Politik

Leichenfoto aus Isjum Frau erkennt toten Ehemann anhand seiner Armbänder

315730172.jpg

Ausgegrabene Leichen bei Isjum.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Monatelang wartet Oksana Sova auf ein Lebenszeichen ihres Mannes, der als ukrainischer Soldat gegen die russischen Invasoren kämpft. Nach der Befreiung der Stadt Isjum geht das Foto eines verwesten Armes um die Welt. An den Armbändern erkennt Oksana, dass es sich um ihren Mann handelt.

Nach der Befreiung von Isjum durch ukrainische Einheiten entdecken Ermittler in der Stadt mehr als 440 vergrabene Leichen. Ein Foto der Exhumierung geht anschließend um die Welt. Es zeigt einen verwesten Arm mit zwei blau-gelben Armbändern. Nun ist die Identität des Toten geklärt. Wie die regionale Informationszentrale des Gebiets Dnipropetrowsk mitteilt, gehört der Arm dem ukrainischen Soldaten Sergey Sova aus der Stadt Nikopol. Demnach wurde der 36-Jährige durch seine Ehefrau identifiziert.

"Ich habe meinen Mann an seinen zahlreichen Tattoos und den Armbändern erkannt, von denen sich Sergey seit 2014 nicht mehr getrennt hat", erzählt Oksana Sova dem litauischen Portal Fakty. Seine zwei Kinder hätten ihm die Bänder als Glücksbringer geschenkt. "15 fantastische Jahre" seien sie und ihr Mann verheiratet gewesen. Sergey sei ein begeisterter Hundezüchter und talentierter Boxer gewesen. 2014 habe er erstmals im Donbass gekämpft. Nach seiner Demobilisierung im folgenden Jahr habe er sich wenig später erneut der 93. mechanisierten Brigade angeschlossen und seinen Dienst als Schütze fortgesetzt. Mehrfach sei er ausgezeichnet worden.

"Am Vorabend der Invasion wurde Sergey zum Studium nach Desna geschickt, um Sanitäter zu werden", erinnert sich die Witwe. "Der 24. Februar kam jedoch und er und seine Kameraden wurden ausgesandt, um die Grenzen der Region Charkiw zu verteidigen. Er war im April in Isjum." Sie sei mit ihrem Mann immer in Kontakt gewesen, erzählt Oksana. Er habe ihr erklärt, dass er kämpfen müsse und seine Kameraden nicht im Stich lassen könne. Am Morgen des 19. April hätten sie das letzte Mal kommuniziert. "Er sagte mir, dass sie drei bis vier Tage zuvor von der russischen Luftwaffe angegriffen wurden und Artillerie und Panzer auf sie zukamen." Dann sei der Kontakt abgerissen.

Fünf Monate lang suchte Oksana nach ihrem Ehemann, überprüfte Fotos aus Leichenschauhäusern und reichte eine DNA-Probe ein. Bis zuletzt hoffte sie, dass Sergey in Gefangenschaft geraten sei. Nach der Identifizierung seiner Leiche habe der gemeinsame Sohn einen Brief an das Präsidialamt geschrieben, in dem er um Hilfe bittet, seinen Vater so schnell wie möglich nach Hause zu holen. "Wir hoffen, dass wir gehört werden und wir Sergey sehr bald auf seiner letzten Reise mit militärischen Ehren sehen können", sagt Oksana. "Er verdient ein anständiges Begräbnis. Wir haben so lange auf ihn gewartet."

Quelle: ntv.de, jpe

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen