Wirtschaft

Was kann Europa machen? "Trump ist abgehoben wie Nero"

21.01.2026, 14:43 Uhr
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Teilt kräftig aus: Donald Trump. (Foto: REUTERS)

Mit Trump lässt sich nicht mehr verhandeln, sagt der deutsch-amerikanische Ökonom Rüdiger Bachmann. Stattdessen sollte Europa sein Arsenal an Gegenmaßnahmen vorführen - bis hin zum Fußball-Boykott.

Sie haben auf X über Donald Trump geschrieben, nun helfe nur noch beten. Wofür sollen wir beten?

Rüdiger Bachmann: Trump hat ja offenbar intern zugegeben, dass es ihm bei Grönland nur darum geht, dass er den Friedensnobelpreis nicht bekommen hat. Mit diesem Menschen lässt sich nicht mehr rational argumentieren oder verhandeln. Mit Trump kann man keine Deals machen.

Der Deal, den Trump im Sommer mit der EU geschlossen hat, ist quasi aufgekündigt. Dabei schien der Handelskonflikt beigelegt - nun könnte er noch härter zurückkommen.

Für mich war immer klar, dass es naiv ist, mit Trump Vereinbarungen zu schließen. Man kann auch mit Wladimir Putin keinen Deal machen. Das sind Machtpolitiker, da geht es um reinen Egoismus und den eigenen kurzfristigen Vorteil.

Die Zölle, die Trump nun angekündigt hat, sind zum Teil höher als die Abgaben, die er im April einführen wollte. Worauf muss sich Europa einstellen?

Man kann noch darauf hoffen, dass es nicht so schlimm kommt. Beim "Liberation Day" im April haben etwa die abrauschenden Märkte Trump dazu gebracht, die Zölle abzuschwächen. Und auch die Europäer haben noch Mittel im Arsenal. Umgarnung und Schleimerei, so wie es die Europäer bisher versucht haben, hat jedenfalls nicht funktioniert. Wenn diese Zölle aber wirklich längerfristig in Kraft treten, kommen wir in Dimensionen, die den transatlantischen Handel stark gefährden werden. Das schadet beiden Regionen.

Beim letzten Mal gab es immerhin noch Ausnahmen, zum Beispiel auf Pharmaerzeugnisse. Wie genau die Zölle dieses Mal ausgestaltet sind, ist noch unklar. Womit rechnen Sie?

Es wird zuerst schlimmer werden, bevor es besser werden kann. Trump geht es innenpolitisch nicht gut. Im vergangenen Jahr haben die Republikaner bei allen Wahlen schlechter abgeschnitten als in derselben Region 2024, es gibt Zerwürfnisse innerhalb der MAGA-Basis. Das brutale Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE steht massiv in der Kritik, und auch die Epstein-Files sind größtenteils nicht veröffentlicht. In den Medien wird Trump bereits abgeschrieben, weil er die Midterms zu verlieren droht und dann zu einer "Lame Duck" werden könnte. In diesem Zusammenhang muss man sein Vorgehen in Venezuela und Grönland verstehen. Ezra Klein von der "New York Times" hat das mal "Propaganda durch Spektakel" genannt. Trump wird künftig im Kongress legislativ wenig zustande bringen und der Supreme Court könnte bald die Zölle kippen. In den normalen politischen Bahnen wird Trump wenig erreichen. Deswegen wird er es autoritär probieren. Wir sollten uns warm anziehen und mit allem rechnen.

Rudi-Bachmann
Rüdiger Bachmann ist Professor of Economics an der University of Michigan. (Foto: Matt Cashore/University of Notre Dame)

Aber macht sich Trump denn beliebt mit der Androhung, sich Grönland einzuverleiben?

Das ist nur noch eine harte MAGA-Basis, die das gut findet. Einem Verbündeten Territorium wegzunehmen, ist bis weit ins konservativ-rechte Spektrum unpopulär. Der normale Amerikaner hat andere Sorgen - den interessiert nicht, ob Grönland ein amerikanischer Bundesstaat ist. Dort geht es um Lebenshaltungskosten, Angst vor Arbeitsplatzverlust oder vor allem unter Latinos die Furcht vor Abschiebung von Verwandten. Das sind die Sorgen, die Trumps Wähler haben.

In der Vergangenheit wurde US-Präsidenten häufiger vorgeworfen, mit außenpolitischen Abenteuern von innenpolitischen Problemen ablenken zu wollen.

Es geht hier um mehr als Ablenkung. Bei Trump ist das strukturell. Er kommt aus dem Entertainmentsektor, er hat eine ganz andere Politikauffassung. Trump denkt autoritär und kleptokratisch - wie ein Mafiaboss. Und inzwischen scheint er völlig abgehoben, ähnlich wie Nero. Die nächsten Monate werden nicht gut.

War es eine unnötige Provokation der Europäer, Soldaten nach Grönland zu schicken?

Nein, es war genau das richtige Signal. Auch viele in Trumps Orbit haben ja gesagt, dass sich die Europäer darum kümmern müssen. So hat man gezeigt, dass man sich kümmert und gleichzeitig klargemacht, dass man sich nicht einschüchtern lässt. Man hätte vielleicht eher mehr Soldaten hinschicken müssen.

Die EU diskutiert eine ganze Reihe an weitreichenden Gegenmaßnahmen. Wie stark sollten die Europäer jetzt vergelten?

Man sollte das ganze Arsenal zumindest mal auf den Tisch legen: Zölle, Abgaben auf die Techunternehmen, womöglich ein neuer Umgang mit amerikanischen Staatsanleihen. Das sollte man bei den Gesprächen deutlich durchblicken lassen. Natürlich müssen die Europäer dann auch bereit sein, notfalls für die Ukraine komplett einzustehen. Es gibt das Risiko, dass sich die USA dann aus der Unterstützung zurückziehen.

Welche Instrumente halten Sie für besonders vielversprechend?

Womöglich gar ein Boykott der Fußball-WM in den USA dieses Jahr. Damit könnte man Trump eventuell beeindrucken. Das amerikanische Volk interessiert sich nicht für Fußball, aber es würde Trumps Image schaden. Insgesamt sollte man aber mit der politischen Klasse in den USA im Austausch bleiben - und noch mehr mit der zivilgesellschaftlichen Ebene. Das amerikanische Volk darf nicht zum Gegner werden.

Wobei die transatlantische Freundschaft nach den letzten Äußerungen von Donald Trump zumindest vorläufig dahin scheint.

Warum sollte die Freundschaft zwischen den Menschen dahin sein? Warum sollte es keinen Austausch der Wissenschaftler mehr geben? Warum sollten amerikanische Wissenschaftler nicht auf europäische Konferenzen gehen? Es macht keinen Sinn, die Zivilgesellschaft zu boykottieren.

Aber dann stellt sich doch die Frage, wie wir dieses Verhältnis auch im Politischen wieder kitten. Wie kommen wir da wieder raus?

Trump ist inzwischen in Zustände abgedriftet, die sich rational nicht mehr erklären lassen. Wir müssen über alle Arsenale diskutieren, die wir haben und alle Kontakte aktivieren, die es noch in die US-Verwaltung gibt. Und ansonsten beten.

Mit Rüdiger Bachmann sprachen Kilian Schroeder und Viktar Vasileuski

Dieses Interview erschien zuerst bei capital.de

Quelle: ntv.de

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