Mögliches US-KriegsverbrechenHegseth relativiert Angriff auf Mädchenschule im Iran

Bei einem mutmaßlichen US-Angriff auf eine Schule im Iran sterben Berichten zufolge mehr als 160 Menschen. US-Verteidigungsminister Hegseth zeigt sich empört - allerdings nicht wegen des möglichen Kriegsverbrechens, sondern weil Medien dem Vorfall seiner Meinung nach zu viel Beachtung schenken.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat nach Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Süden des Iran eine Untersuchung angekündigt und die Berichterstattung über den Vorfall kritisiert. "Alles, was ich sagen kann, ist, dass wir das untersuchen", sagte Hegseth bei einer Pressekonferenz zur US-Militäroperation gegen den Iran. "Wir greifen natürlich niemals zivile Ziele an."
Der Minister äußerte sich damit zu Medienberichten über einen Angriff auf eine Schule in der Stadt Minab am Samstag. Berichten zufolge wurden mehr als 160 Menschen getötet, die meisten davon Kinder. Die Schule liegt nahe einer Anlage der Revolutionsgarden; internationale Medien fanden bislang jedoch keine Hinweise auf eine militärische Nutzung des Schulgebäudes. Weitere Details zu möglichen Verantwortlichen oder zur eingesetzten Munition nannte er nicht.
Hegseth kritisierte zugleich die Berichterstattung über solche Vorfälle. Alles laufe erfolgreich und zielgerichtet ab, "aber wenn ein paar Drohnen durchkommen oder tragische Dinge passieren, ist das eine Schlagzeile auf Seite eins", sagte er mit Blick auf Iran.
Das UN-Menschenrechtsbüro hatte am Dienstag eine umfassende Untersuchung des Angriffs gefordert. Nach Angaben einer Sprecherin könnte es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Israelische Vertreter hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der besagten Region bekannt. Sie wollten die Berichte ebenso wie die Amerikaner prüfen. Am Dienstag kamen Menschenmassen zu Trauerfeiern in der betroffenen Stadt zusammen.
Die USA führen seit mehreren Tagen Luftangriffe gegen Ziele im Iran durch. Ziel der Operation sei es nach Angaben der Regierung, Irans Raketen- und Drohnenkapazitäten sowie militärische Infrastruktur zu zerstören.
Bei den Angriffen auf den Iran sind laut der in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisation Hrana bislang mindestens 1097 iranische Zivilisten getötet worden. 880 dieser Fälle seien bisher nicht offiziell bestätigt. Die Zahl der verletzten Zivilisten dürfte sich der Organisation zufolge auf mehr als 5400 belaufen.