Politik
Freitag, 31. Juli 2009

Tod wirft viele Fragen auf: Islamistenführer getötet

Am Donnerstagabend hatte die nigerianische Polizei stolz die Festnahme des Islamistenführers Mohamed Yusuf bekannt gegeben. Der 39-Jährige habe sich im Ziegenstall seiner Schwiegereltern versteckt, in der Hoffnung, der seit Montag anhaltenden Belagerung von Polizei und Armee entkommen zu können. Seine Festnahme galt als entscheidender Erfolg in der seit Tagen andauernden Auseinandersetzung mit den Islamisten.

Sektenmitglieder nach ihrer Verhaftung am 27. Juli in Kano.
Sektenmitglieder nach ihrer Verhaftung am 27. Juli in Kano.(Foto: REUTERS)

Wenige Stunden später war der Führer einer radikalislamischen Sekte tot, getötet im Kugelhagel der Sicherheitskräfte, angeblich während eines Fluchtversuchs. Der Tod im Polizeigewahrsam wirft viele Fragen auf, nicht nur bei den Menschenrechtsorganisationen, die den nigerianischen Sicherheitsbehörden schon in der Vergangenheit wiederholt den willkürlichen Einsatz von Gewalt vorgeworfen haben. Informationsministerin Dora Akunyili kündigte eine genaue Untersuchung des Geschehens an.

Höhepunkt einer blutigen Auseinandersetzung

Das blutige Ende von Mohamed Yusuf ist der vorläufige Höhepunkt einer nicht minder blutigen Auseinandersetzung zwischen den Sicherheitsbehörden des westafrikanischen Landes und der von Yusuf geleiteten Sekte Boko Haram. Die Gewalttätigkeiten begannen nach den Überfall von Sektenmitgliedern auf ein Polizeirevier in Bauchi in Nordostnigeria. Wenig später kam es zu ähnlichen Überfällen in insgesamt fünf anderen Bundesstaaten im islamischen Norden Nigerias, so auch in Maiduguri, dem Wohnort Yusufs.

Seit Montag herrschte in dem Stadtteil, in dem sich das Hauptquartier der Sekte und selbst ernannten "Taliban" befand, Belagerungszustand. Rund tausend Mann sollten sich dort versammelt haben, 250 Kämpfer alleine um Yusufs Wohnhaus. Die Armee flog mehr als tausend zusätzliche Soldaten für die Konfrontation mit den Islamisten ein. Staatspräsident Umaru Yar'Adua, selbst ein Muslim, forderte ein hartes Vorgehen gegen die Sekte, die westliche Werte ablehnt und gewaltsam die Einführung islamischen Rechts (Scharia) in ganz Nigeria durchsetzen will.

Mehr als 300 Tote in einer Woche

Nach offiziellen Angaben wurden in den einwöchigen Kämpfen mehr als 300 Menschen getötet - Augenzeugenberichte lassen jedoch auf eine noch wesentlich höhere Zahl schließen. In einigen Medien ist von rund 600 Toten die Rede. Die Straßen der Stadt seien voller Leiche, berichtete ein Reporter der Zeitung "This Day". "Es herrscht ein unglaublicher Gestank", beschrieb er den allgegenwärtigen Leichengeruch.

Unklar ist, wie viele Islamisten nach dem Sturm der Armee entkommen konnten und nun womöglich den Tod ihres Führers rächen wollen. Die nigerianische Führung und die Sicherheitsbehörden sehen die Gefahr durch radikalislamische Strömungen offenbar nicht als gebannt an.

Kein Platz für Fanatiker

Yar'Adua, derzeit auf Staatsbesuch in Brasilien, nahm von Südamerika aus Kontakt mit allen Gouverneuren der nördlichen Bundesstaaten auf, um sie auf einen harten Kurs gegen die Islamisten einzuschwören. Sie sollten vor allem den Kontakt zu geistlichen Führern suchen, damit die nigerianischen Muslime bereits beim Freitagsgebet in den Moscheen vor einer Solidarisierung mit den Islamisten gewarnt würden. "Der Islam steht für Liebe und Frieden zwischen Muslimen und Nichtgläubigen", zitierte Präsidentensprecher Olusegun Adeniyi das Staatsoberhaupt. Für die Fanatiker sei da kein Platz.

Quelle: n-tv.de