Politik

"Werdet hohen Preis bezahlen" Erdogan droht Griechen im Gas-Streit

839bf0a6a2e40a4d05effb55fbd610f5.jpg

Demonstriert gerne Stärke: Recep Tayyip Erdogan.

(Foto: imago images/Xinhua)

Im Mittelmeer ist zwischen der Türkei und Griechenland ein Territorialstreit um wertvolle Gasvorkommen entbrannt. Selbst Schiffe beider Nationen sollen miteinander kollidiert sein. Präsident Erdogan macht eine deutliche Ansage in Richtung Athen.

Nach Berichten über eine Kollision zwischen einem türkischen und einem griechischen Schiff im östlichen Mittelmeer hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einer Eskalation gewarnt. "Wir haben ihnen gesagt, seht, greift bloß unsere 'Oruc Reis' nicht an. Solltet Ihr unsere 'Oruc Reis' angreifen, werdet Ihr einen hohen Preis dafür bezahlen. Und heute haben sie ihre erste Antwort bekommen", sagte Erdogan in Ankara.

In der griechischen Presse kursierten seit dem Morgen verschiedene Gerüchte über einen Vorfall. Einigen Berichten zufolge hatte es eine seitliche Kollision zwischen einer griechischen und einer türkischen Fregatte gegeben. Andere berichteten, eine griechische Fregatte habe eines der Begleitschiffe des türkischen Forschungsschiffes "Oruc Reis" seitlich touchiert. Aus Athen wurden die Gerüchte zunächst weder bestätigt noch dementiert.

Seit Anfang der Woche sucht die "Oruc Reis" südlich von Rhodos und der kleinen Insel Kastelorizo nach Erdgas. Die Türkei beansprucht damit ein Gebiet, das eigentlich zur Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Griechenlands gehört. Kastelorizo ist nur rund zwei Kilometer vom türkischen Festland entfernt, gehört aber wie Rhodos zu Griechenland.

Nach Berichten des griechischen Staatsfernsehens fanden am Donnerstag umfangreiche Manöver griechischer und französischer Kriegsschiffe südlich von Kreta statt. Erdogan warf Athen Heimtücke vor, zeigte sich aber zugleich dialogbereit.

Merkel telefoniert mit Erdogan

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die schon im Juli im Gas-Streit der Nato-Partner vermittelt hatte, telefonierte am Donnerstag erneut mit dem türkischen Präsidenten, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Erdogan habe betont, dass er den Streit mit Dialog und auf Basis des internationalen Rechts lösen wolle. Die Außenminister der EU-Staaten werden an diesem Freitag in einer außerplanmäßigen Videokonferenz unter anderem über das Thema beraten.

Die Türkei und Griechenland streiten sich bereits seit Jahren um die Ausbeutung von Gasvorkommen. Ankara führt bereits Bohrungen vor Zypern durch - ohne Genehmigung der Regierung der Republik Zypern. Das Seerecht der Vereinten Nationen (UN) legt für Küstenländer eine Ausschließliche Wirtschaftszone fest, die über die Hoheitsgewässer eines Landes hinausreicht. In dieser 200-Meilen-Zone hat ein Staat demnach das alleinige Recht zur Ausbeutung von Bodenschätzen. Liegt die Küste eines anderen Landes näher, gilt die Mittellinie.

Griechische Inseln, die nah an der türkischen Küste liegen, verringern also die türkische AWZ enorm. Die Türkei erklärt, dass Inseln keine AWZ haben und sieht ihre Gasforschungen daher als legitim an. Das Seerechtsabkommen hat sie aber nie unterschrieben, wie etwa auch die USA.

Quelle: ntv.de, mba/dpa