Grünen-Chef Banaszak bei Atalay"Ich fand es legitim, dass sie diesen Clip gepostet hat"
In einem acht Jahre alten Video schwärmt der baden-württembergische CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel von einer 16-jährigen Schülerin mit „rehbraunen Augen“. Die Union bezeichnet dies als Schmutzkampagne, nun verteidigt der Grünen-Parteichef das Posten dieses Videos durch eine Grünen-Abgeordnete.
Manche sprechen davon, dass Manuel Hagel erst durch dieses Video ins Hintertreffen geraten sei. Das habe ihn einige Zehntel gekostet und so nur Platz zwei hinter dem Grünen Cem Özdemir bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg beschert. Philosoph und Autor Richard David Precht kritisiert in der ntv-Sendung "Pinar Atalay" die Veröffentlichung dieses Videos scharf. Man habe CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel Sexismus unterstellt und die "Sache wahnsinnig aufgebauscht". Das Video sei von einer Grünen-Bundestagsabgeordneten gekommen. "Das hätten Sie, wenn Sie es gewusst hätten, unterbunden, oder?“, fragte er Grünen-Parteichef Felix Banaszak in der Sendung.
Banaszak beteuert, vor der Veröffentlichung nichts von dem Video gewusst zu haben. Auf die Frage, ob er es ansonsten verhindert hätte, sagte er: "Das weiß ich nicht. Ich will das ganz offen sagen, weil ich die Verschiebung der Debatte an der Stelle ehrlicherweise nicht verstehe. Das ist eine Kollegin von mir, die hat selbst mit 14, 15 angefangen, Politik zu machen, und hat ganz häufig die Erfahrung gemacht, dass ältere Männer, vermutlich auch aus meiner Partei, sich unangemessen, übergriffig ihr gegenüber verhalten haben."
Für Precht hat die Veröffentlichung "mit Sicherheit mehr als den Abstand zwischen Grünen und CDU gekostet". Banaszak zeigte sich dagegen "ein bisschen irritiert davon, dass das Posten dieses Ausschnitts tatsächlich intensiver diskutiert wird als der Ausschnitt selbst". Es sei eine "Verschiebung der Debatte", dass sich wieder einmal eine junge Frau rechtfertigen müsse, so etwas veröffentlicht zu haben. "Ich fand es legitim, dass sie diesen Clip gepostet hat", sagte Banaszak.
Mit Blick auf das Wahlergebnis bezeichnete er den Vorschlag von CDU-Fraktionschef Jens Spahn, angesichts der Sitzgleichheit im Landtag die Amtszeit des Ministerpräsidenten zu teilen, als "Quatsch" - wie zuvor bereits Özdemir. "Bei Wahlen gewinnt man entweder oder man verliert. Und irgendeiner ist vorne. Und 0,5 Prozentpunkte sind 0,5 Prozentpunkte."
Auch ein Blick in die Geschichtsbücher würde zeigen, so etwas hat es auch bei knappen Ergebnissen nicht gegeben. "Gerhard Schröder hat mal mit noch weniger vor Edmund Stoiber gewonnen", sagte er weiter. "Und da hat auch niemand ins Spiel gebracht, dass Edmund Stoiber doch auch nach zwei Jahren die Bundesregierung übernehmen könnte." Bei der Bundestagswahl hatten SPD und Union jeweils 28,5 Prozent der Stimmen geholt. Allerdings hatte die SPD anschließend trotzdem drei Bundestagsmandate mehr.
In den nächsten Tagen nun "müssen Grüne und Union ein Verhältnis zueinander entwickeln", sagte Banaszak weiter. Er unterstütze Özdemir, der angekündigt hat, die "auf Augenhöhe" mit der CDU zu machen. Eine Regierung funktioniere nur gut, "wenn beide Partner sich darin auch wiederfinden". Und so sollen die Ministerien nach Inhalten verteilt werden.
Der ntv Talk "Pinar Atalay" läuft montags alle 14 Tage im Wechsel mit "Blome & Pfeffer" um 20.15 Uhr und um 23.30 Uhr bei ntv. Sie können die Sendung auch auf dem Streamingportal RTL+ schauen.
