Politik

Indirekte Worte an TrumpKanadas Premier überrascht mit "bester Rede des Events"

21.01.2026, 15:51 Uhr
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Mark Carney nannte in seiner Rede die regelbasierte Weltordnung eine "nützliche Fiktion". (Foto: AP)

Kanadas Regierungschef Carney erhält für seine bemerkenswerte Rede in Davos viel Lob. Besonders sind seine Worte auch, weil er sich auch kritisch mit der immer wieder angesprochenen "regelbasierten Weltordnung" auseinandersetzt. Die sei schon immer auch "Augenwischerei" gewesen.

Mit eindringlichen Worten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat der kanadische Regierungschef Mark Carney bei den Teilnehmern ins Schwarze getroffen. Der finnische Präsident Alexander Stubb lobte, Carney habe die beste Rede des Treffens gehalten.

Der kanadische Premier sprach einen Tag vor dem Auftritt von US-Präsident Donald Trump. Carney nannte Trump nicht beim Namen. Gleichwohl gehen Beobachter davon aus, dass er vor allem den US-Präsidenten im Sinn hatte, der mehrfach angekündigt hatte, er wolle Kanada zum Teil der Vereinigten Staaten machen.

Kanada habe von der alten regelbasierten internationalen Ordnung profitiert, auch von der "amerikanischen Hegemonie", die unter anderem zu freien Seewegen, einem stabilen Finanzsystem und kollektiver Sicherheit beigetragen habe. Nun habe sich eine neue Realität etabliert.

Dabei war Carney auch ungewohnt ehrlich. "Wir wussten insgeheim, dass die regelbasierte Ordnung von Politik ein Stück weit Augenwischerei war", sagte der kanadische Premierminister. "Uns war klar, dass die Stärksten innerhalb dieser Ordnung sich nicht mehr an die Regeln halten würden, sobald es ihnen passte. Die Globalisierung hatte von Anfang an eine Unwucht. Und auch das internationale Strafrecht ist mal mehr, mal weniger rigoros angewandt worden - abhängig davon, wer gerade angeklagt war."

Auch eine gewisse Selbstanklage war aus Carneys Worten herauszuhören. Man habe sich lange Zeit etwas vorgemacht. Die Fiktion der regelbasierten Weltordnung sei nützlich gewesen. "Wir haben an den Ritualen teilgenommen. Und wir haben es weitgehend vermieden, auf die Diskrepanz zwischen Rhetorik und Realität hinzuweisen. Dieser Kompromiss funktioniert nicht mehr."

In jüngerer Zeit jedoch haben Großmächte begonnen, wirtschaftliche Integration als Waffe einzusetzen, so Carney. "Zölle als Druckmittel. Finanzinfrastruktur als Zwangsmittel. Lieferketten als Schwachstellen, die ausgenutzt werden können", führte er aus. Auch wenn er den Namen Trump nicht aussprach, war dennoch klar, wen er meinte. Als Konsequenz würden viele Länder zu denselben Schlussfolgerungen kommen: Sie würden in den Bereichen Energie, Ernährung, kritische Mineralien, Finanzen und Lieferketten mehr Autonomie entwickeln.

Es sei ein Impuls, den er verstehen könne, so Carney. "Wenn die Regeln dich nicht mehr schützen, musst du dich selbst schützen." Doch der kanadische Premier warnte auch vor einer in der Konsequenz entstehenden "Welt der Festungen": "Lassen Sie uns klar sagen, wohin das führt. Eine Welt voller Festungen wird ärmer, zerbrechlicher und weniger nachhaltig sein."

Quelle: ntv.de, toh/dpa

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