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Wann endet das Kükenschreddern? Foodwatch empört über Klöckners Plan

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Männliche Küken haben im derzeitigen Zuchtsystem kaum eine Überlebenschance.

(Foto: dpa)

Jedes Jahr werden Millionen von männlichen Küken getötet, weil es für sie keine Verwendung gibt. Ministerin Klöckner macht nun eine neue Ankündigung, wie das enden soll. Doch damit zieht sie scharfe Kritik auf sich.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist mit neuen Ankündigungen für ein Verbot des Schredderns männlicher Küken auf ein gemischtes Echo gestoßen. Der Chef der Verbraucherorganisation Foodwatch, Martin Rücker, warf der CDU-Politikerin in Berlin "Versagen" vor, weil sie ein Ende der umstrittenen Praxis erneut hinauszögere. "Wie immer hat am Ende die Lobby der Tierquäler das Sagen bei Frau Klöckner", kritisierte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer.

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Im Koalitionsvertrag steht, das Kükenschreddern solle bis Mitte der Legislaturperiode enden - das wäre im Herbst. Jetzt sagt Klöckner, es werde erst im nächsten Jahr so weit sein.

(Foto: dpa)

Grundsätzlich positive Stimmen zu den Äußerungen Klöckners kamen dagegen aus der SPD. Allerdings forderten deren Landwirtschafts- und Tierschutzexperten Rainer Spiering und Susanne Mittag die Ministerin auf, einen konkreten Zeitpunkt für das Ende des Kükentötens zu nennen. Verschiebungen dürfe es dann nicht mehr geben, forderten sie in Berlin.

Klöckner hatte den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt, im kommenden Jahr solle eine Methode zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei zur Verfügung stehen. "Damit ist Kükenschreddern verboten, sobald das Verfahren zur Geschlechtsbestimmung allgemein verfügbar ist", sagte die Ministerin.

Bislang werden Küken vergast und geschreddert

Ihr Ministerium habe 6,5 Millionen Euro investiert, um die Entwicklung von Methoden zur Geschlechtsbestimmung zu fördern, hob Klöckner hervor. "Weibliche Küken - künftige Legehennen - werden dann ausgebrütet, während das Ausbrüten männlicher Küken unterbleibt". Derzeit werden die Hähne nach dem Ausschlüpfen in der Regel vergast und dann geschreddert, weil männliche Tiere später keine Eier legen und weniger Fleisch ansetzen als Weibchen.

Auf diese Weise getötet wurden 2018 mehr als 42 Millionen männliche Küken, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilte. Die neuen Verbotsankündigungen bewertete Krischer skeptisch: "Wie schon ihre Vorgänger kündigt Julia Klöckner das Ende des widerlichen Kükenschredderns nur an", sagte er in der "Rheinischen Post". Passieren werde wieder nichts.

Eigentlich hatten sich Union und SPD im Koalitionsvertrag darauf verständigt, das Kükenschreddern bis spätestens zur Mitte der Legislaturperiode zu beenden. Das wäre in diesem Herbst. Foodwatch warf Klöckner daher auch einen Bruch der Koalitionsvereinbarung vor. "Das ist Politik nach dem Motto Vertagen und Versagen", sagte Rücker der "Augsburger Allgemeinen".

Die Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, Brigitte Rusche, äußerte sich auch generell skeptisch zu dem Verfahren der Geschlechtsbestimmung im Ei. Dies sei "nur eine technische 'Lösung', die das grundsätzliche Problem, nämlich die extrem spezialisierte Zucht auf Lege- bzw. Mastleistung bei den Hühnern, nicht löst", erklärte sie in Bonn. Rusche forderte eine Umstellung auf Zweinutzungshühner, bei der auch die Hähne für die Fleischproduktion aufgezogen werden.

Quelle: n-tv.de, vpe/AFP

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