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"Bin ein bisschen schockiert" Flüchtlingshelferin Mardini spricht über Haft

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Sarah Mardini (links) und ihre Schwester Yusra wurden 2016 mit dem Bambi in der Kategorie "Stille Helden" geehrt.

(Foto: picture alliance / Jörg Carstens)

Ende August nehmen griechische Behörden die in Berlin lebende Flüchtlingshelferin Sarah Mardini fest. Sie verbringt mehrere Monate in U-Haft. Der Vorwurf: Menschenschmuggel und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Die 23-Jährige streitet alles ab.

Die in Deutschland lebende syrische Flüchtlingshelferin Sarah Mardini hat sich entsetzt über ihre Untersuchungshaft in Griechenland geäußert. "Ich bin ein bisschen schockiert über das, was passiert ist, und über die Geschwindigkeit, mit der das alles passiert ist", sagte die 23-Jährige nach ihrer Rückkehr nach Berlin. "Ich wurde festgenommen, weil mir Menschenschmuggel und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wurde." Dabei habe sie nur "Flüchtlinge retten" wollen.

Mardini und ihre Schwester, die Olympia-Schwimmerin Yusra Mardini, waren im Jahr 2015 aus Syrien geflohen. In einem Schlauchboot voller Flüchtlinge versuchten die beiden Leistungsschwimmerinnen, von der türkischen Küste zur griechischen Insel Lesbos zu gelangen. Als das Boot in Seenot geriet, schwammen Sarah und Yusra stundenlang und zogen das Boot mit seinen 18 Insassen an einem Seil hinter sich her. Danach ließen sich beide in Berlin nieder.

Yusra Mardini nahm 2016 als Mitglied einer Flüchtlingsmannschaft an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teil und wurde so weltbekannt. Sarah Mardini engagierte sich für die Hilfsorganisation Emergency Response Centre International (ERCI). Ende August wurde sie auf Lesbos zusammen mit weiteren Aktivisten wegen des Verdachts der illegalen Flüchtlingshilfe festgenommen. Nach mehr als drei Monaten im Gefängnis kam sie Anfang Dezember gegen Zahlung einer Kaution aus der Untersuchungshaft frei. Das Ermittlungsverfahren gegen sie wird aber fortgesetzt.

Die griechischen Behörden werfen Mardini und den anderen Aktivisten vor, Migranten bei der Einreise nach Griechenland geholfen und dabei auch mit organisierten Schleppern zusammengearbeitet zu haben. Die Beschuldigten weisen die Anschuldigungen zurück. Mardinis Anwalt Zacharias Kesses warf den griechischen Behörden vor, die Arbeit der Flüchtlingshelfer auf Lesbos "kriminalisieren" zu wollen.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP

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