Politik

"Russland über den Tisch gezogen" Gorbatschow kritisiert NATO

Michail Gorbatschow, ehemaliger Präsident der Sowjetunion, hat scharfe Kritik an der Ost-Erweiterung der Nato geäußert. Der "Bild"-Zeitung sagte Gorbatschow, Deutschland, USA und andere Staaten des Westens hätten ihm nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 versprochen, "dass die NATO sich keinen Zentimeter nach Osten bewegen würde". Daran hätten sich die Amerikaner nicht gehalten, und den Deutschen sei es gleichgültig gewesen.

"Vielleicht haben sie sich sogar die Hände gerieben, wie toll man die Russen über den Tisch gezogen hat." Dies habe dazu geführt, so Gorbatschow, "dass die Russen westlichen Versprechungen nun nicht mehr trauen".

Lob für Kohl

Im Rückblick auf die Ereignisse vor rund 20 Jahren lobte Gorbatschow vor allem den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl für dessen besonnenen Kurs zur deutschen Einheit nach dem Mauerfall im November 1989. "Ost wie West wollten eine schnelle Wiedervereinigung", so Gorbatschow. "Bundeskanzler Kohl handelte in dieser Situation am angemessensten."

Im Kreml habe es bereits seit Beginn der 1980er Jahre Überlegungen zu einer möglichen Wiedervereinigung gegeben. "Den Gedanken gab es schon, als ich von Breschnew in die sowjetische Führung berufen wurde. Ich wusste: Die Geschichte hat das Problem der deutschen Teilung geschaffen, die Geschichte wird es lösen."

Dennoch seien Kanzler Kohl und er noch im Juni 1989 darin einig gewesen, dass die Wiedervereinigung "eine Frage des 21. Jahrhunderts" sei, sagte Gorbatschow. Wenige Monate später sei dann bereits die Mauer gefallen. "Die Geschichte erteilt Besserwissern eben gern Lektionen", sagte der ehemalige Sowjet-Präsident.

Quelle: ntv.de

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