Politik

AfD-Politiker soll niederknien Holocaust-Mahnmal vor Höckes Haus gebaut

imago80182735h.jpg

Burgruine Hanstein in Bornhagen.

(Foto: imago)

In Bornhagen steht seit heute eine Holocaust-Gedenkstätte - direkt vor dem Haus von AfD-Politiker Höcke, der ein Ende der Erinnerungskultur fordert. Die Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit, die hinter der Aktion steht, schlägt ihm einen Deal vor.

Ein Kniefall vor einem Holocaust-Mahnmal, von einem Mann, der die Berliner Holocaust-Erinnerungsstätte als "Denkmal der Schande" bezeichnet und der "eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" fordert? Der Mann, das ist Björn Höcke, und um vor einer Holocaust-Gedenkstätte auf die Knie zu fallen, müsste der AfD-Politiker nicht einmal nach Berlin fahren.

Die Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) hat einen Ableger des Berliner Denkmals direkt vor Höckes Haustüre aufgebaut: im thüringischen Bornhagen, einem Weiler mit 270 Einwohnern, den Höcke selbst liebevoll sein "Bullerbü" nennt.

In diesem Bullerbü, genauer gesagt direkt vor Höckes Garten, stehen nun 24 Betonstelen – die wie beim Berliner Mahnmal an die Sarkophage ermordeter Juden erinnern sollen.

*Datenschutz

Das Künstlerkollektiv mietete dafür vor zehn Monaten als Reaktion auf Höckes "Dresdner Rede" im Januar, in der er beklagte, die deutsche Geschichte werde durch die permanente Aufarbeitung des Holocausts "mies und lächerlich gemacht", das Nachbargrundstück zu dessen Haus an. Seither beobachtet das ZPS das Treiben des Thüringischen AfD-Fraktionsvorsitzenden nach eigener Aussage in der "aufwendigsten Langzeitbeobachtung des Rechtsradikalismus in Deutschland".

Spenden für weitere Stelen gesucht

"Wir wollen und können die grotesken Forderungen zur Geschichtspolitik nicht auf sich beruhen lassen", so Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des ZPS. "Auch nicht nach fast einem Jahr ohne Distanzierung. Die Erinnerung muss gerade in den braunen Ecken des Landes in Beton gegossen werden." Auf Basis von Spenden sollen weitere Stelen des Mahnmals entstehen.

Aber das ZPS schlägt Höcke gleich auch einen Deal vor: Wenn er vor einer der Gedenkstätten – sei es in Bornhagen oder Berlin – auf die Knie fällt wie einst Willy Brandt, um für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg um Vergebung zu bitten, wird die zivilgesellschaftliche Überwachung vorerst eingestellt.

Das Zentrum für Politische Schönheit machte bereits in der Vergangenheit an der Schnittstelle zwischen Aktionskunst und Menschenrechten auf sich aufmerksam: 2015 überführte es Leichen ertrunkener Flüchtlinge in die deutsche Hauptstadt, ein Jahr zuvor entführte es Mauerkreuze aus dem Regierungsviertel und montierte sie an den EU-Außengrenzen.

Quelle: n-tv.de, ftü

Mehr zum Thema