Politik

Autor in Spanien festgesetzt Gabriel will Auslieferung Akhanlis verhindern

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Dogan Akhanli wird eines bewaffneten Raubüberfalls im Jahr 1989 bezichtigt. In einem ersten Prozess wurde er freigesprochen.

(Foto: dpa)

Per Interpol-Haftbefehl lässt die Türkei den türkischstämmigen deutschen Schriftsteller Akhanli in Spanien festsetzen. Sein Anwalt hält die Festnahme für politisch motiviert. Nun wendet sich das Auswärtige Amt an Spanien - und bittet, Akhanli nicht auszuliefern.

Der türkischstämmige Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli ist auf Betreiben Ankaras während seines Urlaubs in Spanien festgenommen worden. Akhanlis Anwalt hält die Festnahme für politisch motiviert. Der Autor steht der türkischen Regierung kritisch gegenüber. Deutschland hat die spanische Regierung bereits ersucht, Akhanli nicht an die Türkei auszuliefern und am Auslieferungsverfahren beteiligt zu werden. Das verlautete am Abend aus dem Auswärtigen Amt in Berlin.

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Auch Günter Wallraff protestierte 2010 in Istanbul gegen Akhanlis Prozess.

(Foto: picture alliance / dpa)

Demnach wandte sich die deutsche Botschaft in Madrid auf Bitten von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel mit einem entsprechenden Wunsch an die Regierung in Madrid. Man habe auch um schnellstmögliche konsularische Betreuung gebeten, hieß es. Akhanli ist - im Gegensatz zu dem in der Türkei inhaftierten Doppelstaatler Deniz Yücel - ausschließlich deutscher Staatsbürger.

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf den Anwalt des Schriftstellers, Ilias Uyar, die Festnahme sei um 8.30 Uhr in Akhanlis Feriendomizil in der südspanischen Provinz Granada erfolgt. Demnach habe bei der internationalen Polizeibehörde Interpol wegen eines Strafverfahrens in der Türkei ein "Dringlichkeitsvermerk" (Red Notice) gegen den Schriftsteller vorgelegen.

Anwalt: Akhanli ist Opfer einer Kampagne

"Der Haftbefehl ist eindeutig rechtsmissbräuchlich", erklärte Grünen-Politiker Volker Beck. Die Festnahme zeige den Versuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, "seine Macht über die Grenzen seines Landes hinaus auszudehnen, seine Kritiker einzuschüchtern und weltweit gegen sie vorzugehen". Außenminister Sigmar Gabriel solle "sich in Spanien unverzüglich für die Freiheit von Dogan Akhanli einsetzen". Gabriel war wegen des Anschlags in Barcelona am Freitag nach Spanien gereist.

Nach Angaben des "Kölner Stadtanzeigers" haben bislang weder die deutsche Botschaft in Madrid noch sein Anwalt Zugang zu Akhanli. Akhanlis Anwalt Uyar sagte dem "Spiegel", der Vorfall sei eine "gezielte Jagd der türkischen Regierung auf kritische Köpfe im Ausland".

Akhanli war schon einmal im August 2010 bei der Einreise in Istanbul festgenommen worden. In dem Prozess, in dem die Staatsanwaltschaft dem Schriftsteller einen bewaffneten Raubüberfall im Jahr 1989 vorwarf, wurde Akhanli gleich zu Beginn im Dezember 2010 auf freien Fuß gesetzt und kehrte nach Deutschland zurück. Der türkische Berufungsgerichtshof hatte in Akhanlis Abwesenheit den Freispruch anschließend aufgehoben und ein neues Verfahren angeordnet.

Quelle: ntv.de, jog/jug/dpa/AFP