Banaszak versus ÖzdemirGrüne gehen unterschiedlich mit Hagel-Video um
Ein von einer Bundestagsabgeordneten veröffentlichtes Video bringt CDU-Spitzenkandidat Hagel in die Bredouille. Seine Aussagen über minderjährige Schülerinnen stoßen einigen Grünen-Politikern übel auf. Während sich Konkurrent Özdemir zurückhaltend äußert, übt Parteichef Banaszak klare Kritik.
Grünen-Chef Felix Banaszak hat sich in die Debatte um einen acht Jahre alten Clip des CDU-Spitzenkandidaten in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, eingeschaltet. Der Clip zeigt ein Interview, in dem Hagel als anzüglich verstehbare Bemerkungen über einen Besuch bei einer überwiegend weiblichen Realschulklasse macht. "Da gibt es schlimmere Termine für einen 29-jährigen Abgeordneten", sagte er damals und beschrieb Augen und Haare einer Schülerin, die ihm eine Frage stellte.
"Das Video spricht für sich", so Banaszak im Frühstart von RTL/ntv. Ihm sei vorher schon klar gewesen, dass Hagel kein geeigneter Ministerpräsident wäre. Die Menschen würden sich nun ihre eigene Meinung zu dem Video bilden. Angesprochen darauf, dass viele Grünen-Politiker das Video gerade offensiv in den sozialen Medien teilen, sagte der Parteivorsitzende, er könne keine Verantwortung für Hagel übernehmen. "Der Mann war 29 und wir reden über das Jahr 2018 - das ist jetzt nicht: Och in den Neunzigern, da war die Welt nun mal so." Der CDU-Politiker müsse selbst damit einen Umgang finden.
In einem TV-Triell zur Landtagswahl hatte sich Grünen-Spitzenkandidat und Hagel-Konkurrent Cem Özdemir dagegen zurückhaltender geäußert. "Ich bin mir sicher, Herr Hagel würde das heute nicht mehr so formulieren", sagte er am Dienstagabend im SWR. Frauen sollten wie Männer nur nach ihrer Leistung beurteilt werden. Dass das Video veröffentlicht worden sei, gehe auf eine einzelne Abgeordnete zurück, nicht auf die Partei. Hagel sagte in derselben Sendung, sein Satz sei "Mist gewesen".
Bei ntv verwies Banaszak darauf, dass seine Parlamentskollegin Zoe Mayer das Video nicht herausgesucht habe, sondern dass es ihr zugeschickt worden sei. Der Clip sei ein Hinweis auf eine politische Kultur, "die es vielleicht auch woanders gibt, aber die wirklich hinter uns lassen müssen". Mayer habe eine Woche zuvor öffentlich gemacht, womit sie als junge Frau regelmäßig konfrontiert werde. "Jetzt kann man sagen, so sind sie die Männer - aber ist das unser Anspruch?"
