Politik

Radioaktiver Abfall unter freiem Himmel Frankreichs Müll in Russland

Nach einem Medienbericht soll Frankreich jedes Jahr über 100 Tonnen radioaktiver Abfälle heimlich nach Sibirien verschiffen. Eine Gesetzeslücke mache es möglich, dass die Regierung die Abfälle nicht melden müsse.

15828594.jpg

Ein deutscher Transport mit französischem Atommüll aus der Wiederaufbereitungsanlage La Hague (Archivbild).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Frankreich lädt nach Informationen der Zeitung "Libération" einen Teil seines Atommülls still und heimlich in Russland ab. Knapp 13 Prozent der Abfälle aus französischen Atomkraftwerken lagerten in der sibirischen Stadt Sewersk, berichtete die französische Tageszeitung. Der französische Stromriese EDF widersprach dem Bericht und betonte, dass es sich um wiederverwertbares Uran handele, das in Russland erneut angereichert werde.

Seit Mitte der 90er Jahre würden jährlich 108 Tonnen abgereichertes Uran aus den französischen Reaktoren nach Sibirien gebracht, wo sie unter freiem Himmel auf einem Parkplatz aufbewahrt würden, berichtete die "Libération". Dabei blieben etwa 90 Prozent stark abgereichertes Uran zurück. Die Container würden im nordfranzösischen Le Havre auf Schiffe geladen und über St. Petersburg 8000 Kilometer weit zum sibirischen Atomkomplex Tomsk-7 gebracht, einer "verbotenen" Stadt.

Gesetzeslücke verantwortlich

Möglich sei dies aufgrund einer Gesetzeslücke, weil abgereichertes Uran, wieder aufbereitetes Uran und Plutonium nicht als Atommüll gölten, sondern als "radioaktives Material", hieß es in dem Bericht der Journalistin Laure Noualhat, die zusammen mit einem Dokumentarfilmer acht Monate lang recherchiert hatte und ihre Ergebnisse auch als Buch veröffentlicht. Deshalb handele es sich bei den Transporten nach Russland offiziell nicht um Atommülltransporte ins Ausland, die verboten sind.

In Atomkraftwerken der kommenden Generation soll das abgereicherte Uran als Brennstoff eingesetzt werden können. Derzeit kann es jedoch nicht verwertet werden. Die Anti-Atombewegung fordert deswegen, abgereichertes Uran nicht mehr als "Wertstoff", sondern als Atommüll einzustufen. Dann dürfte es allerdings nach der Baseler Konvention über den Export gefährlicher Abfälle nicht mehr nach Russland exportiert werden.

Konzern dementiert

Der Energiekonzern EDF, der die 58 Reaktoren des Landes betreibt, verwies darauf, dass das Uran zur Wiederanreicherung nach Sibirien gebracht werde. "Es wird kein Atommüll von EDF nach Russland transportiert", betonte eine Sprecherin. Im Übrigen gehöre das Material gemäß den weltweiten Gepflogenheiten nicht mehr EDF, sondern dem russischen Unternehmen Tenex, das es wiederaufbereite.

Frankreich hat wie Deutschland bislang keine Endlagerstätte für seinen Atommüll; die Suche nach einem möglichen Lager gestaltet sich schwierig. Von den 1150 Tonnen gebrauchten Brennstoffes, die jährlich anfallen, bereitet Areva dem Bericht zufolge 850 Tonnen im nordfranzösischen La Hague auf. Der Rest werde in Kühlbecken zwischengelagert.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa