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Mexikos mächtigster DrogenbossSo kamen die Behörden "El Mencho" auf die Spur

23.02.2026, 18:29 Uhr WZ-Reporter-Janis-peitsch-am-18-Oktober-2017Von Janis Peitsch
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Nach der Tötung von "El Mencho" setzten Bewaffnete in vielen Landesteilen Geschäfte und Fahrzeuge in Brand. (Foto: Getty Images)

Am Wochenende stirbt der mexikanische Drogenboss "El Mencho" bei einer Militäroperation. Der 59-Jährige hinterlässt in seinem Kartell Jalisco Nueva Generación eine Lücke. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Der Tod des Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes alias "El Mencho" bei einem Militäreinsatz hat in weiten Teilen Mexikos Gewalt ausgelöst. Das von ihm gegründete Drogenkartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) blockierte in Jalisco sowie in einigen anderen Bundesstaaten Straßen und zündete Fahrzeuge an. Bewaffnete Männer steckten außerdem Geschäfte in Brand und versetzten die Bevölkerung in Angst. Die heftige Reaktion auf "El Menchos" Tötung macht deutlich, wie weit der Arm seines Kartells reicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Aktivitäten des CJNG und den Auswirkungen von "El Menchos" Tod:

Wer war "El Mencho"?

Cervantes wurde am 17. Juli 1966 in Aguililla, einer armen Gemeinde im westlichen Bundesstaat Michoacán, geboren. Als junger Mann emigrierte er in die USA. Nach einer Gefängnisstrafe wegen Heroinhandels wurde er nach Mexiko abgeschoben, wo er zunächst als Polizist arbeitete. Dann machte er Karriere als Auftragsmörder für eine Fraktion des Sinaloa-Kartells. Später gründete er das Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) als bewaffneten Flügel des Sinaloa-Kartells. Doch das Bündnis zerbrach. In der mexikanischen Unterwelt wurde "El Mencho" wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe der "Herr der Hähne" genannt. Zahlreiche Narco-Lieder, "Narcocorridos" genannt, feiern seine kriminellen Machenschaften. Er lebte zurückgezogen und scheute die Öffentlichkeit. "El Mencho" wurde 59 Jahre alt.

Wie kamen die Behörden "El Mencho" auf die Spur?

Nach Angaben von Verteidigungsminister Ricardo Trevilla Trejo konnte der mexikanische Geheimdienst einen Vertrauten von "El Menchos" Geliebten ausfindig machen, der die Frau in die Stadt Tapalpa im Bundesstaat Jalisco brachte. Die Frau habe die Nacht von Freitag auf Samstag mit "El Mencho" in einem Haus verbracht und sei am nächsten Tag aufgebrochen. Den Geheimdienstinformationen zufolge hielt sich "El Mencho" weiter mit seinen Leibwächtern in dem Gebäude auf. Daraufhin erfolgte am Sonntag der Zugriff.

Warum griffen die Behörden nicht schon vorher zu?

Die Festnahme von "El Mencho" sei vor allem deshalb aufgeschoben worden, weil sich der Drogenboss immer in dicht besiedelten Gebieten in Jalisco versteckt habe, sagte ein Regierungsinsider der Zeitung "El Pais". Die Gefahr von Kollateralschäden habe eine sorgfältige Planung des Einsatzes erfordert. Bei der Operation am Sonntag kam es zu heftigen Kämpfen. Insgesamt wurden acht Kartellmitglieder getötet und zwei Soldaten verletzt. Der verwundete "El Mencho" wurde ausgeflogen und erlag auf dem Weg nach Mexiko-Stadt seinen Verletzungen.

Was ist das Jalisco Nueva Generación?

"El Mencho" gründete sein Kartell 2009. Es profitierte von den Machtkämpfen zwischen anderen Drogenbanden und stieg nach der Auslieferung der Gründer des Sinaloa-Kartells, Joaquín "El Chapo" Guzmán und Ismael "El Mayo" Zambada, an die USA zum mächtigsten Drogenkartell des Landes auf. David Mora, Experte der Organisation International Crisis Group, hebt hervor, kennzeichnend für "El Menchos" Kartell sei der "konstante Wille, die mexikanische Regierung herauszufordern". Das sei dem Kartell auch gelungen, da es "sicherlich eine der mächtigsten Organisationen Mexikos in puncto militärische Kapazitäten, Rekrutierung und Bewaffnung" sei.

Welche Faktoren begünstigten den Aufstieg des Kartells?

Das Jalisco Nueva Generación führte mehrere Neuerungen ein, die ihre Macht erklären. So funktioniert das Kartell wie eine Art Franchise-System. Lokale kriminelle Gruppen können gegen Geldzahlungen die Nutzungsrechte der Marke CJNG "erwerben" und in ihrem Namen Verbrechen verüben. Zudem baut die Organisation auf die Zwangsrekrutierung junger Menschen, die mit vermeintlichen Stellenangeboten gelockt werden.

Zur Einschüchterung seiner Gegner verbreitet das Kartell immer wieder Bilder seiner paramilitärischen Kämpfer mit schweren Waffen und gepanzerten Fahrzeugen. CJNG geht äußerst brutal vor, immer wieder richten seine Mitglieder Blutbäder an. 2020 wurde der damalige Polizeichef von Mexiko-Stadt und heutige mexikanische Minister für öffentliche Sicherheit, Omar García Harfuch, bei einem Mordanschlag verletzt. Auch die Ermordung des Bürgermeisters der Großstadt Uruapan, Carlos Manzo, soll auf das Konto des Kartells gehen.

In welchen Bereichen ist das Kartell aktiv?

Die US-Behörden stufen CJNG als terroristische Organisation ein und sehen in dem Kartell einen der Hauptverantwortlichen für den Handel mit Heroin, Kokain, Methamphetamin und Fentanyl in den USA. Laut dem Experten José Reveles hat sich das Kartell aber auch andere Absatzmärkte in Europa, Asien, Afrika und sogar Australien gesucht. Außer dem Drogenhandel nutzt das Kartell laut der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA auch Erpressungen, Treibstoffdiebstahl, Finanzbetrug und Menschenhandel als sehr einträgliche Einnahmequellen.

Welche Rolle spielten die USA bei der Militäroperation gegen "El Mencho"?

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte auf X, die US-Regierung habe den Einsatz, bei dem "El Mencho" "eliminiert" worden sei, mit Geheimdienstinformationen unterstützt. Auch Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum betonte, US-Soldaten seien nicht an dem Einsatz beteiligt gewesen. Es habe lediglich ein "intensiver Informationsaustausch" mit den USA stattgefunden. Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (rund 12,7 Mio. Euro) auf "El Mencho" ausgesetzt.

Welche Zukunft zeichnet sich für das Kartell nun ab?

"El Mencho" war in seinem Kartell omnipräsent, ein Nachfolger drängt sich nicht auf. Sein ältester Sohn Ruben Oseguera González, der unter dem Namen "El Menchito" bekannt ist, wurde vergangenes Jahr in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt. Wegen der fehlenden "direkten Nachfolge entsteht ein Machtvakuum, das die Möglichkeit gewaltsamer Neuordnungen innerhalb der Organisation eröffnet", sagt Mora. Carlos Olivo, ein ehemaliger leitender Beamter der US-Drogenbehörde DEA, sagt: "Es wird definitiv zu Scharmützeln zwischen den verschiedenen Fraktionen kommen, und diese Gewalt könnte Jahre andauern."

Die internen Auseinandersetzungen bei Jalisco Nueva Generación könnten andere Drogenbanden nutzen, um ihre Macht auszuweiten. So könnte es laufen wie beim Sinaloa-Kartell, dessen Schwächung durch interne Machtkämpfe Jalisco Nueva Generación seinen Aufstieg zum bisher mächtigsten Kartell Mexikos verdankte.

Quelle: ntv.de, mit AFP

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