Politik

"Schlächter vom Balkan" Ex-General Mladic muss lebenslang in Haft

22 Jahre nach dem Massenmord an Muslimen im bosnischen Srebrenica wird der bosnisch-serbische Ex-General Mladic wegen Völkermordes verurteilt. Das UN-Kriegsverbrechertribunal schickt ihn lebenslang in Haft. Vor Gericht kommt es zum Eklat.

Späte Gerechtigkeit für Tausende Hinterbliebene des Massakers von Srebrenica: Der für den Tod von rund 8000 Menschen verantwortliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist des Völkermordes schuldig gesprochen worden. Die Richter des UN-Kriegsverbrechertribunals zum früheren Jugoslawien verurteilten den bosnisch-serbischen Ex-General zu lebenslanger Haft. Der 75-Jährige ist nach dem Urteil für schlimmste Gräuel des Balkankrieges verantwortlich.

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Jubelnde Menge in Potocari bei Srebrenica nach der Urteilsverkündung.

(Foto: REUTERS)

Mladic war Oberkommandant der bosnisch-serbischen Truppen, die im Juli 1995 die UN-Schutzzone Srebrenica überrannt und anschließend etwa 8000 bosnisch-muslimische Jungen und Männer ermordet hatten. Das Massaker wurde vom UN-Tribunal als Völkermord eingestuft und gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Richter in Den Haag sprachen den auch "Schlächter vom Balkan" genannten Mladic in zehn der elf Anklagepunkte schuldig und folgten mit dem Strafmaß dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Richter unter Vorsitz des Niederländers Alphons Orie sahen die Schuld des Angeklagten als zweifelsfrei erwiesen an. "Das Gericht verurteilt den Angeklagten daher zu einer lebenslangen Haftstrafe", sagte Orie. Die Verteidiger hatten auf Freispruch in allen Punkten oder höchstens 15 Jahre Haft plädiert.

Berufungsantrag erwartet

Während der Urteilsverkündung war Mladic aus dem Gerichtssaal entfernt worden, nachdem er lautstark protestiert hatte. Er rief: "Lüge! Lüge!" Die Verteidigung hatte zuvor erfolglos gefordert, die Urteilsverkündung abzukürzen, weil der Blutdruck des Angeklagten angeblich gefährlich hoch sei.

Mladic war erst 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht verhaftet und dem UN-Tribunal übergeben worden. Der Prozess dauerte rund fünf Jahre. Mladic selbst hatte stets seine Unschuld beteuert. Er habe sein Volk nur verteidigt. Es gilt als sicher, dass er gegen das Urteil Berufung einlegen wird.

Bereits 2016 war sein politischer Chef, der damalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic, für eine fast identische Anklage zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Es war der letzte Völkermord-Prozess des Tribunals. Ende des Jahres wird das Gericht nach 24 Jahren seine Arbeit abschließen. Wegen des Völkermordes in Srebrenica waren mit Mladic 16 Personen schuldig gesprochen worden.

Der UN-Menschenrechtskommissar bezeichnete die Verurteilung von Mladic als monumentalen Sieg für die Gerechtigkeit. "Mladic ist der Inbegriff des Bösen und die Verurteilung von Mladic ist der Inbegriff für internationale Gerechtigkeit", sagte Said Raad al-Hussein in Genf. Mladic habe Tausenden Menschen Tod und Zerstörung angetan. Das Trauma der Opfer sei unbeschreiblich.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa/AFP/rts

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