Politik

Viele verpasste Chancen Gysi: "Osten wurde vereinnahmt"

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Der damalige PDS-Vorsitzende Gysi bei einer Wahlkundgebung im Oktober 1990 auf dem Alexanderplatz in Berlin.

(Foto: dpa)

Linksfraktionschef Gysi hat ein gespaltenes Verhältnis zur Deutschen Einheit. Vor allem sieht er viele Versäumnisse mit gravierenden Folgen. Dadurch seien auch die Lebensverhältnisse der Westdeutschen nicht verbessert worden.

Für Linksfraktionschef Gregor Gysi hat die deutsche Wiedervereinigung diese Bezeichnung nicht verdient. "Das war ein Beitritt, ein Beitritt der DDR zur Bundesrepublik", sagte er. "Natürlich wurde der Osten vereinnahmt, vor allem die Wirtschaft."

Durch Volksentscheide hätten sich die Bevölkerungen beider Staaten damals eine neue Verfassung geben können. "Dann wäre ein neuer Staat entstanden", so Gysi. Diese Chance sei verpasst worden. Die größten Versäumnisse der Wiedervereinigung seien für ihn der mangelnde Respekt vor ostdeutschen Biografien gewesen, und dass die Westdeutschen nicht von der Einheit profitiert hätten.

"Man hätte ja auch zehn Sachen aus dem Osten einführen können, zum Beispiel ein flächendeckendes Netz von Kindertagesstätten oder eine Kinderbetreuung an den Schulen auch nachmittags", sagte Gysi. "Das hätte auch die Lebensqualität der Menschen im Westen verbessert und ihnen damit ein Einheitserlebnis beschert."

Dennoch ist der 3. Oktober für Gysi ein Tag zum Feiern. Damit sei "ein Krieg zwischen beiden deutschen Staaten und damit auch zwischen West- und Osteuropa" ausgeschlossen worden. "Das ist der große Segen, der damit zusammenhängt." Außerdem hätten alle Ostdeutschen, auch er persönlich, "ungeheuer gewonnen an Freiheit und Demokratie".

Auch nach 25 Jahren ist die Einheit für Gysi nicht vollendet. Der Osten liege wirtschaftlich immer noch zu weit zurück. Außerdem müsse gleicher Lohn für gleiche Arbeit und gleiche Rente für gleiche Lebensleistung gewährleistet werden. Am 3. Oktober vor 25 Jahren wurden die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik vereint.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa