Politik

Vergeltung für Luftangriff Hamas nimmt Raketenfeuer auf Tel Aviv wieder auf

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In Tel Aviv und in umliegenden Städten heulten die Alarmsirenen, nachdem die Hamas Dutzende Raketen abgefeuert hat.

(Foto: REUTERS)

Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern eskaliert weiter: Israels Luftwaffe zerstört ein Hochhaus im Gazastreifen. Die Hamas feuert daraufhin Hunderte Raketen in Richtung Tel Aviv. Bei den Angriffen sterben drei Frauen. Am frühen Morgen heulen die Alarmsirenen erneut.

In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv ist am frühen Mittwochmorgen erneut Raketenalarm ausgelöst worden. Die Stadt stehe abermals unter Beschuss, teilt das israelische Militär mit. In Tel Aviv waren mehrere Explosionen zu hören. "Familien werden aufgeweckt und eilig in Schutzräume gebracht", heißt es auf der Twitter-Seite der Armee. Auch in der Wüstenstadt Beerscheva im Süden des Landes sowie in der Küstenstadt Aschkelon gab es Raketenalarm. Nach Angaben von Rettungskräften wurden in Lod bei Tel Aviv eine Person getötet und eine weitere verletzt. In Jehud, ebenfalls im Großraum Tel Aviv, sei ein Haus direkt getroffen worden. Die Nachrichtenseite "Ynet" berichtete, ein 84-Jähriger in Tel Aviv sei auf dem Weg zu einem Schutzraum zusammengebrochen.

Bereits am Abend hatte die radikalislamische Hamas nach eigenen Angaben 130 Raketen auf Tel Aviv abgefeuert. Die Hamas erklärte, die Raketenangriffe seien die Antwort auf einen israelischen Luftangriff, bei dem zuvor ein Hochhaus im Gazastreifen zerstört worden war. In Tel Aviv und in umliegenden Städten heulten die Alarmsirenen, am internationalen Flughafen von Tel Aviv wurde der Flugverkehr vorübergehend eingestellt.

Bei dem Raketenangriff sind drei Menschen gestorben. Nach Medienberichten kam in der Stadt Rischon Lezion eine Frau bei einem direkten Einschlag der Rakete ums Leben. Die Rettungsorganisation Zaka bestätigte den Todesfall. In der Stadt Cholon südlich von Tel Aviv wurde am Dienstagabend ein Bus getroffen, er brannte aus. Dabei starb nach Angabe von Zaka eine weitere Frau. Mindestens sechs Menschen wurden bei dem Raketenangriff verletzt, wie die die Zeitung "Times of Israel" unter Berufung auf Rettungsdienste berichtete. Im Großraum Tel Aviv wurden bei massiven Raketenangriffen nach Angaben von Sanitätern weitere Menschen verletzt. Es war der bisher schwerste Angriff dieser Art auf die Küstenmetropole.

Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen war am Abend ein Hochhaus zerstört worden. Das zwölfstöckige Haus im Stadtzentrum von Gaza, in dem sich auch mehrere Büros der radikalislamischen Hamas befanden, stürzte vollständig ein, wie Journalisten vor Ort berichteten. Übrig blieb nur ein Trümmerhaufen, über dem schwarzer Rauch aufstieg. Auch mehrere benachbarte Gebäude wurden beschädigt. Über Tote oder Verletzte liegen noch keine Angaben vor.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte zuvor angekündigt, die Angriffe auf das Palästinensergebiet als Reaktion auf massiven Raketenbeschuss zu verstärken. Nun werde die Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, "in einer Art und Weise getroffen werden, die sie nicht erwartet". "Wir haben Kommandeure ausgeschaltet, viele wichtige Ziele getroffen, und wir haben beschlossen, härter anzugreifen und das Tempo der Angriffe zu erhöhen", drohte Netanjahu. Bereits zuvor hatte Verteidigungsminister Benny Gantz der Armee erlaubt, falls nötig 5000 Reservisten zu mobilisieren.

Hamas will "Inferno" anrichten

Seit Freitag eskaliert die Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis im Nahen Osten. Nach Angaben der israelischen Armee waren bereits mehr als 300 Raketen seit Montag aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert worden. Etwa 90 Prozent von ihnen fing das israelische Abwehrsystem "Eiserne Kuppel" ab. In der südisraelischen Stadt Aschkelon wurden aber zwei 65 und 40 Jahre alte Frauen durch den Raketenbeschuss getötet. Etwa 30 Menschen, darunter fünf Kinder, wurden verletzt.

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In der Stadt Cholon südlich von Tel Aviv wurde ein Bus getroffen, er brannte aus.

(Foto: dpa)

Die radikalislamische Hamas hatte gedroht, in der rund 150.000 Einwohner zählenden Stadt ein "Inferno" anzurichten, sollten bei israelischen Angriffen auf den Gazastreifen weitere Zivilisten getötet werden. In Aschkelon waren am Morgen laute Explosionen zu hören. Nach Angaben der Gemeinde trafen insgesamt fünf Geschosse bewohnte Gebiete. "Wir mussten uns im Schrank verstecken, weil es bei uns keine Schutzräume gibt", berichtete die Shelly Belayev, deren Haus schwer beschädigt wurde.

Bei israelischen Angriffen auf Ziele im Gazastreifen wurden bis zum Nachmittag palästinensischen Angaben zufolge 28 Menschen getötet, darunter zehn Kinder. Rund 150 Menschen wurden demnach verletzt. Die israelischen Behörden betonten, die Angriffe richteten sich vor allem gegen militärische Ziele im Gazastreifen. Dabei seien 17 ranghohe Mitglieder militanter Palästinensergruppen getötet worden.

Im von Israel besetzten Westjordanland wurde nach palästinensischen Angaben ein Palästinenser von der israelischen Armee erschossen. Ein weiterer Palästinenser wurde demnach verwundet. Bei den Männern soll es um Mitglieder des palästinensischen Geheimdienstes gehandelt haben.

Unruhen in Ostjerusalem

Trotz der schlimmsten Angriffe seit Jahren verhallten alle Appelle zur Zurückhaltung bislang ungehört. Auch Ägypten und Katar, die bereits in früheren Konflikten zwischen Israel und der Hamas vermittelt hatten, bemühten sich diplomatischen Quellen zufolge um eine Beruhigung der Lage. Der ägyptische Außenminister Sameh Schukri sagte jedoch bei einem Treffen der Arabischen Liga, Kairo habe sich intensiv bemüht, nicht aber die erwünschte Antwort erhalten.

In der Jerusalemer Altstadt wurde ebenfalls mit neuen Auseinandersetzungen gerechnet. Bei den heftigsten Zusammenstößen seit Jahren zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern in Ost-Jerusalem waren am Vortag etwa 520 Palästinenser und 32 Polizisten verletzt worden. Die Polizei erklärte, dass sie Unruhe oder Aufrufe zu Gewalt nicht zulassen werde. Polizeipräsident Kobi Schabtai sagte dem Senter N12 TV am Montag, die Beamten hätten bisher "zu viel Zurückhaltung gezeigt". "Wir sind jetzt in der Phase, in der wir die Handschuhe ausziehen".

Synagoge angezündet

Am Abend ist es dann in der Stadt Lod bei Tel Aviv, in der Juden und Araber gemeinsam leben, zu schweren Ausschreitungen gekommen. Nach Medienberichten schändeten arabische Einwohner eine Synagoge und setzten sie in Brand. Außerdem seien Dutzende Autos in Brand gesetzt und Fenster von Geschäften eingeworfen worden.

Jüdische Einwohner warfen der Polizei einen kompletten Kontrollverlust vor und forderten die Entsendung von Soldaten in die Stadt. Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Benny Gantz einigten sich daraufhin auf die Entsendung mehrerer Bataillone von Grenzpolizisten, um in der Stadt die Ruhe wiederherzustellen.

Quelle: ntv.de, hny/AFP/dpa

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