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Politik statt Waffen Farc-Rebellen beginnen Parteigründung

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Der bewaffnete Kampf ist vorbei. Künftig wollen die früheren Farc-Rebellen um Stimmen werben.

(Foto: REUTERS)

In Kolumbien stellt die linke Guerillaorganisation Farc nach über 50 Jahren den bewaffneten Kampf ein. Doch ihre Ziele haben die Rebellen noch nicht aufgegeben: Künftig wollen sie diese legal als politische Partei erreichen.

Die frühere kolumbianische Guerilla-Truppe Farc hat wenige Tage nach ihrer vollständigen Entwaffnung ihre Neugründung als politische Partei in die Wege geleitet. Rund 1200 Menschen kamen am Sonntag in Bogotá zu einem Gründungskongress zusammen, der über einen Namen für die neue Partei entscheiden und Kandidaten für die Parlamentswahl aufstellen soll. "Bei diesem Treffen wandeln wir die Farc in eine neue, ausschließlich politische Organisation um", sagte Farc-Kommandeur Rodrogo Londoño, der seinen Kampfnamen "Timochenko" abgelegt hat und wieder seinen bürgerlichen Namen benutzt.

Der Kongress soll mehrere Tage beraten, zumeist hinter verschlossenen Türen. Londoño nannte zum Auftakt einige Grundzüge der angestrebten politischen Ausrichtung: Die neue Partei trete ein für "ein demokratisches Regime, das Frieden und soziale Gerechtigkeit garantiert, die Menschenrechte respektiert und wirtschaftliche Entwicklung für alle gewährleistet, die in Kolumbien leben". Kontroverse Debatten wurden erwartet zu der Frage, ob die neue Partei sich als revolutionär verstehen soll wie die Farc oder nicht.

Mitte August hatte der kolumbianische Staatschef Juan Manuel Santos den Konflikt mit den linksgerichteten Rebellen offiziell für beendet erklärt, nachdem die letzten Farc-Kämpfer ihre Waffen niedergelegt hatten. Der Präsident begrüßte die Parteigründung: "Wer hätte das vor wenigen Jahren für möglich gehalten?", erklärte er. "Was wir nun tun müssen, ist uns auszusöhnen."

Zehn garantierte Parlamentssitze

Dem Friedensabkommen zufolge sind den früheren Rebellen in den kommenden zwei Legislaturperioden mindestens zehn Sitze im Parlament vorbehalten, dem 268 Abgeordnete und Senatoren angehören.

Die Entwaffnung der Farc hatte Anfang des Jahres begonnen. Die entwaffneten Kämpfer sollen gemäß dem Friedensabkommen in die zivile Gesellschaft eingegliedert werden und mit ihren Familien in den 26 ehemaligen Kampfgebieten leben.

Die Guerilla hatte in den 1960er Jahren als Protest vor dem Elend der Landbevölkerung zu den Waffen gegriffen. In dem blutigen Konflikt starben seitdem mehr als 260.000 Menschen; in ihrem Kampf gegen Staat und rechte Paramilitärs ließen sich die Farc-Rebellen auch zahlreiche Gräueltaten zuschulden kommen. Im vergangenen Jahr unterzeichneten sie einen Friedensvertrag mit der Regierung von Staatschef Juan Manuel Santos.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP/dpa

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