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"Gehen keine Kompromisse ein" Erdogan droht Griechenland im Gas-Streit

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Erdogan verschärft im Streit um die Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer den Ton.

(Foto: picture alliance/dpa)

Trotz aller Aufrufe zur Deeskalation schaukelt sich der Konflikt um die Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer weiter hoch. Der türkische Präsident Erdogan schlägt nun einen deutlich schärferen Ton an und droht Griechenland. Selbst will er keine Kompromisse machen. Athen zeigt sich gesprächsbereit.

Trotz eines Vermittlungsversuchs von Außenminister Heiko Maas im Streit um Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer ist die Türkei nicht zu Zugeständnissen bereit. "So wie wir auf niemandes Land, Souveränität und Interessen abzielen, so werden wir bei dem, was uns gehört, keine Kompromisse eingehen", betonte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Griechenland rief er auf, "Fehler" zu vermeiden, die dessen "Verderben" sein könnten.

Maas war nach Athen und Ankara gereist und hatte einen Vermittlungsversuch zwischen den beiden Nato-Staaten begonnen. In Gesprächen mit seinen Kollegen hatte er vor einer Eskalation gewarnt und für einen Dialog zwischen den beiden Nato-Ländern geworben. "Die aktuelle Lage ist ein Spiel mit dem Feuer und jeder noch so kleine Zündfunke kann zu einer Katastrophe führen", sagte der SPD-Politiker.

Griechenland hat seine Hoheitsgewässer unterdessen von bislang sechs auf zwölf Seemeilen ausgedehnt. Dies gelte jedoch nur für das Seegebiet im Westen des Landes, teilte der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis mit. Gleichzeitig kündigte Mitsotakis an, dass Athen zu einem Dialog mit der Türkei über die Festlegung des Festlandsockels sowie der Ausschließlichen Wirtschaftszone in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer bereit sei. "Die Provokationen stoppen, der Dialog beginnt", gab Mitsotakis im Parlament als Motto zur Überwindung der Streitigkeiten aus.

Athen versucht mit der begrenzten Ausdehnung seiner Hoheitsgewässer nur im Westen Ankara nicht zu provozieren. Das türkische Parlament hatte im Jahr 1995 eine Ausdehnung der griechischen Hoheitsgewässer in der Ägäis als Kriegsgrund für die Türkei erklärt. Sollte Griechenland seine Hoheitsgewässer in der Ägäis ausdehnen, würde dieses Meer wegen der zahlreichen griechischen Inseln quasi zu einem griechischen See.

Frankreich warnt die Türkei

Griechenland und die Türkei streiten sich seit Langem um Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer. Der aktuelle Konflikt hatte sich an türkischen Erdgaserkundungen vor griechischen Inseln im östlichen Mittelmeer entzündet. Das Forschungsschiff "Oruc Reis" sucht derzeit in dem Gebiet nach Gas. Wegen der zunehmenden Spannungen mit Athen hat Ankara die türkische Marine zur Absicherung der Gas-Erkundungsschiffe in die Region geschickt.

Frankreich warnte seinerseits die Türkei, das östliche Mittelmeer als "Spielfeld" für nationale "Ambitionen" zu missbrauchen. Verteidigungsministerium Florence Parly erklärte auf Twitter, die Region sei "ein allgemeines Gut". Frankreich hält ab Mittwoch demonstrativ an der Seite Griechenlands und zusammen mit Italien und Zypern ein dreitägiges Militärmanöver im östlichen Mittelmeer ab.

Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer, unter anderem vor der Küste Zyperns, gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Sowohl die Republik Zypern als auch die Türkei und Griechenland erheben Anspruch auf die betreffenden Seegebiete. Der Konflikt ist auch Thema des EU-Verteidigungsministertreffens in Berlin.

Quelle: ntv.de, bea/dpa/AFP