Politik
"Berlusconi ist der Einzige, der was von Unternehmen versteht", sagt ein Anhänger über den Cavaliere.
"Berlusconi ist der Einzige, der was von Unternehmen versteht", sagt ein Anhänger über den Cavaliere.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 28. Februar 2018

Berlusconi will Italien retten: "Ich bin der Einzige, der Stabilität bringt"

Von Andrea Affaticati, Mailand

Der "Cavaliere" verspricht eine Flat Tax, die alle finanziellen und wirtschaftlichen Probleme des Landes lösen wird. Selbst seine Anhänger sind da eher skeptisch. Wählen wollen sie ihn trotzdem.

Trotz der frühen Morgenstunde ist das Mailänder Theater "Manzoni" zum Bersten voll, schließlich hat Silvio Berlusconi persönlich eingeladen. Der Großteil seiner Anhänger ist mittlerweile etwas in die Jahre gekommen; wer jung und unzufrieden ist in Italien, wählt, wenn überhaupt, eher die Fünf-Sterne-Bewegung M5S.

Das hohe Alter des Publikums scheint den 81-Jährigen nicht zu stören. Im Gegenteil, er schätzt die Erfahrung. Sich selbst bezeichnet er als usato sicuro, als "gebraucht, aber sicher" - eine Redewendung, die man normalerweise für Gebrauchtwagen mit Garantie verwendet. Es folgen noch ein paar Witze, dann legt er los.

Berlusconi im Theater "Manzoni" in Mailand.
Berlusconi im Theater "Manzoni" in Mailand.(Foto: REUTERS)

Als er sich 1993 entschlossen habe, in die Politik zu gehen, so erzählt Berlusconi, tat er das, um die "Machtergreifung der Kommunisten" zu verhindern. Heute sei es die Fünf-Sterne-Bewegung, die eine Gefahr für die Demokratie darstelle. "Eine Bewegung, die sich aus Grünschnäbeln ohne die geringste Berufserfahrung zusammensetzt und von einem Komiker geführt wird."

Nach der Wahl am kommenden Sonntag will er das Land wieder auf die Beine bringen. Die amtierende Linksregierung habe ein Desaster angerichtet: "650.000 Illegale, eine Arbeitslosenquote von elf Prozent, eine Jugendarbeitslosenquote von 32,3 Prozent, drei Millionen Italiener, die unter der Armutsgrenze leben, eine Staatsverschuldung, die 130 Prozent des BIP beträgt", all das habe ihn dazu bewogen, sich wieder an die Front zu stellen. Er sei der Einzige, der Stabilität garantieren könne, dies habe man ihm auch in Brüssel gesagt. Ein Lob, das ihn bei seinem Auftritt in Mailand aber nicht davon abhält, die deutsche Sparpolitik und den Euro an den Pranger zu stellen.

Doch Berlusconis Wunderwaffe in diesem Wahlkampf heißt Flat Tax, ein einheitlicher Steuersatz von 23 Prozent für alle, Familien und Unternehmen gleichermaßen. Sogar Nobelpreisträger hätten ihm bestätigt, dass die Flat Tax für die nötigen finanziellen Ressourcen sorgen werde. Denn niedrige Steuern würden den Privatkonsum ankurbeln, die Investitionen fördern, die Produktion steigern, Arbeitsplätze schaffen und die Steuerhinterzieher dazu bringen, ihre Einkünfte offen zu legen. Das alles zusammen werde die Staatskassen schon füllen.

"Das mit der Flat Tax ist Quatsch"

Dass heimische Ökonomen sich höchst kritisch zu diesem Vorhaben äußern, stört den Cavaliere - den "Ritter", wie Berlusconi häufig ironisch genannt wird - nicht. Bis zu 70 Milliarden Euro, so schätzen Experten, würde Berlusconis Plan den Staat kosten. Seine Anhänger lassen sich von solchen Zahlen nicht irritieren. Auch Mario Stella nicht, einen 50-Jährigen, der ins "Manzoni" gekommen ist, um Berlusconi zu sehen. "Das mit der Flat Tax ist Quatsch, die kommt niemals", sagt Stella. "Aber Berlusconi ist der Einzige, der was von Unternehmen versteht." Die jetzige Regierung habe das Land "südamerikanisiert", meint Stella. Er selbst hatte früher eine Druckerei, jetzt verdient er sein Geld als Immobilienmakler. "Die Mittelschicht ist immer ärmer geworden und die wenigen Reichen immer reicher. Heute verkauft sich eine Wohnung, die rund zwei Millionen Euro kostet, leichter als eine für 300.000 Euro."

Giovanna, ebenfalls mittleren Alters, hat eine kleine Konditorei in einem zentralen Mailänder Viertel. Auch sie vertraut Berlusconi. Details des Flat-Tax-Plans interessieren sie nicht. "Ich weiß nur, dass wir unter seiner Regierung weniger Steuern gezahlt haben als heute." Die niedrigeren Steuern, die er verspricht, sind aber nicht der einzige Grund, warum sie ihn wählt. "Natürlich haben wir ein Einwanderungsproblem, aber mir machen die Hasstiraden des Lega-Nord-Chefs Angst. Ich will auf keinen Fall Matteo Salvini als Premier."

Die jüngsten Umfragen sind knapp zwei Wochen alt, seither dürfen keine mehr erhoben werden. Berlusconis Partei Forza Italia kann demnach mit 16 bis 18 Prozent rechnen. Das wäre zwar nur der dritte Platz: Die Sozialdemokraten kommen auf 21 bis 24 Prozent, während die M5S bei 25 bis 28 Prozent steht. Aber das Mitte-Rechts-Lager insgesamt hat mit 37 bis 38 Prozent die Nase deutlich vorn.

Berlusconi schwört, es werde keine Große Koalition mit den Sozialdemokraten geben, sollte das Wahlergebnis keine eindeutige Mehrheit bescheren. Dann müsse halt noch einmal gewählt werden. Doch es könnte auch anders kommen. Entscheidend dürfte sein, wer im Mitte-Rechts-Bündnis die stärkste Kraft wird, Forza Italia oder Lega Nord. In den Umfragen lag Salvinis Partei zuletzt bei 13 bis 15 Prozent. Schafft Berlusconi Platz drei, könnte er doch geneigt sein, den Bund mit der Lega und der postfaschistischen Rechtspartei Fratelli d'Italia aufzulösen, um die Sozialdemokraten mit an Bord zu ziehen. Zumindest einige seiner Anhänger würden ihm vermutlich auch das verzeihen.

Quelle: n-tv.de