Politik
Im Mai war Bürgermeister Hollstein mit dem Nationalen Integrationspreis geehrt worden.
Im Mai war Bürgermeister Hollstein mit dem Nationalen Integrationspreis geehrt worden.(Foto: picture alliance / Michael Kappe)
Dienstag, 28. November 2017

Angriff auf Bürgermeister: "Ich stech dich ab"

Unvermittelt wird der Bürgermeister von Altena in einem Imbiss attackiert und verletzt. Nun geben die Ermittler erste Erkenntnisse über den Angreifer und den Tatablauf bekannt. Dabei wird deutlich: Das Opfer hatte viel Glück.

Die Attacke auf den Altenaer Bürgermeister Andreas Hollstein ist nach Ansicht der Ermittler eine Spontantat und nicht geplant gewesen. Gegen den 56-jährigen Verdächtigen werde wegen versuchten Mordes ermittelt, teilte Staatsanwaltschaft Gerhard Pauli mit. Als Motiv nannten die Ermittler fremdenfeindliche Motive. Der Mann war noch am Tatort überwältigt und festgenommen worden. Der attackierte Bürgermeister erlitt nur eine leichte Verletzung am Hals. Bei der Tatwaffe handelt es sich um ein "landläufiges Küchenmesser" mit einer Klingenlänge von 22 Zentimeter. Dies habe der Angreifer in einem Rucksack gehabt.

Der Tatverdächtigen ist den Angaben zufolge deutsche Staatsbürger. Dieser habe sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Derzeit wird er einem Haftrichter vorgeführt. Zur Tatzeit hatte der Mann einen Atemalkoholwert von 1,1 bis 1,2 Promille. Zudem hat er psychische Probleme. Gravierend polizeilich in Erscheinung getreten sei er bislang nicht.

Den bisherigen Erkenntnissen zufolge war der spätere Täter am gestrigen Abend im Imbiss eingetroffen, als Hollstein dort auf eine Bestellung wartete. Der Mann habe interessiert das Gespräch Hollsteins mit dem Imbissbetreiber über Politik verfolgt. Irgendwann habe er sich dann nach Hollsteins Identität erkundigt und diesen dann zunächst verbal attackiert. "Du drehst mir mein Wasser ab und bist Schuld, dass ich nichts zu saufen bekomme", soll er den Ermittlern zufolge gesagt haben.

Hollstein hatte erzählt, der Täter habe ihn in dem Imbiss vor dem Messerangriff gesagt: "Sie lassen mich verdursten und holen 200 Flüchtlinge nach Altena." Mit den Worten "Ich stech dich ab" hat er dann dem Bürgermeister von hinten an den Hals  gegriffen und das Messer angesetzt. Hollstein, Der Imbisbetreiber sowie dessen Vater rangen den Angreifer dann nieder. Dabei wurden Hollstein am Hals und ein Helfer an der Hand verletzt.

Reker "tief erschüttert"

Hollstein ist Opfer geworden, weil er durch besonderes Engagement durch Aufnahme von Flüchtlingen in Erscheinung getreten sei. Altena war im Mai mit dem nationalen Integrationspreis für sein Engagement in der Flüchtlingspolitik ausgezeichnet worden. Die Messerattacke auf den Bürgermeister von Altena erinnert an das Attentat auf die heutige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). Die damalige OB-Kandidatin Reker war am 17. Oktober 2015 im Wahlkampf wegen ihrer liberalen Flüchtlingspolitik von einen Messerstecher angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden. Der Täter wurde im Juli 2016 zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Reker zeigte sich in einer Stellungnahme "tief erschüttert" von dem Attentat auf Hollstein. "Ich bin sehr erleichtert, dass er das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen konnte", erklärte sie in Köln. "Ich hoffe sehr, dass Andreas Hollstein dieses schlimme Ereignis schnell verarbeiten kann und ihn das Geschehen nicht dauerhaft verunsichert."

Reker fügte hinzu, sie wisse selbst, dass dies "eine Kraftanstrengung" sei. "Aber man darf sich seine Identität und sein Engagement nicht nehmen lassen". Ein solches Attentat verändere das Leben, erklärte die Oberbürgermeisterin. "Aber es darf nicht unser Verhalten ändern. Wir müssen uns weiterhin mit Offenheit und Stärke unseren Aufgaben stellen - denn Hass und Gewalt sind keine Lösung, sie sind das Problem."

Quelle: n-tv.de