Politik
Waffenschau am Golf: Eine Rakete vom Typ "Qader" kurz nach dem Start.
Waffenschau am Golf: Eine Rakete vom Typ "Qader" kurz nach dem Start.(Foto: Reuters)
Montag, 02. Januar 2012

USA blockieren iranische Zentralbank: Iran feuert "Qader" und "Nasr" ab

Die waffenstarrenden Machtspiele rund um das iranische Atomprogramm gehen in die nächste Runde: Washington versucht, den Iran per Gesetz aus dem Rohstoffhandel zu drängen. Teheran setzt die provokanten Raketentestes an der viel befahrenen Seestraße von Hormus fort. Scharfe Worte begleiten den Abschuss einer neuartigen Mittelstreckenwaffe.

Der Iran hat während seines Manövers im Golf nach eigenen Angaben erfolgreich zwei Langstreckenraketen getestet. Die Rakete vom Typ "Qader" sei wie geplant abgefeuert worden und habe vorher festgelegte Ziele im Golf zerstört, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Irna den stellvertretenden Marine-Befehlshaber Mahmud Mussawi. Internationale Militärexperten stufen das getestete Geschoss als Mittelstreckenrakete ein. Im Westen ist das Modell aufgrund von Übersetzungsvarianten auch unter den Namen "Kader" oder "Ghadr" bekannt.

Abschuss einer Nasr-Rakete.
Abschuss einer Nasr-Rakete.(Foto: dpa)

Technisch basiert die Rakete nach Einschätzung westlicher Beobachter im Kern auf dem Modell "Shabab 3", die wiederum auf den grundlegenden Konstruktionsmerkmalen der nordkoreanischen "Nodong" aufbaut. Neu an "Kader" ist demnach die höhere Reichweite und vor allem eine verbesserte Zielgenauigkeit. Die Rakete kann verschiedenen Angaben zufolge bis zu 3000 Kilometer weit fliegen. Diese Entfernung reicht nicht nur aus, um sämtliche Metropolen und US-Militärbasen in der gesamten Golfregion zu bedrohen. In der Reichweite iranischer Waffen liegen damit theoretisch auch Staaten wie Saudi-Arabien, Irak, Afghanistan, Pakistan und auch Israel.

Auch die Boden-Boden-Rakete vom Typ "Nasr" sei erfolgreich abgeschossen worden, erklärte der Mussawi. Bereits am Vortag hatten iranische Streitkräfte neue Mittelstreckenraketen getestet. Zum Abschluss des Manövers kündigte Mussawi noch zwei weitere Tests an.

Die iranische Militärübung unweit der Straße von Hormus hatte international Besorgnis ausgelöst. Die Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen waren zuletzt deutlich gestiegen, weil Teheran damit gedroht hatte, im Fall von Sanktionen gegen seine Ölexporte die strategisch wichtige Meerenge von Hormus zu sperren. Der Seeweg ist eine der weltweit wichtigsten Ölhandelsrouten.

Washington blockt iranischen Ölhandel

Am letzten Tag des abgelaufenen Jahres hatte US-Präsident Barack Obama ungeachtet dessen neue Sanktionen gegen die iranische Zentralbank und den Finanzsektor in Kraft gesetzt. Obama unterzeichnete ein Gesetz über den Militärhaushalt, das Maßnahmen gegen die iranische Zentralbank vorsieht. Der Schritt übt erheblichen Druck auf den Iran aus: Teheran wickelt seine Ölgeschäfte über die Zentralbank ab. Die USA sowie mehrere EU-Staaten wollen nach den Öl-, Gas- und Petrochemie-Branchen auch die iranischen Ölexporte mit Strafmaßnahmen belegen.

Kommentare zum Manöver: Admiral Mussawi erklärt die Fähigkeiten seiner Waffen im iranischen Fernsehen.
Kommentare zum Manöver: Admiral Mussawi erklärt die Fähigkeiten seiner Waffen im iranischen Fernsehen.(Foto: Reuters)

"Solche Sanktionen sind fruchtlos und nicht zu rechtfertigen, denn sie schaden alle Seiten und machen das globale Bankensystem noch zerbrechlicher", erklärte noch am Neujahrstag Mohammad Nahavandian, der Leiter der Iranischen Handelskammer. "In der Vergangenheit haben Sanktionen den iranischen Handel nicht unterbrechen können und auch in diesem Fall wird der Iran andere Wege finden, um seinen Bedarf zu decken", sagte er. Das neue Gesetz wendet sich an alle ausländischen Unternehmen und Banken, die mit der Zentralbank Geschäfte machen. Ziel ist es, Teheran mit Druck zur Aufgabe der Urananreicherung zu bewegen.

Scharfe Proteste aus Teheran

Obama ist selbst gegen die Sanktionen, weil er eine starke Verteuerung des Erdöls und negative Folgen für die amerikanische Wirtschaft befürchtet. Er kann von den Sanktionen absehen, wenn sie aus seiner Sicht US-Sicherheitsinteressen zuwiderlaufen.

Nahavandian rief die europäischen Länder auf, den USA nicht zu folgen und lieber politische Konflikte mit Verhandlungen beizulegen. Die EU will noch im Januar über neue Sanktionen befinden, um den Iran im Streit um sein umstrittenes Atomprogramm zum Nachgeben zu bewegen.

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Quelle: n-tv.de