Politik

Unterhaus lacht Tränen Johnson verabschiedet Bercow mit Charme

Bei der letzten Fragestunde im britischen Parlament vor der Neuwahl läuten Premier Johnson und sein Labour-Widersacher Corbyn den Wahlkampf ein. Doch für den scheidenden Parlamentspräsidenten hat Johnson überraschend herzliche Worte parat. Bercow muss erst lachen und dann weinen.

Nach Wochen und Monaten des erbitterten Streits hat der britische Premierminister Boris Johnson seinen Kontrahenten, den Parlamentspräsidenten John Bercow, mit viel Gefühl verabschiedet. Bei der voraussichtlich letzten Fragestunde des Unterhauses vor der Neuwahl am 12. Dezember verbeugte sich der Premier vor dem unbeugsamen Bercow: Er sei ein großer Diener des Parlaments gewesen, habe es modernisiert und habe "wie ein Schiedsrichter" in Wimbledon die Diskussionen geführt und "wie eine Tennisball-Maschine eigene Kommentare in das Parlament abgefeuert", sagte Johnson.

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Wie der britische Astrophysiker Stephen Hawking habe Bercow bewiesen, dass die Zeit dehnbar sei, sagte Johnson mit Blick auf stundenlange Abstimmungsschlachten zum Brexit-Vertrag mit der Europäischen Union. Mit seiner Hommage an Bercow brachte Johnson das sonst tief zerstrittene Unterhaus über alle Gräben hinweg zum Lachen. Bercow selbst musste mit den Tränen kämpfen, als er sich bei seiner Familie für deren Unterstützung bedankte.

Zuvor lieferten sich Johnson und Oppositionsführer Jeremy Corbyn von der Labour-Partei zum Wahlkampf-Auftakt ein heftiges Wortgefecht. Johnson warf dem Labour-Chef vor, die Wirtschaftskraft des Landes mit seinen Plänen für Steuererhöhungen und Verstaatlichungen aufs Spiel zu setzen. Corbyn bezichtigte Johnson hingegen, mit einem geplanten Handelsabkommen mit den USA den "Ausverkauf" des Landes anzusteuern. Beide versprachen, in den Nationalen Gesundheitsdienst zu investieren. Das Unterhaus hatte am Dienstag für ein Gesetz zur Neuwahl am 12. Dezember gestimmt. Das Gesetz muss noch vom Oberhaus abgesegnet werden. Doch das gilt in diesem Fall eher als Formalie. Umfragen zufolge liegen die Konservativen von Johnson weit vor der Labour-Partei.

Am Donnerstag wird Bercow zum letzten Mal auf seinem hölzernen Thron im Londoner Abgeordnetenhaus Platz nehmen und mit seinem charakteristischen "Order, order" die Parlamentarier zur Ordnung rufen. Am Montag soll sein Nachfolger – beziehungsweise seine Nachfolgerin – gewählt werden, nachdem Bercow zum 31. Oktober seinen Rücktritt angekündigt hatte.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

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