Politik

Obama: "Überrascht und zutiefst demütig" Friedensnobelpreis als Ansporn

2mvt4000.jpg951861584596088212.jpg

(Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama hat mit demonstrativer Bescheidenheit auf die Vergabe des Friedensnobelpreises reagiert. "Ich bin überrascht und zutiefst demütig", sagte er im Rosengarten des Weißen Hauses. Wenn er ehrlich sein soll, habe er den Preis nicht verdient.

Er glaube nicht, dass er es verdiene, sich in der Gruppe vergangener Nobelpreisträger zu befinden, die so viel erreicht hätten und seine Vorbilder seien, sagte Obama. Er betrachte den Preis nicht als eine Bestätigung für Erreichtes, sondern als eine Herausforderung, als "Aufruf zum Handeln".

Überraschende Mitteilung aus Oslo

Das Nobelpreiskomitee in Oslo hatte überraschend Obama als diesjährigen Träger des mit einer Million Euro dotierten Preises bekanntgegeben. Damit wird sein Einsatz für die "Stärkung der internationalen Diplomatie" gewürdigt. Die Preisvergabe ist mit viel Beifall, aber auch mit Skepsis aufgenommen worden.

Abrüstung und Nahostkonflikt: Aufgabe für alle Nationen

Obama_Nobel_DCAB208.jpg435119717238993038.jpg

Er betrachte die Auszeichnung nicht als Anerkennung für eigene Erfolge, sondern eher als Bestätigung für die USA, bei drängenden Problemen wie dem Klimawandel, der atomaren Abrüstung und dem Nahost-Konflikt voranzugehen, sagte Obama.

(Foto: AP)

Obama erklärte, er werde die Ehrung annehmen. Zugleich betonte er, jedes Land müsse Verantwortung für den Frieden übernehmen. Keine Nation und kein Präsident könne diese Aufgabe alleine schaffen. Ausdrücklich nannte Obama die atomare Abrüstung und den Konflikt zwischen Israelis und Palästina in Nahost. Einige Aufgaben würden sich aber nicht während seiner Amtszeit bewältigen lassen.

... und Bo hat Geburtstag

Barack Obama sorgte für Schmunzeln, als er erzählte: "So habe ich es mir nicht vorgestellt, heute Morgen aufzuwachen." Nachdem er die Nachricht von der Preisverleihung erhalten habe, sei Malia ins Zimmer gekommen und habe gesagt: "Papa, Du hast den Friedensnobelpreis gewonnen und Bo hat Geburtstag."

Bo ist der Portugiesische Wasserhund, den die Obamas im Weißen Haus in die Familie aufgenommen haben.

Sasha fügte dem Präsidenten zufolge hinzu: "Außerdem, wir haben ein Drei-Tage-Wochenende vor uns." Am Montag wird in den USA der Columbus Day begangen, das bedeutet schulfrei für die Obama-Mädchen. "Es ist gut, Kinder zu haben, um die Dinge in der richtigen Perspektive zu lassen", sagte der Präsident. Er selbst hat ohnehin keine Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen: Am Freitagnachmittag standen weitere mehrstündige Beratungen mit seinen Sicherheitsberatern über die Afghanistan-Strategie an.

Washington zunächst sprachlos

Nach Bekanntwerden der Osloer Entscheidung war Washington zunächst sprachlos: Wie der TV-Sender CBS berichtete, sandte Regierungssprecher Robert Gibbs lediglich eine E-Mail an den Sender, die aus einem einzigen Wort besteht: "WOW". Der TV-Sender CNN meinte: "Und dabei stand Obama nicht einmal auf der Favoritenliste".

Frieden stimulieren und fördern

Der norwegische Komiteechef Thorbjörn Jagland sagte angesichts der noch sehr kurzen Präsidentschaft Obamas: "Alles, was er in seiner Zeit als Präsident angepackt hat, und wie sich das internationale Klima durch ihn verändert hat, ist schon mehr als Grund, ihm dem Friedensnobelpreis zu verleihen."

Das Komitee habe schon immer versucht, noch nicht abgeschlossene Entwicklungen für den Frieden zu stimulieren und zu fördern. Das sei auch bei den Vergaben an Bundeskanzler Willy Brandt und an den damaligen sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow der Fall gewesen. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari, der für seine Vermittlung in mehreren internationalen Konflikten geehrt wurde.

Der 48-jährige Obama hatte sich nach seinem Amtsantritt im Januar dieses Jahres umgehend um die politischen Brandherde rund um den Globus gekümmert. Er brach mit der Politik seines Vorgängers George W. Bush und setzte Zeichen der Entspannung und des Ausgleichs.

Verzicht auf Raketenschild

Obama legte ein enormes Tempo nach dem Amtsantritt vor. Der erste schwarze Präsident der USA präsentierte sich als ein Hoffnungsträger für eine friedlichere Welt. Er ordnete den amerikanischen Truppenabzug aus Irak an. Er bot den nach der Atombombe strebenden Iran und Nordkorea direkte Gespräche an.

An Russland sendete er Signale der Entspannung und verkündete schließlich den Verzicht auf das geplante globale Raketenschild, von dem sich Russland bedroht gefühlt hatte. Inzwischen verhandeln beide Länder wieder über den Abbau ihrer Nuklearwaffen. Dieser Initiative schließen sich auch andere Atommächte an.

Der Vorsitzende des norwegischen Nobelpreis-Komitees, Thorbjörn Jagland, verkündet die Entscheidung.

Der Vorsitzende des norwegischen Nobelpreis-Komitees, Thorbjörn Jagland, gibt die Entscheidung bekannt.

(Foto: AP)

Zwei besondere Höhepunkte in Obamas ersten Monaten waren die Reden in Prag und Kairo. In Prag formulierte Obama am 5. April die Vision einer atomwaffenfreien Welt. In Kairo reichte der US-Präsident der islamischen Welt die Hand zum Frieden. Der Aufruf zur Versöhnung wurde in der muslimischen Welt mit Beifall und Respekt bedacht.

"Einsatz für Brüderlichkeit"

Der Friedensnobelpreis gilt als die bedeutendste internationale Auszeichnung im Bemühen um eine friedlichere Welt. Gründer des Preises ist der schwedische Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel (1833-1896). In seinem Testament beauftragte er das Storting, das norwegische Parlament, jährlich bis zu drei Menschen oder Organisationen für ihre Verdienste um die Menschheit auszuzeichnen.

Die Preisträger sollen "den besten oder größten Einsatz für Brüderlichkeit zwischen Staaten, für die Abschaffung oder Abrüstung von stehenden Heeren sowie für die Organisation und Förderung von Friedenskonferenzen" gezeigt haben. Seit 1960 wird auch der Einsatz für Menschenrechte, seit 2004 zudem für Umwelt, mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Während andere Nobelpreise in der schwedischen Hauptstadt Stockholm vergeben werden, wird die Auszeichnung für Frieden in Oslo verliehen. Seit 1901 wählt dafür ein norwegisches Komitee aus oft mehr als 100 Vorschlägen die Geehrten aus. Seine fünf Mitglieder werden für sechs Jahre vom Storting ernannt. Die Preisträger werden jeweils im Oktober bekanntgegeben. Bei der feierlichen Verleihung am Todestag Nobels am 10. Dezember erhalten sie in Oslo eine Medaille, eine Urkunde und ein Preisgeld - in diesem Jahr zehn Millionen Schwedische Kronen (knapp eine Million Euro).

Obama spendet die gesamte Summe

Obama will die gesamte Summe (rund 1,4 Millionen Dollar) für einen guten Zweck zur Verfügung stellen. Das berichteten US-Medien unter Berufung auf einen Regierungsbeamten. Welchen Wohltätigkeitseinrichtungen die Spenden zufließen sollen, darüber hat der Präsident aber noch nicht entschieden.

Quelle: ntv.de, dpa