Politik

Premiere für "USA Today" Größte US-Zeitung stellt sich gegen Trump

Donald Trump hat die Satire einer Website als Tatsache missverstanden.

Auch weil er nicht garantiert, die Macht friedlich zu übergeben, stellt sich die "USA Today" gegen Trump.

(Foto: picture alliance/dpa)

In den USA ist es ganz normal, dass Zeitungen und andere Medien offen einen Präsidentschaftskandidaten unterstützen. Allerdings hielt sich die größte Zeitung des Landes bisher damit zurück. Doch jetzt steht offenbar zu viel auf dem Spiel.

Die auflagenstärkste Zeitung der Vereinigten Staaten, die "USA Today" hat im Wahlkampf erstmals einem Präsidentschaftskandidaten ihre Unterstützung ausgesprochen - und zwar Joe Biden. Zwei Wochen vor der Wahl am 3. November begründeten die Kommentatoren den Bruch mit der Tradition damit, dass es bei der Wahl zwischen Herausforderer Biden und Amtsinhaber Donald Trump nicht um eine Entscheidung zwischen zwei "fähigen" Kandidaten mit gegensätzlichen Vorstellungen gehe.

"In diesem Jahr stehen Charakter, Kompetenz und Glaubwürdigkeit auf dem Wahlzettel", schreiben die Kommentatoren. "Angesichts der Weigerung Trumps, einen friedlichen Machtwechsel zu garantieren, falls er verliert, geht es auch um die Zukunft der amerikanischen Demokratie." Das Land sei gefährlich vom Kurs abgekommen, heißt es in dem Artikel, in dem auch Wähler aus Schlüsselstaaten zu Wort kommen.

Der wichtigste Teil des Jobs eines Präsidenten sei das Krisenmanagement. Doch Trump habe auf die Corona-Pandemie chaotisch reagiert und damit die Zahl der Toten in die Höhe getrieben. "Biden ist ein würdiges Gegengift zu Trumps grenzenlosem Narzissmus und chronischem Chaos." Er biete der aufgewühlten Nation einen "Hafen der Ruhe und Kompetenz", auch wenn er nicht frei von Fehlern sei. "USA Today", die mit 38 Jahren vergleichsweise jung ist, hatte vor der Wahl 2016 zwar Partei gegen Trump ergriffen, in diesem Zuge aber nicht ausdrücklich der damaligen Kandidatin Hillary Clinton die Unterstützung zugesagt. Am Ende des Textes heißt es: "Vielleicht werden wir nie wieder einen Präsidentschaftskandidaten unterstützen. Wir hoffen, dass wir es nie wieder müssen."

Trump reagierte noch nicht

In den USA ist es ganz normal, dass Zeitungen einen der Kandidaten unterstützen. So haben etwa die großen Blätter "New York Times" und "Washington Post" bereits ihre Unterstützung für Joe Biden bekannt gegeben. Das Boulevard-Blatt "New York Post" hat sich hingegen für Trump ausgesprochen. Dabei handelt es sich um eine Tradition, die es in Deutschland so nicht gibt. Dennoch lassen sich auch hierzulande viele Zeitungen klar als konservativer oder linker einordnen. In den USA ergreifen auch andere gesellschaftliche Gruppen wie Gewerkschaften oder religiöse Gruppen Partei. Trump, der kritische Medien gern als "Fake News" bezeichnet, reagierte bislang nicht auf die Erklärung.

Die "USA Today" gilt in den Vereinigten Staaten als die auflagenstärkste Zeitung mit täglich 1,6 Millionen Exemplaren in 2019. Sie ist eine der wenigen Blätter, die im ganzen Land erscheint, zum Teil allerdings als Gratis-Zeitung. Das heißt aber nicht, dass sie insgesamt die meisten Leser hat - so hat die "New York Times" etwa eigenen Angaben zufolge 6,5 Millionen Digital-Abonnenten.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa