Politik

Athen-Besuch Gauck sagt weiter Nein zu Griechenland

Der Bundespräsident zeigt sich bei seinem Besuch in Athen staatstragend wie immer. Doch mit Solidaritätsbekundungen wollen sich die Griechen diesmal nicht zufrieden geben - und fordern stattdessen Milliarden-Entschädigungen für Nazi-Verbrechen.

Unerwartet massive Forderungen Griechenlands nach deutschen Reparationen für Verbrechen im Zweiten Weltkrieg haben den Staatsbesuch von Bundespräsident Joachim Gauck in Athen belastet. Staatspräsident Karolos Papoulias verlangte bei einem gemeinsamen Auftritt mit Gauck, Verhandlungen über Entschädigungen so schnell wie möglich zu beginnen.

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Gauck und der griechische Präsident Karolos Papoulias beim offiziellen Empfang des Bundespräsidenten in Athen.

(Foto: dpa)

Gauck entgegnete Papoulias, der Rechtsweg dazu sei abgeschlossen. "Ich werde mich dazu nicht äußern. Und ganz gewiss nicht anders als meine Regierung." Die Bundesregierung sieht die Entschädigungsfrage als erledigt an.

Mit deutlichen Worten kam Präsident Papoulias auch beim feierlichen Staatsbankett auf die Reparationsforderungen zurück. "Meine besonderen Bindungen zu Deutschland machen es für mich noch schwieriger, die Weigerung der deutschen Regierung zu verstehen, über das Thema der Zwangsanleihe während der Besatzung und die Reparationen zu sprechen", sagte er laut Redemanuskript. Es handele sich dabei um ein Thema der politischen Moral.

Griechische Forderungen auf 160 Milliarden Euro geschätzt

Papoulias, der in Köln studiert und gearbeitet hat, kritisierte, dass Griechenland ohne Diskussionen aufgefordert werde, schmerzhafte Auflagen zur Sanierung der Staatsfinanzen in die Tat umzusetzen. Dagegen weigere sich Deutschland über Verpflichtungen zu reden, die noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammten.

Gauck ging bei dem festlichen Abendessen nicht direkt auf die Reparationsforderungen ein. Er bedauerte aber, dass die Untaten des NS-Regimes in Griechenland in Deutschland weitgehend unbekannt "und leider auch ungesühnt" geblieben seien. "Und ich bin froh, dass wir uns heute in Deutschland noch einmal danach fragen, was aus unserer politischen und moralischen Verantwortung gegenüber Griechenland resultiert", sagte Gauck laut Redemanuskript.

Das Thema belastet die deutsch-griechischen Beziehungen seit Jahrzehnten, hat durch die desolate Lage der griechischen Finanzen in der Eurokrise aber weitere Dringlichkeit erhalten. Neben Entschädigungen für Sachwerte und Menschenleben geht es um einen Zwangskredit, den die Bank von Griechenland 1942 der Reichsbank gewährt hatte. Die Forderungen insgesamt werden in Griechenland auf bis zu 160 Milliarden Euro geschätzt, die Zwangsanleihe auf mehrere Milliarden Euro. Die Nazis hatten sie noch 1945 auf knapp 500 Millionen Reichsmark beziffert.

"Solidarität zu unseren Partnern in Griechenland"

Zuvor war Gauck zum offiziellen Auftakt seines Staatsbesuchs in Griechenland mit militärischen Ehren begrüßt worden. Der Bundespräsident wird von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet. Die griechische Polizei hinderte während des Besuchs rund 500 Demonstranten daran, vor dem Parlament in Athen gegen Entlassungen und Arbeitslosigkeit zu demonstrieren.

Gauck sagte den Griechen die Freundschaft Deutschlands und weitere Unterstützung bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise zu. "Wir Deutsche stehen in Solidarität zu unseren Partnern in Griechenland - egal welche Schlagzeilen es gibt." Die bisherigen Reformanstrengungen verdienten Anerkennung und Respekt.

Bei seinem Besuch am Freitag in dem nordwestgriechischen Ort Lingiades will Gauck die Schuld der Deutschen für Verbrechen während der Besatzungszeit anerkennen und um Vergebung bitten. In Lingiades waren bei einem Massaker der Wehrmacht 1943 über 80 Menschen ums Leben gekommen. In Ioannina wird Gauck auch der zahlreichen jüdischen Opfer der Deutschen in Griechenland gedenken.

Quelle: n-tv.de, jve/dpa

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