Politik

Harter Brexit nach US-Wahl? Johnson dementiert Wette auf Trump-Sieg

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Verhandelt Premier Johnson schlecht oder will er schlecht verhandeln? Die Beratungen mit der EU zum Brexit-Deal gehen in London jedenfalls weiter.

(Foto: imago images/Xinhua)

Warum führt der britische Premier die Brexit-Verhandlungen so, als wolle er sie gegen die Wand fahren? Insider unterstellen Johnson einen ausgefuchsten Plan: Er warte auf einen US-Wahlsieger Trump, um mit ihm einen Deal abzuschließen. Mit der EU wolle er dann den harten Brexit. Aber Johnson widerspricht.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat Behauptungen zurückgewiesen, er würde die Verhandlungen über einen Brexit-Handelspakt mit der EU bis zur US-Wahl hinauszögern. Präsident Donald Trump gilt als Brexit-Anhänger, sein demokratischer Herausforderer Joe Biden ist hingegen mehr der Europäischen Union zugetan. Zu Spekulationen, er würde einen eventuellen No-Deal-Brexit nur verkünden, falls Trump wieder Präsident würde, sagte Johnson: "Das sind zwei ganz verschiedene Dinge." Er sei froh, dass bei den Brexit-Verhandlungen beide Seiten wieder an einem Tisch sitzen.

"Wir werden sehen, was die Gespräche bringen", sagte der Premierminister zu Journalisten bei einem Besuch im Royal Berkshire Hospital in Reading westlich von London. Seine Bemerkungen bezogen sich vor allem auf einen Bericht des "Observer" vom Wochenende, demzufolge Johnson angeblich das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl am 3. November abwarten wolle. Bei einem Wahlsieg Trumps würde Johnson dann umgehend ein Handelsabkommen zwischen den USA und Großbritannien abschließen.

Nach Angaben eines britischen Regierungssprechers sind London und Brüssel nun "in einer intensiven Phase der Verhandlungen" über einen Brexit-Handelspakt. Bislang waren die Gespräche kaum vorangekommen, London verließ zwischenzeitlich sogar den Verhandlungstisch. Kommt kein Deal zustande, drohen Zölle und andere Handelsbarrieren. Die Brexit-Übergangsphase, in der praktisch noch alles beim Alten geblieben ist, geht in etwa zwei Monaten zu Ende.

Harter Brexit: Studie sagt Briten harte Zeiten voraus

Exporteinbruch, Inflation, Pleitewelle: Ein harter Brexit ohne Handelsabkommen mit der Europäischen Union hätte einer Studie zufolge für Großbritannien viele negative Folgen. Dadurch gerieten bis zu 15 Prozent der britischen Ausfuhren in die EU in Gefahr, wodurch Einbußen von fast 14 Milliarden Euro drohten, heißt es in der Untersuchung des Kreditversicherers Euler Hermes. "Ein harter Ausstieg zusätzlich zur Covid-19-Pandemie und der sowieso schon schwierigen wirtschaftlichen Lage würde vor allem Großbritannien selbst sehr hart treffen", sagte die Leiterin Makroökonomie bei der Euler Hermes Gruppe, Ana Boata.

Bei einem harten Ausstieg rechnet sie in Großbritannien im kommenden Jahr mit einer erneuten Rezession, in der das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um fünf Prozent einbrechen dürfte. Die Teuerungsrate dürfte über der Marke fünf Prozent liegen, vor allem bedingt durch die mit 15 Prozent stark steigenden Preisen von Importen sowie einer Abwertung des britischen Pfunds von zehn Prozent zum Euro. Deutlich mehr Geld müssten die Briten künftig etwa für Schuhe, Hüte oder Regenschirme auf den Tisch legen. Um rund 20 Prozent dürften die Preise für diese Waren anziehen, sagen die Experten von Euler Hermes voraus. Auch Textilwaren, Speisen und Getränke, Alkohol, Tabak oder Essig dürften deutlich mehr kosten.

Quelle: ntv.de, mau/dpa