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"Warnzeichen sind überdeutlich" Horn von Afrika steht vor Hungerkatastrophe

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Eine Frau sitzt mit ihren zwei Töchtern in einer Klinik in Garowe, der Hauptstadt der Region Puntland in Somalia.

(Foto: dpa)

Seit Jahren gibt es am Horn von Afrika nur schwache Regenzeiten. Nun stehen Somalia, aber auch mehrere Nachbarländer, vor einer Hungersnot. Millionen Menschen brauchen dringend Lebensmittel, Zehntausenden Kindern droht der Hungertod.

Angesichts einer anhaltenden Dürre warnen Hilfsorganisationen immer eindringlicher vor einer Hungersnot in Somalia. Die Warnzeichen seien überdeutlich, sagte die Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit von Save the Children Deutschland, Martina Dase. "Babys sterben. Tierkadaver säumen die Straßen. Verzweifelte Nomaden winken mit leeren Wasserkanistern", beschrieb Dase die Lage bei einem Besuch in der teilautonomen Region Puntland im Nordosten Somalias.

In dem Land am Horn von Afrika sind nach Angaben der Vereinten Nationen 6,2 Millionen Menschen - mehr als die Hälfte der Bevölkerung - auf humanitäre Hilfe angewiesen. Drei Millionen davon brauchen demnach dringend Lebensmittel, Zehntausende Kinder sind akut vom Hungertod bedroht.

Insgesamt sind am Horn von Afrika - dazu zählen neben Somalia auch Äthiopien, Dschibuti und Eritrea - nach UN-Angaben 15 Millionen Menschen von Hunger bedroht. Dazu zählen laut UN auch Menschen in den benachbarten Ländern Kenia und Uganda. Weitere schwere Hungerkrisen gibt es derzeit in Afrika in der Region um den Tschadsee im Westen des Kontinents und im Südsudan. Für den Hunger dort sind hauptsächlich Konflikte und Terrorismus verantwortlich.

Mangelernährung bei einer Million Kindern

Für die Hilfe in Somalia werden den UN zufolge in diesem Jahr 864 Millionen Dollar (rund 814 Millionen Euro) benötigt. Mehr als 940.000 Kinder könnten Prognosen zufolge in diesem Jahr an akuter Mangelernährung leiden, wenn die Hilfe nicht rasch erfolge.

Bei einer Hungersnot in Somalia starben 2011 mehr als 250.000 Menschen. Anders als damals ist nun das gesamte Land von der Krise betroffen. Anfang April sollte die große Regenzeit beginnen, bis dahin erwarten Experten eine Verschlechterung der Lage. Die Prognosen des Frühwarnsystems für Hungersnöte (FEWS NET) sind pessimistisch. Die derzeitige anhaltende Dürre wird dem Klimaphänomen El Niño zugeschrieben. In den vergangenen Jahren gab es in der Region mehrfach nur schwache Regenzeiten, teils blieben sie ganz aus. Hinzu kommt der jahrzehntelange kriegerische Konflikt in Somalia, der Hilfsorganisationen immer wieder behindert.

Eine Hungersnot wird dann ausgerufen, wenn mindestens 30 Prozent der Bevölkerung akut unterernährt sind, pro Person weniger als vier Liter Wasser verfügbar sind und mehr als zwei von 10.000 Menschen täglich aufgrund mangelnder Nahrung sterben.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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