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Messerangriff auf Badegäste Hurghada-Attacke wirft Fragen auf

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Der Täter wird vor Ort festgenommen.

REUTERS

Die Hintergründe der Messerattacke im ägyptischen Badeort Hurghada sind weiter unklar. Ägyptische Behörden weisen Spekulationen um Verbindungen zur Terrororganisation IS zurück. Sicher ist bislang nur: Der Angreifer wollte Touristen töten.

Das Motiv des Messer-Angreifers im ägyptischen Badeort Hurghada steht nach Angaben der Ermittler noch nicht fest. Die ägyptische Anwaltschaft für Staatssicherheit rief in einer Erklärung dazu auf, Spekulationen und voreilige Schlussfolgerungen zu der Bluttat zu unterlassen. Es sei unklar, ob der festgenommene Angreifer allein gehandelt und ob es sich um einen Terrorakt oder eine kriminelle Tat gehandelt habe, hieß es.

Zuvor hatte es aus Sicherheitskreisen in Kairo geheißen, der Täter habe womöglich im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt. Nach Angaben ägyptischer Behörden gab der mutmaßliche Attentäter in ersten Vernehmungen zu, radikalislamische Ideen zu unterstützen. Bei dem Angriff in dem Tourismusort am Roten Meer hatte ein Mann zwei deutsche Frauen erstochen und vier Touristen verletzt.

Der mutmaßliche Täter habe mit den Extremisten über das Internet in Kontakt gestanden und von ihnen den Auftrag erhalten, Ausländer anzugreifen, berichteten mehrere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Informationen aus ägyptischen Sicherheitskreisen. Bei dem Attentäter soll es sich demnach um einen 28 Jahre alten Uni-Absolventen aus dem Norden Ägyptens handeln. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gab es zunächst nicht.

Bislang hat sich noch niemand zu der Tat bekannt. Dem ägyptischen Innenministerium zufolge war der Angreifer am Vortag von einem öffentlich zugänglichen Küstenstreifen aus an den privaten Hotelstrand geschwommen und mit dem Messer auf Touristengruppen losgegangen. Der Angreifer konnte kurz nach der Tat überwältigt und festgenommen werden. Er wurde zu weiteren Vernehmungen nach Kairo gebracht.

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Heimtückischer Überfall: Der Angriff sollte offenbar den ägyptischen Tourismus treffen.

(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Die staatliche ägyptische Nachrichtenseite Al-Ahram meldete unter Berufung auf Nachbarn des Festgenommenen in dessen Heimatort, er habe vor einiger Zeit für sieben Monate in Saudi-Arabien gearbeitet. Der junge Mann sei am Donnerstag nach Hurghada gereist, um dort Arbeit zu finden. Er habe keine Vorstrafen und gehöre keiner politischen oder terroristischen Gruppe an.

"Wir haben traurige Gewissheit"

Sicher ist bislang nur, dass es bei dem Angriff zwei Tote und vier Verletzte gab. Das Auswärtige Amt bestätigte den Tod zweier deutscher Frauen. "Wir haben nunmehr die traurige Gewissheit, dass zwei deutsche Urlauberinnen bei dem Angriff in Hurghada ums Leben gekommen sind", teilte eine Ministeriumssprecherin in Berlin mit. Das Amt geht von einem gezielten Angriff auf Touristen aus: "Nach allem, was wir wissen, sollte die Tat ausländische Touristen treffen - ein besonders hinterhältiger und verbrecherischer Akt, der uns traurig, bestürzt und wütend zurücklässt."

Bei der Messerattacke wurden offenbar auch Badegäste aus Russland und Tschechien verletzt. Die Agentur Interfax berichtete, eine russische Frau sei verletzt worden, und berief sich dabei auf das russische Konsulat. Eine 36 Jahre alte tschechische Touristin erlitt nach Angaben des Außenministeriums in Prag bei dem Messerangriff Schnittverletzungen am Bein und am Rücken. Sie schwebe nicht in Lebensgefahr, hieß es.

"Wir haben den Typen gestoppt"

Dem Manager eines der betroffenen Hotels zufolge wollte der junge Mann nach seinem Angriff auf Badegäste offenbar noch mehr Menschen erstechen. Nach der Flucht von dem Strand habe der Mann auch im benachbarten Hotel "El Palacio" auf Gäste eingestochen, sagte der Manager des Gästehauses, Khaled Taha.

"Wir haben den Typen mit seinem Messer gestoppt", sagte Taha. Daran sei auch Sicherheitspersonal des Hotels beteiligt gewesen. Offenbar schlugen sie den Angreifer nieder: Der Mann war zeitweise bewusstlos gewesen und wurde vom Personal gefesselt. Fotos im Internet zeigten, wie der außer Gefecht gesetzte Angreifer auf einem Karren liegend durch den Garten einer Hotelanlage gezogen wurde. Taha äußerte die Vermutung, dass der Angreifer geistig verwirrt gewesen sei.

Ein Ladenbesitzer wurde vor Ort Zeuge der Tat und sagte, der Mann habe die Frauen auf dem Weg zum Hotel angegriffen. Als Landsleute ihn aufhalten wollten, habe er gerufen, dass sein Angriff nicht auf Ägypter abziele.

Außenminister Sigmar Gabriel erklärte über Twitter: "Ich bin sehr bestürzt über dieses feige Verbrechen. Mein tiefes Beileid den Familien der Ermordeten." Laut einem Bekannten der Toten lebten die Frauen dauerhaft in Hurghada. Er habe die beiden persönlich gekannt, sagte der ehemalige deutsche Honorarkonsul am Ort, Peter-Jürgen Ely, der Deutschen Presse-Agentur. Eine weitere Bekannte von ihm habe die Frauen nach der Tat identifiziert.

Angriff auf den Tourismus

Die Sicherheitsmaßnahmen in Hurghada wurden verschärft. Sicherheitskräfte bewachten die Hotels und Straßen des Urlaubsortes. Bereits im Januar 2016 hatte ein Mann in Hurghada bei einem Messerangriff drei Touristen verletzt. Der Ort ist mit seinen mehr als 250 Hotelanlagen neben Scharm el Scheich das größte ägyptische Touristenzentrum am Roten Meer. Die Ferienregion ist auch bei Deutschen beliebt.

Der Badeort ist vor allem für seine warmen Temperaturen und die faszinierende Unterwasserwelt bekannt, weshalb Hurghada als wichtigstes Ziel für Tauchurlauber am Roten Meer gilt. Für Ägyptens Tourismus bedeutet der Angriff einen neuen Rückschlag. Wegen der Unruhe im Land nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak im Februar 2011 und Terrorangriffen war die Zahl der Urlauber in den vergangenen Jahren bereits deutlich zurückgegangen.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verübt in Ägypten regelmäßig Angriffe, meistens auf Sicherheitskräfte. Die Extremisten übernahmen auch die Verantwortung für den Absturz eines russischen Passagierflugzeugs über dem Sinai im Oktober 2015. Alle 224 Insassen kamen damals ums Leben. Der IS verfügt vor allem im verarmten Nordosten des Landes auf der Sinai-Halbinsel über Rückzugsräume. Auch im Nachbarland Libyen gibt es Gebiete, die unter Kontrolle der radikalislamischen IS-Milizen stehen.

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Quelle: n-tv.de, mmo/wne/AFP/dpa

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