Politik

"Operation Märtyrer Soleimani" Iran greift US-Truppen im Irak an

Nach dem tödlichen Drohnenangriff auf einen iranischen General im Irak schwört Teheran den USA "schwere Rache". Nun feuert der Iran Raketen auf irakische Militärstützpunkte mit US-Soldaten. Todesopfer soll es nicht geben, die Soldaten wurden offenbar gewarnt. US-Präsident Trump reagiert - via Twitter.

Ein iranischer Vergeltungsangriff auf US-Soldaten im Irak schürt die Angst vor einer weiteren Eskalation und einem möglichen neuen Krieg im Nahen Osten. Die vom US-Verteidigungsministerium bestätigten Attacken auf die amerikanisch genutzten Militärstützpunkte Ain al-Assad und eine Basis in der nördlichen Stadt Erbil gelten als Revanche für die Tötung des iranischen Top-Generals Ghassem Soleimani durch einen US-Luftangriff.

Laut eines Medienberichts wurden die im Irak stationierten US-Soldaten vor dem Raketenangriff gewarnt. Dank eines frühzeitigen Alarms hätten diejenigen im Gefahrenbereich Zeit gehabt, sich in Schutzbunkern in Sicherheit zu bringen, berichtete CNN unter Berufung auf einen Angehörigen des US-Militärs. Das irakische Militär teilt mit, es gebe keine Opfer unter den heimischen Truppen. Unklar war zunächst, ob es auch keine Verletzten gab. Das Innenministerium der kurdischen Autonomieregierung in der nordirakischen Stadt Erbil erklärte, es habe bei der Bombardierung des dortigen amerikanischen Stützpunktes weder "menschliche Verluste" noch Schäden gegeben.

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Nach einem Bericht des iranischen Staatsfernsehens starben bei dem Angriff 80 Menschen. Das Fernsehen spricht von getöteten "amerikanischen Terroristen". Außerdem seien Hubschrauber und militärische Ausrüstung des US-Militärs schwer beschädigt worden. Insgesamt seien 15 iranische Raketen auf US-Ziele abgeschossen worden. Keine davon sei abgefangen worden.

US-Präsident Donald Trump twitterte: "Alles ist gut!" Derzeit würden mögliche Opfer und Schäden bewertet. "So weit so gut!", fügte Trump hinzu. "Wir haben das stärkste und am besten ausgestattete Militär überall auf der Welt, bei Weitem!" Zuvor waren im Weißen Haus die wichtigsten Minister von Trump zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Trump hatte Teheran am Dienstag - vor den Attacken - für den Fall eines Angriffs mit "sehr starken" Konsequenzen gedroht.

Teheran: "Akt der Selbstverteidigung"

Irakische Sicherheitskreise bestätigten,dass auf dem Luftwaffenstützpunkt Ain al-Assad mehrere Raketen eingeschlagen seien. Zudem seien Explosionen zu hören gewesen. Im Irak sind rund 5000 US-Soldaten stationiert, die ein internationales Militärbündnis zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anführen. "Wir arbeiten an ersten Einschätzungen der Schäden", erklärte das Pentagon nach den Angriffen. Zu möglichen Opfern machte das US-Militär zunächst keine Angaben. "Diese Stützpunkte sind wegen Hinweisen auf geplante Angriffe des iranischen Regimes auf unsere Truppen und Interessen in der Region in hoher Alarmbereitschaft gewesen", hieß es aus Washington.

Die vergangene Nacht sei ein "Schlag ins Gesicht" der USA gewesen, sagt das geistliche und staatliche Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei. Die US-Truppen müssten die Region verlassen. Ihre Präsenz sei die Quelle von Korruption. "Die USA sind der Feind des Irans."

Die iranische Regierung bezeichnete die Raketenangriffe als rechtmäßigen "Akt der Selbstverteidigung". "Wir streben nicht nach einer Eskalation oder Krieg, aber wir werden uns gegen jede Aggression verteidigen", so Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in einer Regierungsstellungnahme. Der Iran habe "verhältnismäßige Maßnahmen zur Selbstverteidigung ergriffen und abgeschlossen". Sarif bezog sich dabei auf Artikel 51 der UN-Charta. Dieser beschreibt das Recht auf Selbstverteidigung im Falle eines bewaffneten Angriffs auf ein Mitgliedsland der Vereinten Nationen.

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, bei der "Operation Märtyrer Soleimani" sei der mit 35 Raketen attackierte Luftwaffenstützpunkt Ain al-Assad "vollständig zerstört" worden. Der Angriff mit ballistischen Boden-Boden-Raketen auf die "von den Amerikanern besetzte" Basis sei "in jeder Hinsicht ein voller Erfolg".

Drohung gegen US-Verbündete

Zwar hatten örtliche schiitische Milizen, die vom Iran unterstützt werden, die US-Stützpunkte im Irak zuletzt häufiger mit technisch einfacheren Raketen angegriffen. Ein direkter Angriff aus dem Iran markiert jedoch eine neue Eskalationsstufe im Konflikt zwischen den USA und dem Iran.

Die Revolutionsgarden warnten direkt nach den Attacken den "großen Satan" USA vor Gegenangriffen. Jede US-Reaktion werde mit einer härteren Reaktion erwidert, teilte die Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte mit. Außerdem sollten die Verbündeten der USA wissen, dass auch ihre den Amerikanern zur Verfügung gestellten Stützpunkte Ziel iranischer Angriffe werden könnten, falls von dort aus Angriffe auf den Iran erfolgen sollten, hieß es weiter. Die USA sollten ihre Truppen abziehen, damit deren Leben nicht gefährdet werde.

Das iranische Militär drohte zudem mit Attacken auf Israel, wenn es US-Vergeltungsaktionen geben sollte. "Falls die Amerikaner eine Dummheit begehen, gerät das gesamte Territorium des zionistischen Regimes (Israel) in Gefahr", sagte General Sanei Rad, der auch Berater des obersten iranischen Führers ist, dem Nachrichtenportal Irib.news. Die Armee fordert erneut den Abzug der US-Truppen aus dem Nahen Osten. "Jetzt, da sie unsere Macht erkannt haben, ist es Zeit für die Vereinigten Staaten, ihre Soldaten aus dem Nahen Osten abzuziehen", sagt Generalstabschef Mohammad Bakeri im iranischen Staatsfernsehen.

In Erbil sind auch deutsche Bundeswehrsoldaten stationiert. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos sagte, den Soldaten im Norden gehe es gut. Im Zentralirak sind nach dem jüngsten Abzug keine deutschen Soldaten mehr stationiert. Nach polnisches Angaben wurden bei dem Angriff keine im Irak stationierten Soldaten des Landes verletzt. Auch Dänemark und Norwegen teilten mit, das keine eigenen Soldaten verletzt worden seien.

Nach dem Angriff ist auch die australische Regierung alarmiert. Premierminister Scott Morrison wies den Chef der Streitkräfte an, alles Nötige zu tun, um das dortige Militär und diplomatisches Personal zu schützen und zu verteidigen. Australien ist einer der wichtigsten Verbündeten der USA. Das Land beobachtet die Entwicklung im Irak laut Morrison sehr genau. Die australischen Truppen seien nahe den Angriffszielen stationiert, aber alles Personal sei in Sicherheit, sagte der Premierminister.

Soleimani war in der Nacht zum Freitag von US-Drohnen in der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet worden. Washington erklärte danach, der Chef der Al-Kuds-Einheiten habe Angriffe auf US-Bürger geplant. Soleimani war der wichtigste Vertreter des iranischen Militärs im Ausland. Er galt als Architekt der iranischen Militärstrategie in den Nachbarländern. Im Iran wird er nun als Märtyrer verehrt.

Quelle: ntv.de, mli/bad/AFP/dpa/rts