Politik

W20-Konferenz in Berlin Ivanka Trump verteidigt ihren Vater

3174fa84faeb698a646d5ea5b6f7b62f.jpg

An der internationalen W20-Konferenz nahm neben Kanzlerin Angela Merkel (r.) und der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde (m.), auch Ivanka Trump (l.) an der Diskussion teil.

(Foto: AP)

Auf dem Podium der internationalen W20-Frauenkonferenz sitzen neben der Kanzlerin eine Königin, die IWF-Chefin und viele andere. "First Daughter" Ivanka Trump ist ebenfalls Mitglied der Diskussion - und muss als erstes ihren Vater in Schutz nehmen.

Bei ihrem ersten Besuch in Berlin als offizielle Beraterin ihres Vaters, muss Ivanka Trump ihren Vater gegen den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit in Schutz nehmen. Ihren Versuch, den Präsidenten als Vorkämpfer für Frauenrechte zu präsentieren, quittiert das Publikum mit höhnischem Gelächter.

Der US-Präsident sei "fest davon überzeugt, dass Frauen das Potenzial und das Können besitzen, den Job genauso gut wie Männer zu erledigen", sagte Ivanka Trump auf der internationalen W20-Konferenz zur Stärkung von Frauen in der Arbeitswelt. "Die tausenden von Frauen, die über Jahrzehnte im Privatsektor für meinen Vater gearbeitet haben, legen davon Zeugnis ab."

Im US-Wahlkampf hatten mehrere Frauen Belästigungsvorwürfe gegen Donald Trump erhoben. Zudem war ein Videomitschnitt mit abfälligen Äußerungen Trumps über Frauen aufgetaucht. Moderatorin Miriam Meckel hatte den Gast aus Washington auf die Kritik am Umgang ihres Vaters mit Frauen angesprochen.

"Werde Ratschläge zu meinem Vater bringen"

Trump entgegnete, dass ihr diese Kritik bekannt sei. Aus persönlicher Erfahrung könne sie aber sagen, dass ihr Vater ein "enormer Unterstützer" der Stärkung von Frauen und Familien sei. Die Tochter des Präsidenten selbst kritisierte, dass die USA als einziges Land keine gesetzliche Regelung zum bezahlten Mutterschutz haben. Zudem räumte sie Defizite bei den Angeboten zur Kinderbetreuung ein. Ihr Vater wolle dies als Präsident ändern, beteuerte sie.

Ziel ihres Besuchs in Berlin als Tochter und Beraterin des Präsidenten sei es, "zuzuhören und zu lernen und Rat zu suchen", sagte sie. "Ich werde Wissen und Ratschläge zurück in die USA und zu meinem Vater bringen." Donald Trump hatte ihr per Twitter eine Botschaft mit auf den Weg gegeben: Er sei "stolz" auf die Berlin-Mission seiner Tochter.

Das Weiße Haus hatte im Vorfeld mitgeteilt, dass Ivanka Trump auf "direkte Einladung" der Kanzlerin nach Berlin reise. Vizeregierungssprecher Georg Streiter stellte klar, dass Trump auf Einladung des Verbands deutscher Unternehmerinnen komme - dass diese Einladung aber auf einen "Wink" der Bundesregierung erfolgt sei.

Berlin äußert Kritik

Die Idee zu Ivanka Trumps Visite entstand bei Merkels Washington-Besuch im März. Dort hatte die Kanzlerin erstmals die Tochter des Präsidenten getroffen, der großer Einfluss auf die Politik im Weißen Haus nachgesagt wird. Präsident Trump ernannte die 35-Jährige kürzlich offiziell zu seiner Beraterin, sie hat ein eigenes Büro im Weißen Haus. Auch ihr Mann Jared Kushner wirkt als Präsidentenberater im Weißen Haus.

Der offizielle Besuch der Präsidententochter stieß in Berlin auch auf Kritik. "Bin ich der einzige, der es völlig absurd findet, dass die Bundeskanzlerin jetzt Außenpolitik mit der Tochter von Donald Trump macht?", twitterte der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil. Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig betonte angesichts des großen Interesses an Ivanka Trump, dass diese nur ein Gast unter vielen auf der W20-Konferenz sei.

Women20 ist Teil des Dialogprozesses der G20 - der Runde der führenden Industrie- und Schwellenländer. Das W20-Format bringt regelmäßig Vertreterinnen von Wirtschaft, Verbänden und Politik zusammen. Sie beraten darüber, wie die wirtschaftliche Lage von Frauen und ihre Stellung am Arbeitsmarkt verbessert werden kann und wie ihnen Wege ins Unternehmertum eröffnet werden können. Deutschland hat in diesem Jahr die G20-Präsidentschaft inne und richtet im Sommer den G20-Gipfel aus.

Neben Merkel und Trump nahmen an der Podiumsdiskussion unter anderem die niederländische Königin Maxima, die kanadische Handelsministerin Chrystia Freeland und die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, teil. Das Besuchsprogramm von Ivanka Trump sah für Dienstag noch einen Besuch bei der Technikakademie von Siemens und am Holocaust-Mahnmal vor.

Quelle: ntv.de, vck/dpa/AFP