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"Mit Macrone Mittag gegessen" G7-Gipfel beginnt mit Lapsus von Trump

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Nach Streit über Zölle für französischen Wein bittet Macron Trump zum Mittagessen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es gibt Fehler, die lassen sich korrigieren: Zum Beispiel, wenn sich US-Präsident Trump beim Namen des französischen Präsidenten irrt. Andere Fehler sind schwerwiegender. Etwa ein eskalierender Handelskrieg zwischen China und den USA. Hier wollen die Staatschefs beim G7-Gipfel mäßigend wirken.

Wie heißt noch gleich der französische Präsident? Zum Auftakt des G7-Gipfels ließ US-Präsident Donald Trump die Welt über Twitter wissen, er habe soeben mit "@EmanuelMacrone" in Biarritz zu Mittag gegessen. Emanuel Macrone? Gemeint war natürlich der französische Staatschef Emmanuel Macron, der den Gast aus Washington nach dessen Landung auf der Terrasse des mondänen Hôtel du Palais zu einem Arbeits-Lunch empfangen hatte.

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Zum ersten Mal dabei: Boris Johnson spricht mit Kanzlerin Merkel und Präsident Macron.

(Foto: imago images / i Images)

Trump hatte seine Twitter-Botschaft irrtümlich mit dem Account eines Macron-Imitators verlinkt, der dort in einem französisch eingefärbten Nonsens-Englisch Botschaften verbreitet. Nach kurzer Zeit wurde der Irrtum korrigiert: Trump schrieb nun korrekt von @EmmanuelMacron. Der zweite Teil der Botschaft blieb unverändert: "Viele gute Dinge geschehen für unsere beiden Länder!" In seinen Tweets liegt Trump öfter mal daneben - auch den Vornamen seiner Frau Melania schrieb er schon einmal falsch.

Ohne Tippfehler eröffnete dagegen Frankreichs Staatschef Macron den Gipfel der großen Industrienationen. "#G7Biarritz hat begonnen", teilte der Gastgeber des Toptreffens ebenfalls über Twitter mit. Nach dem US-Präsidenten hatte der 41-jährige Franzose auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer Unterredung getroffen. Es gab außerdem eine Runde der europäischen Teilnehmerländer - auch Großbritanniens Premierminister Boris Johnson nahm an den Beratungen teil.

Premier Johnson: "Darauf können Sie wetten"

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Will Trump ins Gewissen reden: Großbritanniens Premier Johnson landet in Biarritz.

(Foto: imago images / i Images)

Zum Auftakt des Gipfels redeten die europäischen Vertreter Trump ins Gewissen: Eine konfrontative Handelspolitik sei "schädlich für die ganze Welt", sagte Macron. Auch Merkel warnte vor nationalen Alleingängen bei globalen Problemen. Kein Land könne die Rahmenbedingungen "alleine festlegen".

EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte, Handelskriege "führen zur Rezession, Handelsverträge beleben die Wirtschaft ". Ähnlich äußerte sich der britische Premier. Auf die Frage, ob er Trump bei einem Treffen am Rande des G7-Gipfels im französischen Biarritz sagen wolle, dass er eine Ausweitung des Handelskriegs mit Peking vermeiden solle, sagte Johnson: "Darauf können Sie wetten." Johnson ist zum ersten Mal bei einem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industrienationen dabei. Am Sonntagmorgen sind Handelsgespräche mit Trump geplant.

Trump hatte kurz vor seinem Abflug nach Biarritz die Strafzölle auf chinesische Waren erhöht. Seit Monaten belegen sich die beiden weltgrößten Volkswirtschaften mit immer neuen Steuern, während die Weltwirtschaft immer klarere Signale einer Schwächephase aussendet. Der US-Präsident drohte zudem Frankreich mit Strafzöllen auf Wein, wenn das Land weiter eine Digitalsteuer auf US-Internetkonzerne wie Google und Apple erhebt.

Auf diese angespannte Ausgangslage nahm Macron in einer TV-Ansprache in Biarritz Bezug: "Wir müssen es schaffen, zu einer Form der Deeskalation zu kommen und diesen Handelskrieg zu vermeiden, der sich überall abzeichnet." Macron hat sich vorgenommen, bei dem dreitägigen Spitzentreffen die Krisenherde in Iran, Nordkorea, Libyen oder in der Ukraine anzusprechen. Im Kampf gegen das Flammeninferno im südamerikanischen Amazonasgebiet strebt Macron konkrete Hilfszusagen der mächtigen Staatenrunde an.

Sternekoch serviert Galadinner mit gefährdetem Thunfisch

Zum Abendinner der Staats- und Regierungschefs gab es baskische Spezialitäten. Allerdings stand auch der gefährdete roten Thunfisch auf der Speisekarte. Sternekoch Cédric Béchade servierte erst ein baskisches Omelett und dann den "Marmitako" genannten traditionellen Fischeintopf mit frischem roten Thunfisch, den Fischer des südlich von Biarritz gelegenen Ortes Saint-Jean-de-Luz gefangen haben.

Der auch Blauflossen-Thunfisch oder Atlantischer Thunfisch genannte Fisch ist wegen Überfischung eine zunehmend bedrohte Tierart und steht auf der "Roten Liste" der Weltnaturschutzunion IUCN. Er ist der größte Thunfisch und wird nach Angaben von Tierschützern in der Regel drei Meter lang und kann bis zu 40 Jahre leben. Zum Abschluss des Banketts stand eine Auswahl von Käse aus der Gegend und ein Pfirsichkuchen auf der Speisekarte des Restaurants L'Auberge Basque.

Ausschreitungen bei Gegendemonstration

Bei einer ungenehmigten Demonstration von hunderten Gegnern des G7-Gipfels kam es derweil unweit von Biarritz zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Sicherheitskräfte setzten in Bayonne Tränengas ein, nachdem aus den Reihen der Demonstranten Steine geflogen waren. Bayonne ist die Nachbarstadt von Biarritz.

Zuvor war eine angemeldete Kundgebung von Gipfelgegnern in der südwestfranzösischen Hafenstadt Hendaye friedlich verlaufen. Daran hatten nach Veranstalterangaben rund 15.000 Menschen teilgenommen. Frankreich setzt zum Schutz des Gipfels über 13.000 Polizisten und Gendarmen ein. Ausschreitungen sollen nicht geduldet werden, hatte Innenminister Christophe Castaner gesagt.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

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