Politik

Bombenanschlag in Bagdad IS ermordet mindestens 119 Menschen

Die Bewohner des Bagdader Viertels Karrada bereiten sich auf das Ende des Ramadan vor, als eine Autobombe explodiert. Der IS verübt damit den in diesem Jahr bisher folgenschwersten Anschlag in der irakischen Hauptstadt.

Die Zahl der Todesopfer des Selbstmordanschlags mitten in Bagdad ist auf mindestens 119 gestiegen. Wie Sicherheitskräfte in der irakischen Hauptstadt mitteilten, wurden außerdem mehr als 140 Menschen verletzt. Zuvor war von mindestens 75 Toten die Rede gewesen. Nach Behördenangaben explodierte in der Nacht eine Autobombe in dem belebten Viertel Karrada, in dem viele Bewohner vor dem Fest zum Ende des Fastenmonats Ramadan ihre Einkäufe erledigen. Zu der Tat bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat.

Die Bombe explodierte nach Angaben eines Sprechers des Innenministeriums in der Nähe eines Restaurants. Mehrere umliegende Geschäfte seien in Flammen aufgegangen. Es ist der bislang blutigste Anschlag in Bagdad in diesem Jahr. Ein weiterer Sprengsatz detonierte auf einem Markt im Schiiten-Viertel Al-Shaab im Norden der irakischen Hauptstadt. Dort wurden Polizeikreisen zufolge mindestens zwei Menschen getötet.

Der IS erklärte laut dem auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierten US-Unternehmen Site, der Selbstmordanschlag habe sich gegen eine Ansammlung von Schiiten gerichtet. Die IS-Miliz verübt immer wieder Anschläge auf Zivilisten in Bagdad und anderen irakischen Städten.

Mindestens vier Gebäude wurden schwer beschädigt und stürzten teilweise ein, darunter auch ein Einkaufszentrum, das das Ziel des Selbstmordanschlags gewesen sein soll. Im Laufe des Sonntags erhöhte sich die Opferzahl, weil Helfer weitere Leichen unter den Trümmern bargen. Ministerpräsident Haider al-Abadi besuchte die Anschlagsorte. Sein Konvoi wurde von wütenden Anwohnern mit Steinen und Flaschen beworfen.

Vergeltung für Falludscha?

Abadi hatte nach der Rückeroberung der IS-Hochburg Falludscha mehr Sicherheit versprochen, allerdings ist kein Rückgang der Anschläge zu beobachten. Der IS versuche nun, die demütigende Niederlage in Falludscha mit weiteren Anschlägen zu vergelten, sagte ein ehemaliger Armee-Offizier in Bagdad. Die Annahme der Regierung, die Attentate seien bislang nur aus einer Gegend gesteuert gewesen, sei ein Fehler. Es gebe Schläferzellen im Land, die ganz unabhängig voneinander agierten.

Nach der Einnahme von Falludscha bringt sich die irakische Armee für den Sturm auf die IS-Hochburg Mossul in Stellung. Mossul ist die größte von den Extremisten kontrollierte Stadt und gilt als faktische Hauptstadt des IS im Irak. Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die Anschläge von Bagdad wie auch den IS-Überfall auf ein Restaurant in Bangladesch mit 28 Toten. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für diese barbarischen, menschenverachtenden Taten. Die internationale Zusammenarbeit müsse weiter intensiviert werden, "um den Terroristen Einhalt zu gebieten", erklärte die Kanzlerin.

2014 hatte der IS die Kontrolle über weite Teile des Landes übernommen, zuletzt aber einige Gebiete wieder verloren. Vor einer Woche eroberte die irakische Armee die Stadt Falludscha westlich von Bagdad zurück.

Quelle: n-tv.de, jog/AFP

Mehr zum Thema