Politik

Zu wenig intellektuelles Format Guttenberg zieht über Söder her

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Guttenberg zu seinen aktiven Zeiten mit dem damaligen bayerischen Gesundheitsminister Söder.

picture-alliance/ dpa

Nach einem langen Machtkampf hat sich die CSU auf Markus Söder als neuen Chef festgelegt. Dem einstigen Star-Minister der Partei, zu Guttenberg, bereitet das Sorgen, die er gleich in zwei Interviews darlegt. Doch der welterfahrene Ex-Politiker bietet ganz bescheiden seine Hilfe an.

Der ehemalige Verteidigungsminister und einstige Shootingstar der CSU, Karl-Theodor zu Guttenberg, hat sich gleich in zwei Interview über den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder ausgelassen. Gegenüber faz.net forderte Guttenberg, die Entscheidung für Söder, der nach einem Machtkampf mit dem derzeitigen CSU-Chef Horst Seehofer im Januar die Parteiführung übernehmen soll, müsse "weiter konstruktiv kritisch hinterfragt werden". Der inzwischen als Investor in den USA arbeitende und lebende Guttenberg äußerte Zweifel, dass sich "der neue Parteivorsitzende für diese große Aufgabe eignet". Die CSU müsse sich vergewissern, "wie tragfähig diese Lösung auf Dauer ist".

Ähnlich äußerte sich Guttenberg in einem am selben Tag bei der österreichischen "Kleinen Zeitung" erschienenen Interview. Er äußerte dort die Sorge, dass die CSU unter Söder aufpassen müsse, "dass sie nicht zur Regionalpartei wird, dass sie ihren bundes- und europapolitischen Einfluss auf Dauer nicht zugunsten einer reinen München- oder Bayernerscheinung aufgibt."

Das Hauptrisiko für die angeblich drohende Provinzialisierung seiner Partei ist dem als Außen- und Sicherheitspolitiker erfahrenen Guttenberg zufolge, dass Söder "das intellektuelle und internationale Format eines Franz Josef Strauß oder eines Theo Waigel" noch nicht erreiche. Er gesteht Söder zwar "durchaus" eine mögliche positive Entwicklung im Amt zu und wünscht ihm ausdrücklich Erfolg. "Trotzdem ist der Schritt, den er an der Parteispitze unternehmen muss, gewaltig", so Guttenberg bei faz.net.

Neben der aus seiner Sicht mangelnden internationalen Ausrichtung äußert Guttenberg die Sorge, dass Söder zwar die populistische Diskussion an den "Stammtischen" beherrsche, der intellektuellen politischen Debatte in Deutschland aber nicht gewachsen sei. Der Ex-Minister macht keinen Hehl daraus, dass er lieber den Europapolitiker Manfred Weber als Parteichef gesehen hätte. Der hatte aber auf eine Kandidatur auf dem anstehenden Parteitag für den Posten verzichtet, da er als Spitzenkandidat der europäischen Konservativen in den kommenden Europawahlkampf ziehen wird.

Doch Guttenberg, der 2011 über eine Plagiataffäre um seine Dissertation stürzte und sich daraufhin aus der Politik weitgehend zurückzog, kritisiert den designierten Parteichef Söder nicht nur, sondern bietet ihm auch großzügige Unterstützung an. Ämter strebe er zwar keine an, so Guttenberg. Aber er bleibe "ein politisch denkendes, kritisches Parteimitglied. Und ich bin weiter bereit, mich an der einen oder anderen Stelle mit meinen dürftigen Erfahrungswerten einzubringen."

Quelle: n-tv.de, mbo

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