer ermittelt?

Als Regierungspräsident und ehemaliger Landtagsabgeordneter der CDU war Walter Lübcke eine Person des öffentlichen Lebens. Darum ermittelt das Landeskriminalamt (LKA) gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Nordhessen. 20 Ermittler arbeiten in einer Sonderkommission, um die Tat aufzuklären. Sie werden unterstützt von Kollegen des Bundeskriminalamts (BKA).

Wie wurde bislang ermittelt?

Das BKA hilft bei der Auswertung von Spuren am Tatort. Experten haben am Sonntag mit großem Aufwand das Haus und die nähere Umgebung abgesucht. Dabei setzten sie, wie die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" (HNA) berichtet, Spürhunde und auch einen Hubschrauber ein. Das Gebiet um Lübckes Wohnhaus sperrte die Polizei weiträumig ab.

Walter Lübcke war in Istha zu Hause, einem 900 Seelen-Dorf in der Nähe von Kassel, das am vergangenen Wochenende Kirmes feierte. Beamten befragten Anwohner des Ortes nach verdächtigen Beobachtungen. Ein Gerücht besagt, Lübcke solle die Kirmes besucht und dort einen unbekannten Mann getroffen haben. Die Polizei bestätigte dieses Gerücht nicht, sondern warnte vor Spekulationen. Bislang gebe es, so die Präsidentin des hessischen LKA Sabine Thurau, noch keine Erkenntnisse über einen möglichen Tatverdächtigen.

Was könnten mögliche Motive sein?

Eine Pressekonferenz zum Tod von Regierungspräsident Lübcke. Foto: Swen Pförtner

Die hessischen Ermittler informierten gestern Abend über ihre Erkenntnisse.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Auch zu einem möglichen Motiv fehlen dem LKA zurzeit noch konkrete Erkenntnisse, entsprechend erklärte Thurau, man ermittle "in alle Richtungen". Es kommen für die Ermittler zurzeit sowohl Kriminelle infrage als auch zum Beispiel jemand aus dem Umfeld Lübckes oder Täter mit einem politischen Motiv.

Die Möglichkeit eines politischen Motivs treibt öffentliche Spekulationen am meisten an, da Lübcke in den vergangenen Jahren vielfach angefeindet wurde. Über Hessens Grenzen hinaus war er als streitbarer Politiker bekannt, der für sich in Anspruch nahm, das "C" in CDU ernst zu nehmen. Das galt auch in der Flüchtlingspolitik. Nach seiner Bemerkung auf einer Bürgerversammlung im Jahr 2015, wer sich nicht für die in Deutschland geltenden Werte einsetzen wolle, könne "jederzeit das Land verlassen", bekam Lübcke Morddrohungen. Rechte Hetzer veröffentlichten seine Privatadresse im Internet. Auf einen Zusammenhang des Verbrechens mit Lübckes Äußerungen von damals sieht das LKA derzeit laut Präsidentin Thurau keine Hinweise.

Welche Reaktionen gibt es auf Lübckes Tod?

An Lübckes Amtssitz im Kasseler Regierungspräsidium herrschte laut einem Bericht der HNA Erschütterung und große Trauer unter den mehr als 1000 Mitarbeitern. Über Parteigrenzen hinweg reagierten Politiker fassungslos auf den Tod Lübckes. Er galt als ehrlicher, tatkräftiger Pragmatiker, der es schätzte offen zu reden und auch zuzuhören. In rechten Foren hingegen ließen Gegner des CDU-Mannes ihrem Hass freien Lauf und kommentierten das Verbrechen mit Genugtuung und ohne Mitleid für das Opfer. Auch aus den Reihen der AfD gab es hämische Reaktionen, ein Kreisvorsitzender der Partei kommentierte im Internet "Mord????? Er wollte nicht mit dem Fallschirm springen…..". In einem späteren Post gab er an, seine Aussage zu bedauern. Die Kasseler Staatsanwaltschaft nimmt Hasskommentare bei ihrer Ermittlung ins Visier und prüft, ob sie strafrechtlich relevant sind.

Quelle: n-tv.de

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