Vergeltungsschläge "rechtmäßig"Irans UN-Botschafter warnt Trump vor Einmischung bei Chamenei-Nachfolge

Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei pocht US-Präsident Donald Trump auf Mitsprache bei der Nachfolgeregelung. Irans UN-Botschafter kritisiert dies als Verstoß gegen die UN-Charta. Die Wahl folge einem "verfassungsrechtlichen Verfahren".
Der iranische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Amir Saeid Iravani, hat eine Einmischung von US-Präsident Donald Trump in die inneren Angelegenheiten des Iran angeprangert und diese scharf verurteilt. Trumps Äußerungen seien "ein klarer Verstoß gegen die Grundsätze der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten von Staaten", welche in der UN-Charta verankert sind, sagt Iravani in New York mit Blick auf die Forderung Trumps, bei der Nachfolge des getöteten obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei mitzureden.
Trump hatte zuvor erklärt, er wolle bei der Ernennung eines Nachfolgers des bei den US-israelischen Angriffen vor einer Woche getöteten Chamenei beteiligt sein. "Ich muss in die Ernennung eingebunden sein", zitiert die Plattform Axios den US-Präsidenten am Donnerstag. Iravani erklärt daraufhin: "Der Iran ist ein souveräner und unabhängiger Staat. Er akzeptiert keine Einmischung ausländischer Mächte in seine inneren Angelegenheiten und wird dies auch niemals akzeptieren."
Die Wahl von Chameneis Nachfolger werde "streng nach unseren verfassungsrechtlichen Verfahren und ausschließlich nach dem Willen des iranischen Volkes ohne jegliche Einmischung aus dem Ausland erfolgen", fügt der UN-Botschafter hinzu. Israel hatte am Samstag vor einer Woche gemeinsam mit den USA massive Luftangriffe auf den Iran begonnen und dabei Chamenei sowie weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion. Unter anderem aus Kuwait, Bahrain, Katar und Saudi-Arabien wurden iranische Angriffe gemeldet. Auch Jordanien und der Irak wurden angegriffen.
Iravani bekräftigt, die Vergeltungsschläge seines Landes seien "rechtmäßig und verhältnismäßig". Mit Blick auf Vorwürfe mutmaßlicher Angriffe auf nicht-militärische Ziele erklärt Iravani, die Untersuchungen dazu dauerten an. Erste Hinweise deuteten darauf hin, dass "einige dieser Vorfälle möglicherweise auf die Abfangmaßnahmen oder Störungen durch das Verteidigungssystem der USA zurückzuführen sind". Dadurch seien die iranischen Raketen möglicherweise von ihren eigentlichen militärischen Zielen abgelenkt worden.