Politik

Promotion auf Kosten der Steuerzahler? Guttenberg in Erklärungsnot

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Guttenberg muss zurzeit viel erklären.

(Foto: AP)

Verteidigungsminister Guttenberg soll für seine Doktorarbeit auch den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages beauftragt und ohne Quellenangabe übernommen haben. Die Opposition reagiert empört. Sollten die Vorwürfe des Amtsmissbrauchs stimmen, sei "sein Rücktritt unausweichlich". Guttenberg selbst sagt dazu: "Unsinn".

In der Plagiatsaffäre hat die Opposition den Druck auf Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erhöht. Nach der SPD forderte auch die Linkspartei den CSU-Politiker auf, umgehend Stellung zu neuen Vorwürfen zu nehmen. "Wenn Herr zu Guttenberg einen Teil seiner Doktorarbeit vom Wissenschaftlichen Dienst schreiben lassen hat, dann ist eine Grenze überschritten", erklärte Linken-Chef Klaus Ernst. Sollte sich bewahrheiten, dass Guttenberg Mitarbeiter aus dem Bundestag für seine Doktorarbeit eingesetzt habe, dann sei dies Amtsmissbrauch. "Akademisches Ghostwriting, und dann noch auf Kosten der Steuerzahler, das ist nicht hinnehmbar. Sein Rücktritt ist dann unausweichlich", erklärte Ernst. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte: "Guttenberg ist klug genug, um zu wissen, hier ruht die ganze Verantwortung auf ihm selbst."

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Guttenberg erklärt im Verteidigungsministerium, vorerst seinen Doktortitel ruhen zu lassen - was eigentlich nicht geht.

(Foto: dapd)

Nach einem Bericht des "Spiegel" nahm Guttenberg für seine Doktorarbeit die Expertise des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages in Anspruch, der die Parlamentarier bei der Ausübung ihres Mandats unterstützen soll. Ein von Guttenberg in Auftrag gegebenes Gutachten sei fast vollständig in die Dissertation eingeflossen. In einer Fußnote werde auf die Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes hingewiesen, allerdings nicht auf den Autor Ulrich Tammler.

Guttenbergs Vita aufgeblasen?

CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich nannte den Vorwurf des Amtsmissbrauches lächerlich. In seiner Dissertation verweise Guttenberg auf Seite 373 ausdrücklich darauf, dass er in den folgenden Passagen einen Beitrag des wissenschaftlichen Dienstes verarbeite, den er als Grundlage für eine Rede angefordert habe. Diesen Beitrag dokumentiere Guttenberg sowohl im Literaturverzeichnis als auch in den Fußnoten, sagte Friedrich der "Bild am Sonntag".

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Die umstrittene Doktorarbeit: Wieviel hat Guttenberg selbst geschrieben?

(Foto: dpa)

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" soll er auch seinen Lebenslauf auf seiner Internet-Seite "ein bisschen aufgeblasen" haben. So seien aus mehrwöchigen Praktika als Student "berufliche Stationen in Frankfurt und New York" geworden, aus einem mehrwöchigen Praktikum bei der Zeitung "Die Welt" eine Tätigkeit als "freier Journalist".

SPD: Lammert muss aufklären

Die SPD forderte Bundestagspräsident Norbert Lammert zu einer raschen Klärung des Vorgangs auf. "Es entsteht der Eindruck, dass Teile der Doktorarbeit von Ghostwritern in der Bundestagsverwaltung geschrieben wurden", erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann. Die Aussage Guttenbergs, es hätten keine Mitarbeiter mitgewirkt, sei inzwischen wenig glaubwürdig. Bundestagspräsident Norbert Lammert müsse den Vorgang schnell untersuchen. "Die Öffentlichkeit hat Anspruch darauf zu erfahren, ob der Wissenschaftliche Dienst zu Privatzwecken eingesetzt wurde und Guttenberg seine Promotion auf Kosten der Steuerzahler geschrieben hat", sagte Oppermann. Wenn dies der Fall wäre, hätte Guttenberg sein Abgeordnetenmandat missbraucht.

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Die Universität Bayreuth will nun Rede und Antwort von Guttenberg.

(Foto: dapd)

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte der "Welt am Sonntag", Guttenberg sei klug, genug um zu wissen, dass die ganze Verantwortung auf ihm ruhe: "Und auch nur er selbst kann Klarheit schaffen."

Mindestens 50 Seiten

Zuvor waren bereits zahlreiche weitere Plagiatsvorwürfe bekannt geworden. In seiner Doktorarbeit habe der CSU-Politiker mindestens 19 Autoren nicht korrekt zitiert, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Der "Berliner Zeitung" zufolge kupferte er auch aus der Hausarbeit eines Studienanfängers an der Freien Universität Berlin ab.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, mindestens 50 Seiten seiner 400 Textseiten umfassenden Arbeit enthielten Passagen, die wortwörtlich oder teilweise übernommen worden seien. Am Dienstag hatte Guttenberg lediglich von vereinzelten Fußnoten gesprochen, die er gerne bereit sei zu prüfen. Zudem hatte er betont, er habe die wissenschaftliche Arbeit selbst verfasst.

Eine Website zur Dokumentation von möglichen Plagiaten in der Doktorarbeit von Guttenberg listet bislang mehr als 120 verdächtige Textstellen auf. "Egal wo wir schauen, wir finden was", so ein Sprecher des Projekts  "GuttenPlag Wiki", der als Doktorand an einer deutschen Hochschule namentlich nicht genannt werden wollte. Am Montag wollen die Initiatoren der Seite einen Zwischenbericht auf die Webseite stellen.

Mehrheit stützt Guttenberg

Der Minister räumte zwar Fehler in seiner Dissertation ein, lehnte aber einen Rücktritt ab. Dem "Focus" antwortete er auf die Frage, ob er an einen Rücktritt gedacht habe, mit: "Unsinn!" Es obliege ihm nicht zu beurteilen, was der Vorgang für seine Glaubwürdigkeit und Autorität bedeute, sagte er: "Aber beidem gerecht zu werden, bleibt mein Anspruch", unterstrich er. Am Freitag hatte er Fehler in seiner Dissertation eingeräumt. Bis zur Klärung der Vorwürfe durch die Uni Bayreuth will er den Doktortitel nicht führen. Zugleich hatte er aber unterstrichen, dass er zu keinem Zeitpunkt in seiner Dissertation bewusst getäuscht habe.

Unterstützung bekam Guttenberg vom CSU-Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber. "Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein", sagte er der "Bild-Zeitung". Nach einer Emnid-Umfrage hält die Mehrheit der Deutschen den Minister nicht für einen Schwindler. 28 Prozent sehen in Guttenberg demnach einen Schwindler. Eine Mehrheit von 52 Prozent hält allerdings die Glaubwürdigkeit des Ministers für beschädigt, 41 Prozent sehen dies nicht so. 47 Prozent sind der Umfrage dafür, dass Guttenberg seinen Doktortitel zurückgibt.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts/AFP

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