Politik

Neukaledonien stimmt ab Frankreich könnte Überseegebiet verlieren

110861649.jpg

Anhänger der Partei FLNKS, die für die Unabhängigkeit Neukaledonien von Frankreich eintritt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eines der Überseegebiete Frankreichs könnte am Wochenende unabhängig werden. Die Bewohner Neukaledoniens, darunter die Ureinwohnergruppe der Kanaken, stimmen am Sonntag darüber ab. Manche befürchten Unruhen.

Das französische Pazifikgebiet Neukaledonien stimmt an diesem Sonntag über seine Unabhängigkeit von Frankreich nach mehr als eineinhalb Jahrhunderten ab. Die Entscheidung fällt in einem Referendum. Stimmberechtigt sind etwa 175.000 Bewohner der Inselgruppe im Pazifik.

Die stärksten Befürworter kommen aus der Bevölkerungsgruppe der Ureinwohner, der Kanaken. Auf die Volksabstimmung warten sie bereits seit mehr als drei Jahrzehnten. Die Umfragen lassen allerdings eine Mehrheit gegen die Unabhängigkeit erwarten. Demnach sind mehr als 60 Prozent der Neukaledonier dafür, dass die Inselgruppe bei Frankreich bleibt. Das Ergebnis wird noch im Lauf des Sonntags (MEZ) erwartet.

Das Archipel Nouvelle-Calédonie (wörtlich übersetzt: Neuschottland) wurde 1853 von Paris in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Insgesamt sind dort heute mehr als 280.000 Menschen zuhause, darunter auch viele Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten. Aktuell erhalten die Inseln pro Jahr etwa eine Milliarde Euro aus Paris.

Zuwanderer befürchten neue Unruhen

Das Referendum hätte ursprünglich bereits 1998 stattfinden sollen, wurde aber mehrfach hinausgezögert. Neukaledonien gehört nicht zum Gebiet der Europäischen Union. Bezahlt wird nicht mit dem Euro, sondern mit dem Pazifik-Franc. Bei Europawahlen dürfen die Neukaledonier aber mitstimmen. Zudem gibt es von der EU auch Geld.

Zwischenzeitlich stand Neukaledonien am Rande eines Bürgerkriegs. Inzwischen hat sich die Stimmung deutlich beruhigt. Manche "Caldoches", wie die Zuwanderer aus Europa heißen, befürchten bei einem Nein am Sonntag jedoch neue Unruhen. Frankreich hat die Zahl der Sicherheitskräfte verstärkt.

Am Montag wird Premierminister Édouard Philippe zu einem Besuch in Nouméa erwartet, der Hauptstadt. Falls die Neukaledonier am Sonntag mit Nein stimmen, bedeutet dies nicht, dass das letzte Wort über die Unabhängigkeit bereits gesprochen ist. Nach den Abmachungen mit Paris kann es bis 2024 noch zwei weitere Volksabstimmungen darüber geben.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

Mehr zum Thema