Politik

Rücktritt wegen Sex-Videos Festnahme nach Eklat um Macrons Vertrauten

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Griveaux war von 2017 bis 2019 Macrons Regierungssprecher.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eigentlich will der frühere Regierungssprecher Benjamin Griveaux für Macrons Partei LREM ins Rennen um den Bürgermeisterposten von Paris gehen - doch dann taucht ein Sex-Video auf. Die Folge: Ein Rücktritt und zwei Festnahmen.

Nach einem Eklat um Sex-Videos und dem folgenden Rückzug des Pariser Bürgermeister-Kandidaten Benjamin Griveaux sind ein russischer Aktionskünstler und dessen Partnerin festgenommen worden. Beide würden wegen des Verdachts der Verletzung der Privatsphäre und der unerlaubten Veröffentlichung sexueller Bilder befragt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Griveaux, ein Vertrauter von Staatspräsident Emmanuel Macron, hatte sich nach der Veröffentlichung der Videos aus dem Rennen um das Pariser Rathaus zurückgezogen und am Samstag Strafanzeige gestellt.

Der russische Aktionskünstler Pjotr Pawlenski hatte behauptet, die Videos verbreitet zu haben. Er war am Samstag - zunächst allerdings in einer anderen Sache - in Polizeigewahrsam genommen und vernommen worden. Hintergrund war nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Untersuchung wegen Verdachts der Körperverletzung. Nachdem seine Lebensgefährtin im Zusammenhang mit den Videos festgenommen wurde, ordnete die Staatsanwaltschaft an, auch ihn zu dem Sachverhalt zu befragen.

Eine Webseite hatte am Mittwochabend Screenshots von anzüglich erscheinenden Chatnachrichten veröffentlicht, die angeblich von Griveaux stammen. Außerdem zeigt sie kurze Videos, auf denen zu sehen ist, wie ein Mann masturbiert - es ist aber nicht zu erkennen, um wen es sich dabei handelt. Griveaux hatte am Freitag gesagt, eine Website und soziale Netzwerke hätten "abscheuliche Angriffe" auf seine Privatsphäre verbreitet. Er wolle dies seiner Familie nicht länger zumuten. Er hatte in seiner Erklärung weder bestätigt noch bestritten, dass die Videos und Nachrichten von ihm sind.

Griveaux war im vergangenen Jahr als Macrons Regierungssprecher zurückgetreten, um Pariser Bürgermeister zu werden. In Umfragen hatte der 42-Jährige von der Präsidentenpartei La République en Marche (LREM) zuletzt eher schwach abgeschnitten. Für Macrons Partei will nun die bisherige Gesundheitsministerin Agnès Buzyn als Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt kandidieren. Die 57-Jährige trat deshalb von ihrem Regierungsamt zurück. Zum neuen Gesundheitsminister wurde der Abgeordnete und Neurologe Olivier Véran ernannt, wie das Präsidialamt mitteilte.

"Kampagne der Niedertracht"

Die erste Runde der Kommunalwahlen findet am 15. März statt. Der Rückzug von Griveaux hatte in Paris ein Beben ausgelöst. Er erhielt von Parteien aus dem gesamten politischen Spektrum Unterstützung. Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye sprach von einer "Kampagne der Niedertracht".

Aktionskünstler Pawlenski ist bekannt für radikale Aktionen. Der 35-Jährige hatte im Oktober 2017 Feuer an einer Zweigstelle der französischen Zentralbank gelegt. Er nähte sich auch aus Protest den Mund zu oder nagelte sich am Hodensack auf dem Roten Platz in Moskau fest. Pawlenski war Anfang 2017 aus Angst vor Verfolgung durch die Moskauer Behörden aus Russland geflohen und hatte in Frankreich Asyl erhalten.

Quelle: ntv.de, ftü/dpa