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Video von Lkw-Anschlag in Berlin Ermittler ignorierten möglichen Hinweis

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Bei dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt wurden 12 Menschen getötet und viele weitere verletzt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem Terroranschlag auf einem Berliner Weihnachtsmarkt wertet das Bundeskriminalamt Dutzende Beweise aus. Einem Medienbericht zufolge erkennen die Ermittler in einem Video "keine Verfahrensrelevanz" - obwohl darin möglicherweise zu sehen ist, wie dem Täter Amri zur Flucht verholfen wird.

Eine Kriminalkommissarin des BKA soll einem Beweismittel im Fall des Terroranschlages auf den Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz fälschlicherweise "keine Verfahrensrelevanz" zugesprochen haben. Wie der "Focus" berichtet, handelt es sich dabei um ein bislang unbekanntes Video, auf dem zu sehen ist, wie ein Unbekannter einen Mann festhält, anschließend windet sich der Mann frei. Danach bricht die Aufnahme ab. Es ist möglich, dass dem Täter Anis Amri durch das kurze Gerangel die Flucht ermöglicht wurde.

Bei dem Opfer kann es sich den Angaben zufolge um den Ersthelfer Sascha Hüsges handeln, der durch eine Verletzung mit einem stumpfen Gegenstand an der Schläfe so schwer verletzt wurde, dass er bis heute gelähmt ist und nicht mehr sprechen kann. Auf dem Video, das wenige Minuten nach dem Anschlag aufgenommen wurde, habe das mutmaßliche Opfer - genau wie Hüsges - schwarze Kleidung und einen auffälligen roten Schal getragen.

Demnach hat eine Kriminalkommissarin das Video wenige Tage nach dem Lkw-Anschlag am 19. Dezember 2016 gesichtet. Obwohl im Hintergrund der Sattelauflieger des besagten Lkw zu sehen gewesen sei, habe sie in den Unterlagen jedoch vermerkt, dass "keine Verfahrensrelevanz erkennbar" sei.

"Sämtliche Beweismittel berücksichtigt"

Das Bundesinnenministerium soll das Video, das spätestens seit dem 4. Januar 2017 bekannt gewesen sein soll, nicht zugeordnet haben können. Das bestätigte ein Ministeriumssprecher der Zeitung. Auch die Generalbundesanwaltschaft soll auf Anfrage gesagt haben, man habe "sämtliche Beweismittel berücksichtigt". Zwölf Videos würden insgesamt ausgewertet.

Ebenfalls brisant an dem Fall: Die Bundesanwaltschaft ging zu dem Zeitpunkt bereits davon aus, "dass Hüsges vorsätzlich entweder von Anis Amri oder einer bislang nicht identifizierten Person, die an der Tatplanung des Amri beteiligt war, mit einem stumpfen Gegenstand an der Schläfe verletzt wurde, um Amri die Flucht zu ermöglichen." Weitere Ermittlungsschritte im Zusammenhang mit dem Video seien dennoch ausgeblieben, schreibt der "Focus" weiter.

Der islamistische Terrorist Anis Amri steuerte am Abend des 19. Dezember 2016 mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge vor der Berliner Gedächtniskirche. Bei dem Attentat starben 12 Menschen, mindestens 50 weitere wurden verletzt. Amri konnte zunächst entkommen und setzte sich nach Italien ab. Dort wurde er vier Tage später bei einer Routinekontrolle in Sesto San Giovanni von Polizisten erschossen. Er soll Mitglied der Terrormiliz "Islamischer Staat" gewesen sein, die den Anschlag für sich beanspruchte.

Quelle: n-tv.de, lri

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