Politik

"Kein Guru der Apokalypse" Greta wehrt sich gegen Spötter in Paris

01b9f3b223cafb769b7d288bc3b11248.jpg

Hitzige Debatten zur Erderwärmung: Greta Thunberg spricht im französischen Parlament.

(Foto: REUTERS)

Merci für die Einladung: Auf Französisch bedankt sich Klimaaktivistin Greta und hält dann ihre Rede vor der Pariser Nationalversammlung. Doch der Auftritt der Schwedin erhitzt die Gemüter der Konservativen. "Lächerlich", "infantil", "Angstmache", "Greenbusiness" - das sind noch die mildesten Vorwürfe.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat mit einem Auftritt in der Pariser Nationalversammlung in Frankreich für hitzige Debatten gesorgt. Die 16-jährige Schwedin warnte in ihrer Rede davor, angesichts der Klimakrise untätig zu bleiben. "Wir sind nur Kinder, Sie müssen nicht auf uns hören. Aber Sie müssen auf die Wissenschaftler hören. Und das ist alles, worum wir bitten", sagte Thunberg an Kritiker gerichtet. Zuvor hatte sich in Frankreich vor allem von rechts Protest gegen den Auftritt des Mädchens geregt, das die weltweite Klimabewegung Fridays for Future angestoßen hatte.

Thunberg war von einer überparteilichen Umweltgruppe von Parlamentariern zu dem Treffen in die Nationalversammlung eingeladen worden. Die Veranstaltung stand auch anderen Abgeordneten offen. Guillaume Larrivé von den konservativen Republikanern hatte dazu aufgerufen, den Auftritt Thunbergs zu boykottieren. Man brauche keine "apokalyptischen Gurus", sagte er. "Wir sagen 'nein' zu dieser aufklärungsfeindlichen Infantilisierung und zur Panikmache. Die Nationalversammlung macht sich lächerlich, indem sie Greta Thunberg einlädt", stimmte der republikanische Abgeordnete Jean-Louis Thiériot ein.

"Ich respektiere die Meinungsfreiheit, aber rechnet nicht mit mir, um einer Prophetin in kurzen Hosen Beifall zu spenden", schrieb der Konservative Julien Aubert auf Twitter. Thunberg verdiene bestenfalls "den Nobelpreis für Angstmache". Er sei für den Schutz des Planeten, aber nicht für "Greenbusiness", so Aubert.

"Thunbergs Kritiker sind arrogant"

*Datenschutz

Auch andere warfen Thunberg vor, von einer grünen Lobby finanziert zu werden. Diese wehrte sich gegen die Anschuldigungen. "Natürlich steht niemand hinter mir außer mir", sagte sie in einem Interview. Der ehemalige Umweltminister Nicolas Hulot bezichtigte Thunbergs Kritiker der Arroganz.

Der Präsident der Nationalversammlung, Richard Ferrand, begrüßte Thunberg am Vormittag, zunächst gab es ein Kennenlernen im Garten. Bei dem Treffen waren auch andere Jugendliche und Klimaexperten anwesend. Thunberg hielt ihre Rede anschließend nicht im großen Plenarsaal des Unterhauses, sondern in einem kleineren Raum. "Ich heiße Greta Thunberg, danke für die Einladung", sagte sie zu Beginn ihres Auftritts auf Französisch.

Die junge Schwedin sagte in ihrer rund 30-minütigen Rede, sie und die jungen Mitglieder ihrer Bewegung Fridays for Future seien mit "unglaublichem Hass und Drohungen" konfrontiert. Viele Politiker, Journalisten und Unternehmer argumentierten: "Wir sind Kinder, wir übertreiben, wir sind alarmistisch." Dabei gäben sie nur die Erkenntnisse des Weltklimarats IPCC wieder. Dessen Forscher hätten alle Folgen des vom Menschen verursachten Klimawandels beschrieben. Deshalb sei es nun endlich Zeit zu handeln.

Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC gegenüber der vorindustriellen Zeit um etwa ein Grad Celsius erwärmt. Geht es weiter wie bisher, ist Ende dieses Jahrhunderts die Welt wohl gut drei Grad wärmer. Zu den Folgen gehören je nach Region mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/AFP

Mehr zum Thema