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Die Hacker erbeuteten über 11.000 Dateien, darunter auch Mitarbeiterdaten.
Die Hacker erbeuteten über 11.000 Dateien, darunter auch Mitarbeiterdaten.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 01. November 2018

Daten in Frankreich gestohlen: Hacker erbeuten Baupläne einer Atomanlage

Bei einem Angriff auf ein französisches Bauunternehmen greifen Hacker sensible Daten ab. Darunter sind Baupläne eines Gefängnisses und eines Atommüll-Endlagers. Die Spuren der Cyberkriminellen führen die Ermittler zunächst nach Dortmund.

Hacker haben offenbar bei einem Angriff auf den französischen Baukonzern Ingérop zahlreiche Dokumente zur Infrastruktur von Atomkraftwerken, Gefängnissen und Straßenbahnnetzen erbeutet. Darüber berichtet die "Süddeutsche Zeitung", die französische Tageszeitung "Le Monde" und der NDR. Der kopierte Datensatz umfasst 65 Gigabyte.

Darunter sind unter anderem Baupläne eines Gefängnisses und eines Atommüll-Endlagers, außerdem private Daten von 1200 Mitarbeitern Ingérops. Es handelt sich wohl um mehr als 11.000 Dateien, die laut einer Sprecherin des Bauunternehmens aus Projekten stammen, an denen Ingérop arbeitete. Darunter sind Bauvorhaben in Frankreich, Spanien und Südamerika.

Die Spur der gestohlenen Daten führte die Ermittler Anfang Juli ins Ruhrgebiet. Ermittler des Landeskriminalamtes durchsuchten schließlich in Zusammenhang mit dem Hack ein Kulturzentrum in Dortmund. In den Räumen können Anbieter Server unterbringen. Von einem dieser Server war ein Teil der Ingérop-Daten kurzfristig zum Download verfügbar.

Die Ermittler beschlagnahmten den Server, auf dem die Daten lagen. Doch vor wenigen Wochen tauchte ein umfangreiches Datenpaket aus dem Hack im Darknet auf. Das Darknet ist ein Teil des Internets, zu dem man nur mit bestimmter Software Zugang hat. Dort wird der Standort der Server verschleiert - theoretisch sind die Daten aber für jedermann abrufbar, der die entsprechende Adresse kennt.

Ingérop stand scharf in der Kritik

Ingérop war in den vergangenen Monaten von deutschen und französischen Atomkraftgegnern scharf kritisiert worden. Denn der Konzern ist an der Planung des Atommüll-Endlagers in Bure in Lothringen im Nordosten Frankreichs beteiligt ist. Dort soll 125 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, ein unterirdisches Atommüll-Endlager entstehen. Sollten Atomkraftgegner hinter dem Cyberangriff stecken, wäre das ein spektakulärer Fall eines politischen Hacktivismus und eine weitere Eskalationsstufe des Protests.

Die knapp 11.000 Dateien enthalten Informationen zu mehreren Projekten. Die Entwürfe sind sehr detailliert und zeigen auch, an welchen Orten zum Beispiel in einem geplanten Gefängnis Videokameras montiert werden sollten. Zwar hat Ingérop die Ausschreibung verloren. Doch aus den Bauplänen lässt sich ableiten, welche Anforderungen der französische Staat an solche Gebäude stellt.

In Frankreich ermittelt laut Justizkreisen der Inlandsgeheimdienst - ein mögliches Zeichen dafür, wie ernst man dort den Vorfall einstuft. Die französische Justiz sieht durch den Angriff die nationale Sicherheit gefährdet.

Quelle: n-tv.de