Politik

Neuanfang in Berlin Historiker leitet künftig Stasi-Gedenkstätte

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Der Historiker Heidemeyer leitet künftig die Gedenkstätte.

(Foto: dpa)

Am Ende fällt das Votum der Findungskommission einstimmig. Ein Experte aus der Jahn-Behörde übernimmt die Leitung der Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen. Die bisherige Spitze war nach einem Skandal um sexuelle Belästigung abgesetzt worden.

Die zentrale Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin bekommt einen neuen Direktor. Der Historiker Helge Heidemeyer übernimmt im Herbst den Posten des im Vorjahr abberufenen Hubertus Knabe, wie die Berliner Senatsverwaltung für Kultur mitteilte. Der 1963 geborene Heidemeyer arbeitet seit 2008 in der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen und leitet dort die Abteilung Bildung und Forschung.

Dem langjährigen Leiter Knabe war vorgeworfen worden, nicht konsequent genug gegen sexuelle Belästigungen von Frauen in der Gedenkstätte vorgegangen zu sein. Dem Vizedirektor der Gedenkstätte, Helmuth Frauendorfer, wird sexuelle Belästigung von Mitarbeiterinnen vorgeworfen. Der Stiftungsrat kündigte Knabe wegen der Vorwürfe im September. Im Dezember einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich.

Der Kultursenator und Vorsitzende des Stiftungsrats, Klaus Lederer (Linke), erklärte, mit Heidemeyer gewinne die Stiftung "eine sowohl in der Gedenkstättenarbeit als auch in der wissenschaftlichen Aufarbeitung des SED-Regimes erfahrene Persönlichkeit". Er sei überzeugt, dass mit dem neuen Direktor "der dringend notwendige Kulturwandel" gelinge.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte, das einhellige Votum der Findungskommission sei ein Vertrauensbeweis in eine Persönlichkeit, die sich seit Jahren konsequent für die wissenschaftliche Aufarbeitung des SED-Unrechts einsetze. Heidemeyer setze sich seit vielen Jahren konsequent für die wissenschaftliche Aufarbeitung des DDR-Unrechtsregimes ein. Zudem habe er "ein Führungsverständnis, das den besonders hohen Ansprüchen einer Gedenkeinrichtung entspricht, die sich der Bekämpfung des Unrechts und der Wahrung der Menschenrechte verpflichtet sieht".

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist einer der wichtigen Erinnerungsorte an die politische Verfolgung und Inhaftierung von Oppositionellen in der ehemaligen DDR. Die Gedenkstätte befindet sich im berüchtigten früheren Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit (Stasi) der DDR, das diese von 1951 bis 1989 betrieb. Dort waren insbesondere politische Gefangene inhaftiert. Viele wurden körperlich und seelisch gefoltert.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/AFP