Politik

100 Anzeigen Gegen Guttenberg wird ermittelt

2wlp3458.jpg5404670824690877886.jpg

Motivwagen im Kölner Karneval.

(Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft Hof leitet ein Ermittlungsverfahren gegen Ex-Verteidigungsminister Guttenberg ein. "Mittlerweile liegen über 100 Strafanzeigen im Zusammenhang mit den Plagiatsvorwürfen vor", sagt Oberstaatsanwalt Laib. In erster Linie gehe es um mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht.

Die Staatsanwaltschaft hat nun auch offiziell ein Ermittlungsverfahren gegen Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg eingeleitet. Es geht dabei um die Doktorarbeit des CSU-Politikers, die in großen Teilen fremde Texte enthält.

2wlo1515.jpg438087032246745543.jpg

Betrüger oder Hoffnungsträger? Guttenberg ist vor einer Woche zurückgetreten.

(Foto: dpa)

"Mittlerweile liegen über 100 Strafanzeigen im Zusammenhang mit den Plagiatsvorwürfen vor", sagte Oberstaatsanwalt Reiner Laib im bayerischen Hof. Die Behörde prüfe den Sachverhalt. Sie werde auch die Ergebnisse der Selbstkontrollkommission der Universität mit in ihre Arbeit einbeziehen. Diese liegen aber noch nicht vor.

In erster Linie geht es laut Laib um mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht. Zur Dauer und zu Einzelheiten der Ermittlungen wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Unterdessen wiesen Guttenbergs Doktorvater und sein Zweitgutachter jede Verantwortung für die gefälschte Dissertation von sich. Guttenberg sei allein für das Einhalten der wissenschaftlichen Regeln verantwortlich gewesen, erklärten die Juristen Peter Häberle und Rudolf Streinz.

Unbewusst oder vorsätzlich?

Guttenbergs Dissertation besteht zu großen Teilen aus abgeschriebenen Texten anderer Autoren. Laut Guttenplag-Wiki wurden auf bislang drei Vierteln aller Seiten Plagiate gefunden. Die Universität Bayreuth erkannte dem Politiker am 23. Februar den Doktortitel ab, weil Guttenberg "in erheblichem Umfang" gegen die wissenschaftlichen Pflichten verstoßen habe. Guttenberg bestreitet bislang, "bewusst" abgeschrieben zu haben. Nach Einschätzung des Bayreuther Juristen Oliver Lepsius ist die Universität einem "Betrüger" aufgesessen. Auch nach der Aberkennung des Doktortitels prüft die Universität weiter, ob er "vorsätzlich" getäuscht hat.

Am vergangenen Dienstag war Guttenberg zurückgetreten, am Samstag gab es in mehreren Städten Deutschland Solidaritätskundgebungen für den Politiker, die größte in der fränkischen Ortschaft Guttenberg, in der die gleichnamige Burg liegt, in der Guttenberg wohnt. Der Vater des Ex-Ministers, Enoch zu Guttenberg, sprach dort von einer "Menschenjagd", die es auf seinen Sohn gegeben habe. In Rosenheim und München protestierten jeweils einige hundert Demonstranten. Auch aus anderen Städten wurden meist kleinere Kundgebungen gemeldet. In Berlin dominierten Guttenberg-Gegner, die spöttisch auf Plakaten "Jetzt oder nie: Monarchie" oder "Gutti for Kaiser" forderten.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa