Politik

"Ich brauche keinen Übersetzer" Falscher Klitschko narrt EU-Rathäuser

Vitali Klitschko hält einen Atomangriff Russlands für durchaus möglich.

Vitali Klitschko will bald bei Berlins Regierender Bürgermeisterin melden.

(Foto: picture alliance / AA)

In Berlin, Madrid und Wien fallen Rathäuser auf einen falschen Vitali Klitschko herein. Der echte Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew fordert Ermittlungen. Die Berliner Senatskanzlei spricht von einem sogenannten Deepfake.

In betrügerischen Fake-Anrufen hat sich ein Unbekannter fälschlicherweise als Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew, ausgegeben - und mit dem Bluff für Aufregung in Rathäusern quer durch Europa gesorgt. Offenkundig digital manipulierte Videoschalten gab es unter anderem mit Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey sowie mit den Bürgermeistern von Madrid und Wien.

Gegenüber der "Bild"-Zeitung fordert der echte Klitschko Ermittlungen, um herauszufinden, wer für die Anrufe verantwortlich ist. "Bei mehreren Bürgermeistern in Europa hat sich ein falscher Klitschko gemeldet, der absurde Dinge von sich gegeben hat, betont er." Offizielle Gespräche gebe es nur über offizielle Kanäle in Kiew, fügt er hinzu. Für Gespräche auf Deutsch oder Englisch brauche er auch nie einen Übersetzer.

Giffey hatte bei einer Videoschalte am Freitag Zweifel bekommen, ob sie tatsächlich wie erwartet mit Kiews Bürgermeister spricht. Das Gespräch endete vorzeitig. Die Senatskanzlei geht von einer digitalen Manipulation aus. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen.

In Wien hatte niemand Zweifel

Auch in Madrid wurde Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida bei dem Videotelefonat mit dem angeblich Bürgermeister von Kiew misstrauisch und brach das Gespräch ab, wie ein Sprecher des Bürgermeisteramtes erklärt. Am Mittwoch telefonierte auch der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig mit einem Klitschko-Imitator, worüber er an dem Tag auch twitterte. Im ORF erklärte er inzwischen, der Anrufer habe Englisch gesprochen. Die E-Mail-Adressen, über die das Gespräch vorbereitet wurde, hätten vertrauenswürdig gewirkt. Gegen Ende sei der angebliche Klitschko fordernder aufgetreten, deshalb habe man das Gespräch beendet. Aber es sei dennoch kein Zweifel aufgekommen.

Ludwig sagte dem ORF: "Nachdem in dem Gespräch keine verfänglichen Themen behandelt worden sind, ist das im konkreten Anlassfall sicher ärgerlich, aber kein großes Problem."

Senatskanzlei spricht von Deepfake

Die Berliner Senatskanzlei geht davon aus, dass das Erscheinungsbild des Gesprächspartners digital manipuliert wurde. "Allem Anschein nach haben wir es mit Deepfake zu tun", sagte eine Senatssprecherin. Als Deepfakes werden realistisch wirkende Medieninhalte bezeichnet, die mit Techniken künstlicher Intelligenz bearbeitet wurden.

Bislang lässt sich nur darüber spekulieren, welche Art der Manipulation beim Videotelefonat mit dem falschen Klitschko verwendet wurde. Das von der Senatskanzlei veröffentlichte Foto zeigt Kiews Bürgermeister in einem Setting, das wie das eines Interviews mit einem ukrainischen Journalisten im Frühjahr aussieht. Klitschko trägt die gleiche hellbraune Jacke und im Hintergrund ist ebenfalls unter anderem die ukrainische Flagge zu sehen. Möglicherweise wurde das Videomaterial des damaligen Interviews als Grundlage verwendet und in Echtzeit mit dem Gesprochenen und den Lippenbewegungen desjenigen zusammengeführt, der tatsächlich mit Giffey sprach. Fachleute nennen das Face Reenactment. Nach Angaben von Giffey wurde zu Beginn des Gesprächs gefragt, ob es auf Russisch stattfinden und übersetzt werden könne.

Quelle: ntv.de, chr/dpa

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