Politik

Nichte über Donald Trump "Es ist Salz in seine narzisstischen Wunden"

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Wird sich Trump von dieser Niederlage jemals erholen? Seine Nichte denkt, dass das nicht passiert.

(Foto: REUTERS)

Donald Trumps Nichte ist eine seiner größten Kritikerinnen. Nach einem Enthüllungsbuch vor der US-Wahl äußert Mary Trump sich nun öffentlich in den Medien zur Niederlage des derzeit noch amtierenden US-Präsidenten. Und sie sieht wenig Gutes auf ihn zukommen.

Mary Trump war nie ein Fan ihres Onkels Donald Trump und machte daraus auch keinen Hehl. "So sieht es aus, wenn ein Verlierer verliert", schrieb sie bereits am Donnerstagabend, während Trump im Weißen Haus eine Pressekonferenz gab. In einem Gastbeitrag im "The Guardian" rechnet die 55-Jährige nun mit dem bald scheidenden US-Präsidenten ab.

"So geht das größte und zerbrechlichste Ego mit der Niederlage bei der US-Präsidentschaftswahl um: nämlich gar nicht", schreibt die promovierte Psychologin und erklärt, wie sie sein Verhalten einschätzt. "Die Rede meines Onkels spät in der Wahlnacht war nicht nur von Anfang bis Ende verlogen. Sie war auch extrem gefährlich. Es ist eine Sache, wenn ein Republikaner die Wahl infrage stellt, aber das hier war der Regierungschef. Die Folgen davon sind nicht zu unterschätzen."

Donald Trump werde seine Niederlage nicht eingestehen und er werde nichts dafür tun, um eine friedliche Amtsübergabe zu ermöglichen. Ihm bliebe nichts weiter, als Dinge zu zerstören, und genau das werde er mit aller Macht versuchen, so Mary Trump.

"Er glaubt, er könne stehlen und betrügen"

Ihr Onkel sei noch nie in einer Situation wie der jetzigen gewesen, schreibt sie weiter. "Das Interessante ist, dass Donald noch nie in seinem Leben irgendetwas auf ehrlichem Wege gewonnen hat, und weil er von so vielen Menschen unterstützt wurde, hat er auch nie etwas verloren. Er glaubt, er könne stehlen und betrügen, um zu gewinnen - und dass ihm der Sieg dann trotzdem zusteht."

Aber es gebe nun "eine poetische Gerechtigkeit", denn seine Lügen und Betrügereien fielen auf ihn zurück. "Er sagte den Republikanern, sie sollten nicht per Post abstimmen, und sie taten es nicht. Das Ergebnis ist, dass er in den vergangenen Tagen diese Katastrophe erlebte. (...) Es muss wie eine langsame Folter für ihn gewesen sein, aber er hat dieses Versagen selbst vorbereitet."

Vor allem der Umstand, dass die Republikaner im Kongress und im Senat besser abgeschnitten haben als erwartet, sei für Donald Trump ein großes Problem. "Es wird ihn außerordentlich wütend gemacht haben. Denn es bedeutet, dass die Menschen bei dieser Wahl gegen Donald Trump gestimmt haben, aber nicht unbedingt gegen die Partei. Das wird viel Salz in seine narzisstischen Wunden gestreut haben."

Warum erst jetzt?

Dass sich seine Anhänger, darunter auch Fox News, von ihm abwandten, habe seine Wahlnacht zudem ruiniert. "Das brachte seine Blase zum Platzen. Dann markierte Twitter alle seine Beiträge und löschte sie, und andere Nachrichtenagenturen schalteten seine Rede ab." Das werfe allerdings die Frage auf, warum es nicht schon viel früher passiert sei, "oder sogar vor vier Jahren vor den letzten Wahlen", so Mary Trump weiter. "Es ist gut, dass dies jetzt geschieht, denn vielleicht werden wir die nächsten zweieinhalb Monate nicht den Albtraum erleben, den wir erwarten."

Sie sei besorgt, was ihr Onkel nun alles anstellen werde, bis Joe Biden am 20. Januar 2021 das Amt übernimmt. "Er (Trump) wird bis zu diesem Zeitpunkt auch weiterhin für die Reaktion der USA auf die Pandemie verantwortlich sein. Bis dahin könnten unter seiner Beobachtung eine Million Amerikaner tot sein."

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Für Donald Trump selbst werde es danach allerdings auch richtig schwierig, glaubt sie. "Er hat in den kommenden vier Jahren über 400 Millionen Dollar Schulden." Er habe seine Marke zerstört und werde in den New Yorker Gerichtssälen eine größere Rolle spielen als in er Politik. "Sein Verteidigungsminister hat bereits seinen Rücktritt eingereicht, und ich denke, davon wird es noch mehr geben. (...) Die Leute werden sich von ihm entfernen, wenn nichts mehr für sie zu holen ist." Selbst eine Gefängnisstrafe für Donald Trump hält seine Nichte für möglich, doch das Schlimmste für ihn sei wohl: "Er wird irrelevant. Ich glaube nicht, dass er sich jemals davon erholen wird."

Kurz vor der Wahl hatte Mary Trump ein Enthüllungsbuch mit dem Titel "Too Much and Never Enough" ("Zu viel und nie genug") veröffentlicht und bereits vor einer zweiten Amtszeit ihres Onkels gewarnt, denn ihr Onkel sei ein "pathologischer Lügner und ein Rassist".

Quelle: ntv.de, nan

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