Politik

Hunderte wechseln Frontseite Gefangenenaustausch in der Ostukraine

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Ein ukrainischer Soldat nach seiner Freilassung.

REUTERS

Erstmals seit September 2016 tauschen die ukrainische Regierung und die prorussischen Separatisten wieder Gefangene aus. So können Hunderte noch vor Neujahr und dem orthodoxen Weihnachtsfest nach Hause zurückkehren.

Im Osten der Ukraine haben das Militär und die pro-russischen Rebellen den größten Gefangenenaustausch seit Beginn des Konfliktes 2014 vollzogen. Hunderte Gefangene konnten noch vor Neujahr und dem orthodoxen Weihnachtsfest nach Hause zurückkehren.

Vereinbart war, dass die Führung in Kiew 306 Gefangene an die Rebellen übergibt und im Gegenzug 74 Gefangene übernimmt. "Alle 74 ukrainischen Geiseln sind bereits in der Heimat, auf dem von unserer Armee kontrollierten Territorium", erklärte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko in den sozialen Medien.

Budeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron begrüßten den Schritt, dem monatelange Verhandlungen vorausgegangen waren. Nun müssten auch die noch verbliebenen Gefangenen ausgetauscht werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung Merkels und Macrons.

"Mamutschka, ich bin schon hier"

"Mein Sohn hat angerufen", sagte die Mutter eines ukrainischen Gefangenen dem Nachrichtensender 112. "Dreieinhalb Jahre lang habe ich seine Stimme nicht gehört, nur Briefe bekommen. Er hat gesagt: 'Mamutschka, ich bin schon hier.' Sie können sich nicht vorstellen, was es für eine Mutter bedeutet, das eigene Kind dreieinhalb Jahre lang, seit August 2014, nicht zu sehen."

Wie viele Gefangene bereits tatsächlich übergeben wurden, war zunächst unklar. Der ukrainische Unterhändler bei den Friedensgesprächen, Viktor Medwedtschuk, sagte der russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge, einige der von der Ukraine  festgehaltenen Gefangenen weigerten sich, in die von Rebellen kontrollierten Gebiete zurückzukehren.

Weiterer Austausch geplant

Im kommenden Jahr sollten weitere Gefangene ausgetauscht werden, zitierte Tass Medwedtschuk. Den ukrainischen Sicherheitsbehörden zufolge werden noch 103 Menschen von den Separatisten festgehalten. Merkel und Macron sprachen von einem bedeutenden Erfolg. Sie ermutigten die Konfliktparteien, den Austausch auch der noch verbliebenen Gefangenen zu ermöglichen, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) vollständigen Zugang zu gewähren und die Suche des IKRK nach vermissten Personen zu unterstützen.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sprach von einem wichtigen Schritt bei der Umsetzung der Minsker Vereinbarungen, der von Deutschland, Frankreich, der Ukraine und Russland im sogenannten Normandie-Format intensiv unterstützt worden sei. "Er ist vor allem auch eine wichtige humanitäre Geste vor dem Jahreswechsel und dem orthodoxen Weihnachtsfest", sagte Gabriel. Auch die unlängst vereinbarte Weihnachtswaffenruhe müsse unbedingt strikt eingehalten werden.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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